Das sagen Elternvertreter, Gewerkschaft und der Kultusminister

Landeselternrat: An vielen Stellen hat sich nichts getan

Landeselternrat und die Gewerkschaft GEW sehen weiterhin erhebliche Defizite. "Sachsen ist nicht gerüstet für das Homeschooling", so Landeselternrats-Vorsitzende Nadine Eichhorn. "Es gibt viele Lehrer, die fuchsen sich rein in LernSax. Aber es hat sich an anderen Stellen sehr wenig bis nichts getan." Eichhorn nennt da vor allem den Breitbandausbau, vor allem auf dem Land, sowie die technische Ausstattung der Schüler. "Wer im Frühjahr keinen Laptop hatte und keine Eltern, die sich das leisten konnten, der hat auch weiterhin keinen Laptop. Hier sehen wir massive Probleme. So ist kein Onlineunterricht möglich."

Aus Sicht des Landeselternrates brauche es in der aktuellen Situation staatliche Vorgaben, um Qualitätssicherung auch beim digitalen Unterricht zu gewährleisten. Nur so könnten die Schüler ihre Abschlüsse bewältigen. "Man braucht einen Mindeststandard, der sich am Bildungsplan orientiert", sagt der stellvertretende Vorsitzende Jörg Menke. Dazu sollten vom Kultusministerium Lehrpläne entrümpelt werden und eine Konzentration auf die Pflichtfächer erfolgen - zumindest für die Zeit der Pandemie.

Die vergangenen Wochen hätten stärker genutzt werden müssen, um etwa Videokonferenzen oder digitalen Unterricht über Plattformen wie Lernsax parallel zum regulären Unterricht zu üben, so Menke weiter. Es gebe Bio- oder Chemielehrer, die eigene Videos zu ihren Experimenten erstellten. "Andere verstehen unter digitalem Unterricht, ein PDF-Dokument hochzuladen."

GEW: Lehrer fordern Entlastung für digitalen Unterricht

Die Gewerkschaft GEW hatte am 24. November das Ergebnis einer Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern veröffentlicht, in dem drei Viertel der Befragten angegeben haben, dass sich die technischen Möglichkeiten seit dem Frühjahr nicht wesentlich verbessert hätten. "Neben der technischen Ausstattung wünschen sich Lehrkräfte für digitalen Unterricht verstärkt Weiterbildungen und gegenseitigen Austausch", heißt es.

Zugleich arbeiten Lehrerinnen und Lehrer bereits an der Leistungsgrenze. Die Befragten fordern daher Entlastungen insbesondere für den digitalen Unterricht, für die Klassen- sowie für die Schulleitung und zusätzliches Assistenzpersonal für Aufsicht und Vertretungen.

GEW Sachsen

Kultusministerium: "Wir sind deutlich besser aufgestellt"

Das Kultusministerium verweist hingegen auf eine Reihe von Maßnahmen - etwa auf den neuen Dienst "Schullogin", der sämtliche digitalen Dienste für Schulen auf einer Plattform bündelt. Darüber könnte nicht nur auf die Lernplattform Lernsax zugegriffen, sondern auch Nachrichten gesendet, Dateien geteilt sowie Videokonferenzen abgehalten werden.

Seit Anfang Oktober gibt es dafür ein neues System, mit dem bei coronabedingten Schulschließungen schnell und einfach Videokonferenzen organisiert werden könnten, hieß es. "Wir sind für mögliche Schulschließungen oder vorübergehende Lernzeiten zuhause deutlich besser aufgestellt, als es vor den Sommerferien der Fall war", betonte ein Ministeriumssprecher. Einen Beweis dafür sieht die Behörde auch in den steigenden Nutzerzahlen: Griffen vor der der Corona-Krise rund 200.000 Lehrer, Schüler und Eltern auf Lernsax zurück, waren es Ende des vergangenen Schuljahres mehr als 500.000.

Auch 20.000 Zugänge für die Online-Lernplattform sofatutor mit Lernvideos und interaktiven Übungen hat Sachsen gekauft. Betroffene Schulen können vom Landesamt für Schule und Bildung bei Bedarf einen Zugang erhalten. Aus Sicht von sofatutor-Geschäftsführer Stephan Bayer hat sich bisher zu wenig getan, was Konzepte für Hybridunterricht und digitales Fernlernen angeht. "Jetzt zu sagen 'Fenster auf und Maskenpflicht für alle' ist ein bisschen zu wenig." Digitalisierung sei mehr als Scans aus dem Lehrbuch, digitales Lernen funktioniere vor allem multimedial. "Deswegen ist das, worüber wir gerade sprechen, auch eher digitaler Notfallunterricht", so Bayer.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.12.2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Kritische vor 50 Wochen

Ein Witz ist auch, dass ja nun viele Eltern gezwungen sind, die Kinder in die Notbetreuung oder zu den Großeltern, vielleicht noch gemeinsam mit der Cousine, zu geben. Kontakte quer Beet, statt den gewohnten festen Klassen. In der Klasse der Tochter sind derzeit alle gesund und stofflich sind die Kinder endlich wieder voll drin gewesen. Die Kinder sind die Sündenböcke der Nation. Einen Dank gibt es nicht.

Kritische vor 50 Wochen

Kitas und Schulen zu schließen bringt unendlich viel Stress über Kinder und Familien. Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis. Es ist bis heute nicht bewiesen, dass Schulschließungen signifikant helfen. Die vorhandenen Studien räumen ein, dass zeitgleich andere Maßnahmen gegriffen haben und man deshalb nicht sagen kann, ob und in welchem Ausmaß die Schließungen etwas bringen. Von außen sieht das ganz einfach aus: Da bleiben die Kinder halt mal zu Hause und malen und basteln, Schulstoff gibt es über das Internet. Aber Kinder sind nicht nur Geist, sie sind auch Körper. Sie brauchen Bewegung, andere Kinder und einen geregelten Tagesablauf. Wenn Eltern arbeiten müssen, ob nun außer Haus oder im Homeoffice, andere Kinder nicht vorhanden sind oder sich viele Geschwister in engen Wohnungen auf den Keks gehen, wird es schnell sehr nervig und anstrengend für alle. Am anstrengendsten ist die Aussichtslosigkeit, man ahnt doch jetzt schon, dass die Schulen am 10. Januar nicht wieder öffnen.

lehrvater vor 50 Wochen

Die Digitalisierung an unserer Schule ist mitnichten besser geworden. 2 PC für 15 Lehrer, der Verweis darauf, dass eigene Geräte ja auch verwendet werden sollten, denn es sei nicht zu hoffen, dass die irgendwann einmal vielleicht zur Verfügung gestellten Geräte für Lehrer von ausreichender Qualität sein werden und immer noch Schüler die zu Hause weder PC noch Drucker haben. Privates Internetvolumen ist schnell verbraucht und die Internetverbindung ist selten stabil. Videokonferenz Fehlanzeige. Die Menge an Aufgaben kaum zu bewältigen.
Lehrpläne und Prüfungsanforderungen müssen endlich überarbeitet werden.
Auch Lehrer im Homeoffice haben zu betreuende Kinder zu Hause. Urlaub außerhalb der Ferien gibt es nicht.
Lehrergesundheit spielt bei allen Forderungen nach häuslicher Lernzeit keine Rolle.
Aus dem „Wissen des Kultusministeriums um die hohe Belastung für Lehrpersonal...“ scheint es keine Schlussfolgerung zu geben.
Wer denkt an Azubis die arbeiten und auch Aufgaben abgeben müssen?

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