Labortests Coronavirus-Mutation: Untersuchung in Sachsen in wenigen Wochen möglich

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat am Montag angekündigt, dass in Deutschland verstärkt auf mögliche Coronavirus-Mutationen getestet werden soll. Wie das genau abläuft und was auf die sächsischen Labore dabei zukommt, hat MDR SACHSEN mit Dr. Christian Scholz, Facharzt für Labormedizin, besprochen.

Anzucht einer Virenkultur im Labor
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Der Aufbau der neuen Diagnostik zur Untersuchung von Coronavirus-Mutationen in Sachsen ist in nur wenigen Wochen möglich. Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Christian Scholz, Facharzt für Labormedizin und Gesellschafter des Labors Diagnosticum mit Sitz in Neukirchen. "Wenn das Labor davor schon Sequenzierungen durchgeführt hat, kann es diesen Test in zwei bis drei Wochen aufbauen", sagt er. Die Labore in Deutschland sollen zukünftig gezielt nach hochansteckenden Mutationen des Coronavirus suchen. Das sieht eine Verordnung vor, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Berlin vorgestellt hat. Ziel sei ein besserer Überblick über die bundesweit zirkulierenden Virus-Varianten.

Ob sich sächsische Labore an der Untersuchung auf die Virusmutationen beteiligen, entscheidet dabei aber jedes Labor selbst. "Das regelt die Marktsituation", erklärt Scholz. "Wenn eine gewisse Diagnostik nachgefragt ist, die nur von wenigen Laboren angeboten wird, besteht ein Anreiz für den Aufbau dieser Diagnostik." Labore, die selbst nicht auf die Virusmutationen testen, senden einen Teil ihrer positiven Proben dann an andere Labore. Da solche pandemiebedingten Leistungen nicht von Krankenkassen gedeckt werden, sei es wichtig, dass die Bundesregierung eine Vergütung anbietet, so Scholz. Die Labore erhalten laut Bundesgesundheitsminister Spahn einen finanziellen Ausgleich für den Mehraufwand bei der Analyse der Proben.

Untersuchung auf Mutationen für Labore sehr aufwendig

Die Testung auf Virusmutationen ist für die Labore wesentlich aufwendiger als der PCR-Test. "Beim PCR-Test wird nur ein Teil des Genoms auf die typischen Merkmale des Coronavirus untersucht", erklärt Scholz. "Um Mutationen zu entdecken, muss das komplette Genom untersucht werden." Das sei bisher im kleinen Maßstab nur im Robert-Koch-Institut und in der Charitè in Berlin durchgeführt worden. Nun sollen etwa fünf bis zehn Prozent der positiven PCR-Tests in Deutschland auf Mutationen untersucht werden. Das reicht laut Scholz aus, um eine statistische Verteilung und einen möglichen Anstieg der Verbreitung der Virusmutation zu erkennen.

Christian Scholz
Christian Scholz, Facharzt für Labormedizin und Gesellschafter des Labors Diagnosticum mit Sitz in Neukirchen Bildrechte: Diagnosticum

Mutationen sind nicht ungewöhnlich

"Dass ein Virus mutiert, gehört zum normalen Virusleben dazu", erklärt Scholz. "Es versucht alles, um unser Immunsystem auszutricksen." Viele Mutationen würden für den Erkrankten dabei keinen Unterschied machen. Aber die Mutationen des Coronavirus, die derzeit in Großbritannien und Südafrika kursieren, seien wesentlich ansteckender als das bisher bekannte Virus. "Das Virus hat sich besser angepasst und sorgt für einen höheren Anstieg der Infektionszahlen", so Scholz.

Nehmen wir an, eine Person ist mit dem klassischen Coronavirus infiziert und eine mit der Mutation: Nach kurzer Zeit wird man nur noch die neue Virusvariante finden, da sie sich viel schneller verbreitet.

Christian Scholz Landesvorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte

Bisher gebe es laut Scholz in Deutschland nur Einzelfälle, in denen eine Coronavirus-Mutation nachgewiesen wurde. "Wir haben die Hoffnung, eine schnellere Ausbreitung der Mutation verhindern zu können." Einer der Fälle war Anfang Januar in Dresden nachgewiesen worden.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.01.2021 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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