Reaktionen zu "Wellenbrecher"-Maßnahmen Sachsen geht mit Lockdown light in den Advent - der Unmut ist groß

Nach der Ankündigung der Landesregierung, Sachsen ab Montag in einen Wellenbrecher-Lockdown zu schicken, wird Kritik laut. Vor allem Schausteller, Hoteliers und Sportvereine machen ihrem Unmut über die Einschränkungen Luft.

"Geschlossen" steht auf einem Schild an einer Tür eines Geschäftes
Bildrechte: imago images/Future Image

Die ab Montag geplanten verschärften Corona-Regeln in Sachsen stoßen in den betroffenen Bereichen auf Kritik. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen (Dehoga), Axel Klein, sagte MDR SACHSEN, die Verordnung sei sehr kurzfristig gekommen und für die betroffenen Unternehmen fast nicht umsetzbar. Er verstehe nicht, warum Geimpfte und Genesene nicht weiterhin in Hotels übernachten sollten - zumal sie sich vorher testen lassen könnten. Von ihnen gehe keinerlei Gefahr aus.

Köpping erneuert Zusage für wirtschaftliche Hilfen

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping wies am Abend bei MDR SACHSEN Vorwürfe zurück, dass die verschärften Regeln sehr kurzfristig gekommen seien. "So überrascht konnte man nicht sein, wenn man sich die Zahlen angesehen und unsere Botschaften verfolgt hat." Außerdem sei man mit vielen Verantwortlichen auch außerhalb von Pressekonferenzen im Gespräch gewesen, so Köpping. Sie warb noch einmal eindringlich für gesellschaftlichen Zusammenhalt. "Wir müssen 60 Prozent der Kontakte reduzieren. Das schaffen die Geimpften nicht allein." Sie ging auch auf Kleins Forderung nach Unterstützung der Beherbergungsbranche, beispielweise durch Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfe, ein. Sächsische Unternehmen würden zügig eine Wirtschaftshilfe bekommen, versicherte sie. Das hatte Wirtschaftsminister Martin Dulig bereits am Freitagabend angekündigt.

In Sachsen müssen Hotels und Ferienwohnungen ab Montag schließen. Erlaubt sind nur noch Übernachtungen für Dienstreisende.

Schaustellerverein: Entscheidung hätte früher fallen müssen

Neben der Hotel- ist auch die Veranstaltungsbranche betroffen. So wurden unter anderem alle Weihnachtsmärkte abgesagt. Der Leipziger Schaustellerverein bedauert das sehr. Das Agieren der Politik in dieser Form sei nicht hinzunehmen, sagte der Vereinsvorsitzende Jürgen Seiferth. Die Entscheidung über die Schließung hätte viel früher und nicht so kurz vor der Eröffnung fallen sollen. Das Weihnachtsmarktgeschäft habe in der Saison nach wie vor einen hohen Stellenwert. Mit den Einnahmen hätten die Schausteller weiter in ihr Geschäft investieren können, sagte Seiferth. Existenzbedrohend sei der Ausfall der Weihnachtsmarktsaison im zweiten Jahr in Folge jedoch nicht.

Ein Schausteller ist immer darauf bedacht, auch mit wenig Geld über die Runden zu kommen.

Jürgen Seiferth Vorsitzender des Leipziger Schaustellervereins

Ein Mann trägt eine Rentierfigur vom Dach eines Stands des Weihnachtsmarktes.
Auch 2021 gibt es keine Weihnachtsmärkte in Sachsen. In Leipzig wurde am Sonnabend bereits die erste Deko abgebaut. Bildrechte: dpa

RB Leipzig befürchtet Nachteile durch Geisterspiele

Obwohl der Profifußball weiter stattfinden darf, reagierte auch der deutsche Vizemeister RB Leipzig mit Betroffenheit und Kritik auf die neuen Corona-Regeln. Der Bundesligist befürchtet einen sportlichen Nachteil, weil in den nächsten Wochen nur noch Geisterspiele erlaubt sind.

Kein Verständnis haben wir dafür, dass es die sächsische Regierung überhaupt zu dieser Situation hat kommen lassen.

Statement auf der Internetseite von RB Leipzig

Auf der Internetseite fügten die Verantwortlichen weiter an: "Die höchste Infektionsrate aller Bundesländer einhergehend mit der niedrigsten Impfquote ist ein Beleg dafür, dass die Politik es in Sachsen bislang nicht geschafft hat, tragfähige Konzepte umzusetzen, um die Pandemie wirksam einzudämmen."

Chef der Chemnitzer Kunstsammlungen dankt vernünftigen Sachsen

Der Chef der Chemnitzer Kunstsammlungen, Frédéric Bußmann, kritisierte niemanden direkt, machte aber über den Kurznachrichtendiest Twitter subtil klar, an wem es liegt, dass auch seine Einrichtung wieder schließen muss.

Frédéric Bußmann, neuer Generaldirektor, steht vor den Kunstsammlungen Chemnitz.
Bildrechte: dpa

Vielen Dank an alle, die sich verantwortungsbewusst gezeigt haben, die sich haben impfen lassen und die Kontakte vermieden haben! Allen anderen verdanken wir das erneute Herunterfahren eines Teils des öffentlichen Lebens und die Schließung von Kultureinrichtungen und Museen.

Frédéric Bußmann Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungnen

Quelle: MDR/sth/dpa/Mina

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 20. November 2021 | 19:00 Uhr

110 Kommentare

Naffel81 vor 2 Wochen

https://www.deutschlandfunk.de/falsch-positive-corona-tests-die-tour-de-france-justiert-100.html

Das lag vor allem am hohen CT-Wert. Je höher er ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines falsch-positiven Test. Ist eine labortechnisches Problematik. Gerade zu Anfang der Pandemie ist es auch besser gewesen ein paar mehr falsch-positiven Tests dabei zu haben als dass einer "durchrutscht".

Gegenfrage: Eine Quelle für einen Genesenen mit zuvor festgestellten Antikörpern UND davor PCR-Test, der wieder erkrankt?

Sharis vor 2 Wochen

"... die Gäste feiern dann privat weiter ohne auf Abstand zu achten."

Wenn die Gäste das tun, dann sind sie mit daran schuld, dass die Gaststätten noch länger geschlossen bleiben.
Wobei viele Gastwirte auch Mitschuld tragen- Kontrollen des Impfstatus oder der Einhaltung der AHAL-Regeln wollten sie nicht machen, um ihre Umsätze nicht zu gefährden- aber nun haben sie sie GENAU DADURCH gefährdet.
Es ist dieses unvernünftige, kurzfristige Anspruchsdenken, gepaart mit dem enstpr. Vehalten, das uns den neuen Lockdown beschert hat.
Solange sich diese Erkenntnis nicht durchsetzt, drehen wir uns noch jahrelang im Kreis.

Felix vor 2 Wochen

@MDR: Warum wurde mein Kommentar schon wieder nicht veröffentlicht?

Hier mal die Zahlen laut Divi:
vor einem Jahr (21.11.2020):
belegte Betten: 20.003
freie Betten: 5.120
Reservebetten: 11.720
Coronapatienten: 3.621

Heute (21.11.2021):
belegte Betten: 19.132
freie Betten: 2.793
Reservebetten: 9.300
Coronapatienten: 3.657

Differenz:
871 belegte Betten weniger zum letzten Jahr
2.327 freie Betten weniger zum letzten Jahr
2.420 Reservebetten weniger zum letzten Jahr
36 Coronapatienten mehr zum letzten Jahr

Wie man sieht, muss man sich einzig und allein Gedanken über den Zustand unseres Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Personal, ...) machen. Hier wurde extrem abgebaut. Alles andere ist relativ normal, wenn man es mit anderen Jahren vergleicht. Gebt den Menschen doch bitte wieder positive Nachrichten!

Mehr aus Sachsen