Pandemie Landräte: 2G-Corona-Pläne der Landesregierung täuschen falsche Sicherheit vor

Die Corona-Zahlen steigen in Sachsen wieder deutlich. Deshalb will die Landesregierung die Corona-Schutzverordnung verschärfen und setzt dabei überwiegend auf die 2G-Regelung. Die sächsischen Landräte sehen das kritisch, fordern eine neue Teststrategie und die Konzentration von Booster-Impfungen zunächst auf Alten- und Pflegeheime.

Schild mit der Aufschrift "Zutritt nur nach 2G-Regel"
Mit der neuen Corona-Schutzverordnung wird 2G voraussichtlich fast überall im öffentlichen Raum zur Pflicht. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Nach der Ankündigung der Landesregierung ab Montag im öffentlichen Raum in Sachsen fast ausschließlich auf die 2G-Regelung zu setzen, regt sich in Landratsämtern Unmut. Die Landräte - alle CDU - sehen die von der Staatsregierung angekündigten Regelungen kritisch und verlangen eine umfassende Teststrategie. Der Präsident des Sächsischen Landkreistages und Erzgebirgslandrat, Frank Vogel, sagte nach einer Sitzung mit seinem Amtskollegen am Donnertag, mit 2G-Beschränkungen werde den Bürgern eine Sicherheit vorgespielt, die angesichts der aktuellen Erkenntnisse zur Infektiosität auch von Geimpften nicht gegeben sei.

Wir sehen vielmehr in dem verbindlichen Hochfahren einer umfassenden Teststrategie mit der Wiedereinführung von kostenlosen Tests einen wirksameren Beitrag zur frühzeitigen Erkennung von Infektionen.

Frank Vogel Präsident des Sächsischen Landkreistages

Zudem appellierten die Landräte an Einzelhändler, Gastronomen, Hotelbesitzer und Veranstalter, dass sie ihren Verpflichtungen zur Einhaltung der geltenden Zugangsregelungen nachkommen.

Landräte: Bosterimpfungen zunächst auf Pflegeheime konzentrieren

Eine weitere Forderung der Kreischefs: Boosterimpfungen soll es insbesondere in den Alten- und Pflegeeinrichtungen geben, um die besonders gefährdete Gruppe der älteren Menschen schnellstmöglich zu schützen. "Wir brauchen dazu eine zweite konzertierte Impfkampagne, wie im Frühjahr. Dazu sollten vorhandene Impfteams auf diese Aufgaben konzentriert werden", betonte Vogel.

Zusätzlich zu den vorhandenen Impfstellen in den Krankenhäusern sollen nach dem Willen der Landräte in den größeren Städten feste Impfstellen eingerichtet werden, die tageweise ein mehrstündiges Impfangebot für Erstimpfungen und Boosterimpfungen ermöglichen.

Nordsachsen-Landrat: Corona-Lage komplett neu bewerten

Bereits am Mittwoch hatte der Landrat von Nordsachsen, Kai Emanuel (CDU), eine komplette Neubewertung der aktuellen Corona-Lage verlangt. Emanuel sagte MDR SACHSEN, der gegenwärtige Anstieg der Infektionszahlen sei nicht mit der Situation des Vorjahres vergleichbar. Die Ursachen müssten analysiert und Risiken herausgefunden und neu bewertet werden. Es brauche zugeschnittene Maßnahmen statt einer Entscheidung zwischen 2G oder 3G.

Nordsachsen hat Probleme bei Kontaktnachverfolgung

Der CDU-Politiker verwies auf erhebliche Probleme bei der Kontaktnachverfolgung. 2020 hätte ein Infizierter vier bis fünf Kontakte angegeben. Ohne Lockdown seien dies aktuell bis zu 40 Personen. Im Gesundheitsamt des Landkreises Nordsachsen arbeiten derzeit 150 Menschen an der Kontaktnachverfolgung. Im Normalfall sind es 30.

Positiver Corona Schnelltest Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test der Firma Hotgen (Aldi)
Corona-Tests sollten wieder kostenfrei möglich sein. Das fordert der Bautzener Vize-Landrat. Bildrechte: dpa

Bautzner Vize-Landrat will kostenlose Corona-Tests

Zuvor hatte sich bereits der Bautzner Vize-Landrat, Udo Wischas (CDU), geäußert. Er sprach sich für eine schnelle Rückkehr zu kostenlosen Corona-Schnelltests aus. Das würde aus seiner Sicht einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Infektionszahlen leisten. "Wir testen im Vergleich zu der Zeit vor der Kostenpflicht nur noch die Hälfte der Personen, dafür sehen wir einen enormen Anstieg der Neuinfektionen kurze Zeit später", sagte Witschas, in dessen Geschäftsbereich das Gesundheitsamt fällt.

Zwar gebe es noch einige Personengruppen, die einen kostenlosen Test erhalten dürfen. Allerdings gebe es eine große Unsicherheit bei Testpersonen und Testzentren, welche Regelung nun konkret greife. Auch würden Kliniken und Pflegeheime zunehmend Schwierigkeiten haben, die kostenfreien Besuchertestungen durchführen zu können, erklärte der Vize-Landrat.

Ablehnung von Kontrollen in Einkaufszentren

Darüber hinaus lehnte Witschas die diskutierte Ausweitung der 2G-Pflicht auf den Einzelhandel ab. "Entsprechende Kontrollen etwa in größeren Einkaufszentren sind praktisch schlicht nicht umsetzbar", meinte Witschas. Die Durchsetzung der Regelungen mit Kontrollen des Ordnungsamtes ist aus seiner Sicht Wunschdenken und könne keinen signifikanten Beitrag zur Wirksamkeit der Maßnahmen leisten.

Quelle: MDR/sth/lam/Mina

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 03. November 2021 | 15:00 Uhr

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