Offener Brief Lehrerverband in Sachsen fordert mehr Gesundheitsschutz, Rückhalt und klarere Regeln

Cornelia Herrmann unterrichtet Schüler.
Der sächsische Lehrerverband hat in seinem offenen Brief eine lange Liste an Forderungen gestellt. Bildrechte: dpa

Der Sächsische Lehrerverband hat einen offenen Brief an das sächsische Kultus- und Sozialministerium sowie das Landesamt für Schule und Bild geschickt. Darin werden ein fehlender Gesundheitsschutz, schlechtes Bildungsmanagement und unhaltbare Ankündigungen zur Schulpolitik kritisiert. Lehrkräfte trügen "die gesundheitliche und politische Last der Pandemie" und verdienten ein Mindestmaß an Sicherheit für die Schulöffnung, um die Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu sichern und alle Beteiligten vor Überforderung zu schützen.

Impfangebot, Schnelltests, Dienstcomputer

Der Verband hat eine lange Liste an Forderungen an die sächsische Regierung formuliert. Dem Brief zufolge würden die Lehrkräfte zwar "sehr gern wieder vor Ort mit den Schülern arbeiten," aber nicht um den Preis ihrer Gesundheit. Gefordert werden deshalb kurzfristige Impfangebote für die Beschäftigten aller Schularten sowie eine ausnahmslose Testpflicht, auch für Grundschulen. Zudem werden Luftfilter und die Möglichkeit für Wechselunterricht an Grundschulen in Gebieten mit einer Inzidenz von mehr als 50 gefordert.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangende technische Ausstattung. Der Verband fordert deshalb eine beschleunigte Anschaffung von Dienstcomputern und eine "sichere, verlässliche, störungsfreie Version von Lernplattformen."

Mehr Planungssicherheit gefordert

Neben der mangelnden Ausstattung kritisiert der Lehrerverband vor allem die fehlende Planungssicherheit für Lehrkräfte.

Sie erwarten, dass Lehrkräfte und Schulleitungen immer mehr zusätzliche Aufgaben im Zusammenhang mit der Pandemie übernehmen und flexibel auf ständige, extrem kurzfristige Änderungen reagieren, aber es gibt keinerlei Planungssicherheit.

Offener Brief des Lehrerverbands

Der Verband fordert deshalb mehr Vorlaufzeit für Schulen zur Umsetzung beschlossener Maßnahmen und ein klares Bekenntnis der Landesregierung zu ihren Lehrkräften. Die Regierung müsse sich in der Öffentlichkeit vor die Lehrkräfte stellen und eine "Null-Toleranz-Politik" gegenüber Eltern zeigen, die Lehrkräfte beschimpfen und beleidigen. Lehrerinnen und Lehrer müssen nach Auffassung des Verbands aktuell besonders vor Beleidigungen und Bedrohungen geschützt werden und keinem zusätzlichen Druck, zum Beispiel durch den vom Kultusministerium erstellten "Erwartungshorizont für die Gestaltung der häuslichen Lernzeit" ausgesetzt werden. Lehrkräfte sollten die alleinige Verantwortung für ihre Unterrichtsmethoden und -gestaltung haben. Zudem müsse die aktuelle Mehrarbeitszeit auch finanziell entlohnt werden, so der Verband.

Auch unter einigen Eltern wächst der Unmut über die Bildungspolitik in Corona-Zeiten. In vielen erzgebirschen Städten haben Erziehungsberechtigte daher als Protestaktion Kinderschuhe mit Botschaften vor die Rathäuser gestellt.

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.03.2021 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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