Gesundheit Landesärztekammer: Ostsachsen an der Grenze der Belastbarkeit

Ein Arzt in Schutzkleidung
Am Mittwoch wurden 324 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen in sächsischen Kliniken behandelt. Die Landesärztekammer schätzt, dass die Zahl in den kommenden Tagen und Wochen noch ansteigt. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency/Davide Farcassi

Die Landesärztekammer sieht die medizinische Versorgung in einigen Regionen Sachsens akut gefährdet. Grund dafür sei das Corona-Infektionsgeschehen. Präsident Erik Bodendieck sagte: "Ostsachsen ist schon an der Grenze der Belastbarkeit." In Görlitz sind den Angaben zufolge die Krankenhäuser schon voll belegt und Patienten müssten verlegt werden. Das sei bedrohlich und ein bedenkliches Zeichen. Die Lage in Sachsen beschrieb er insgesamt als "kritisch, aber nicht hoffnungslos".

Rund 1.450 Covid-19-Patienten in sächsischen Kliniken

Laut Bodendieck werden aktuell 1.447 Corona-Patienten landesweit auf infektiologischen Stationen behandelt - 324 von ihnen auf Intensivstationen. Die Auslastung der geplanten Kapazitäten liege in beiden Bereichen bei 75 Prozent oder sogar darüber. In den nächsten zwei Wochen erwartet die Landesärztekammer eine etwa gleichbleibende Zahl an Patienten im Normalbereich. Allerdings rechne man mit einem weiteren Anstieg im Intensivbereich. Covid-19-Erkrankte müssten dort in der Regel länger als andere Patienten betreut werden.

Es gibt erste Hinweise, dass selbst bei Nicht-Erkrankung der Coronavirus langfristige Schäden verursachen kann, weil der Virus sehr viele Organe angreift.

Erik Bodendieck Präsident der Landesärztekammer Sachsen

Ärztekammer: "Sicherheitshalber" Notkrankenhaus aufbauen

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer
Erik Bodendieck hat am Mittwoch die aktuelle Lage in den Krankenhäusern Sachsens erläutert. Ihm zufolge ist in einigen Regionen Sachsens die medizinische Versorgung gefährdet. Bildrechte: Slaek

Den Angaben der Landesärztekammer zufolge sind die Krankenhäuser in den Regionen verschieden stark ausgelastet. In der Region Dresden/Ostsachsen seien derzeit noch 34 Intensivbetten frei, in Chemnitz/Westsachsen 31 und in Nordsachsen 24. Im Erzgebirge würden die Infektionszahlen nicht richtig sinken - dort werde deshalb die Situation kritisch. Bettenkapazitäten für Corona-Patienten müssten nun erhöht werden. Dafür sollten auch andere Krankenhäuser wie Rehakliniken wieder zur Betreuung von Patienten ohne Covid-19 genutzt werden. Außerdem empfiehlt Bodendieck, "sicherheitshalber" ein Notkrankenhaus aufzubauen.

Forderung nach Zugeständnissen 

Der Personalmangel im medizinischen und Pflegebereich hat sich im Zuge der Corona-Pandemie weiter verschärft. Bodendieck fordert deshalb, das Arbeitszeitgesetz und die Personaluntergrenzen in Krankenhäusern während der Corona-Krise zumindest befristet auszusetzen, denn "Ärzte und Pfleger, die jetzt mehr arbeiten müssen, müssen die geleisteten Überstunden auch bezahlt bekommen und die Kliniken Personal flexibel einsetzen können."  

Das möchten wir lieber vermeiden, aber es könnte notwendig sein.

Erik Bodendieck Präsident der Landesärztekammer Sachsen

Wenn sich die Lage weiter verschärfe, müsse auch darüber diskutiert werden, dass Corona-infizierte aber symptomfreie Mitarbeiter am Patienten arbeiten.

Vorgezogene Ferien bringen Probleme

Der Plan, die Weihnachtsferien in Sachsen vorzuziehen sieht Bodendieck kritisch: "Es mag der Idee entspringen, dass wir eine Art Quarantäne machen, um zu schauen, dass keiner infiziert oder infektiös zu anderen geht. Ich kann das nachvollziehen. Es stellt uns in einzelnen Bereichen aber vor erhebliche Probleme: Wir haben sehr viele junge Menschen als Pflegekräfte in Pflegeheimen, Hospizen und anderen Bereichen. Die müssen dann ihre Kinder betreuen." Die Pflegesituation könnte so zusätzlich verschärft werden.

Quelle: MDR/dpa/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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