Corona-Schutzverordnung Kritik und Lob zu Lockerung bei Maskenpflicht in Sachsen

Als erstes Bundesland hat Sachsen die Maskenpflicht beim Einkaufen gekippt. Das gilt, solange die Wocheninzidenz unter zehn bleibt. Doch die Lockerung, die offenbar auf Druck der CDU beschlossen wurde, erhält nicht nur Zustimmung. SPD, Jusos und Grüne Jugend kritisieren die Entscheidung. Lob kommt dagegen vom Handel. Auch ein Dresdner Virologe hält die Lockerungen für vertretbar.

Durchgestrichen mit orangem Klebeband ist ein Schild mit der Aufschrift „Maskenpflicht - Cover your mouth and nose!“ in der Innenstadt
Ohne Mund-Nasen-Bedeckung einkaufen - das ist ab Freitag in Sachsen möglich. Bildrechte: dpa

Die Lockerung der Maskenpflicht beim Einkaufen in Sachsen wird in den sozialen Netzwerken zum Teil heftig kritisiert. "Maskenpflicht kippen, aber trotzdem das Bundesland mit der geringsten Impfquote sein? Wo soll das denn hinführen, Herr Kretschmer?", fragt ein Nutzer auf Twitter und viele andere äußern sich ähnlich. Dass die Entscheidung auf Bestreben der CDU zustande kam, kritisiert die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lang. Sie schreibt auf Facebook: "Auf Druck der CDU, welche in jeder Anhörung die Abschaffung der Maskenpflicht gefordert haben - ist dieser Kabinettsbeschluss entstanden. Für den Moment schön - für die Zukunft kann es fatal sein."

Auch die Jungsozialisten (Jusos) Sachsen bewerten das geplante Ende der Maskenpflicht als großen Fehler und fordern, die Entscheidung rückgängig zu machen. "Die Delta-Variante breitet sich aus und die Inzidenzen steigen wieder an", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. Wer jetzt, kurz vor Beginn der Ferien und damit der Urlaubssaison, eines der effektivsten Mittel der Pandemie-Eindämmung abschaffe, mache einen großen Fehler.

Wer jetzt die AHA-Regeln vernachlässigt, spielt mit den Leben der Ungeimpften.

Jusos Sachsen

Die Grüne Jugend Sachsen bezeichnet die Aufhebung der Maskenpflicht als großen Rückschlag in der Pandemiebekämpfung. Landessprecherin Charlotte Henke erklärte, die Erfolge würden leichtsinnig verspielt: "Dadurch steigt nicht nur das Risiko für mehr Infektionen und mehr Todesfälle, sondern auch für mehr schwere Verläufe und volle Intensivstationen." 

Lob von Handel und Gewerkschaft

Der Handelsverband Sachsen begrüßte dagegen die Lockerung der Maskenpflicht beim Einkaufen. Hauptgeschäftsführer René Glaser sagte, auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäften bedeute der Wegfall gerade in den Sommermonaten ein Weniger an Belastung. Die Mund-Nasen-Bedeckung halte zahlreiche Kunden davon ab, entspannt zu bummeln und auch Ware an- und auszuprobieren, so Glaser. Das hätten zahlreiche Rückmeldungen und Gespräche ergeben. Ähnlich äußerte sich der Sprecher der IHK Chemnitz, Bert Rothe, im MDR.

Der Handelsverband mahnte zugleich, das Erreichte nicht zu gefährden und leichtfertig aufs Spiel zu setzen: "Der Einzelhandel darf keinesfalls wieder in einen Lockdown respektive in eine faktische Schließung mit immensen wirtschaftlichen Folgen gehen müssen." Nötig sei daher eine Strategie für den Herbst.

Dresdner Virologe: Lockerung der Maskenpflicht maßvoll

Der Virologe Alexander Dalpke vom Universitätsklinikum Dresden hält die Lockerung der Maskenpflicht für vertretbar. Für Ansteckungen seien vor allem das häusliche Umfeld und der Arbeitsplatz entscheidend, nicht die Geschäfte, sagte Dalpke MDR SACHSEN. Außerdem gebe es jetzt für jeden die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. "Damit kann jeder individuell einen Schutz vor dieser Infektion erwerben."

Professor Alexander Dalpke von der TU Dresden
Virologe Dalpke hält Lockerungen für vertretbar. Bildrechte: IMMH, TU-Dresden

Weil wir an diesem Punkt angekommen sind, gilt jetzt, dass man sukzessive die Verantwortung, die das Infektionsschutzgesetz letztlich für alle übernimmt, wieder auf den Einzelnen zurücküberträgt.

Prof. Alexander Dalpke Uniklinikum Dresden

Die Verordnung sei auch maßvoll, weil die Lockerung nur bei einer Inzidenz unter zehn gelte und weiterhin der Mindestabstand von 1,50 Meter in den Geschäften eingehalten werden müsse.

Sozialministerium setzt auf Eigenverantwortung

Angesichts der niedrigen Corona-Infektionszahlen hatte das Kabinett in Sachsen eine Veränderung der Corona-Schutzverordnung beschlossen. Diese sieht ab Freitag den Wegfall der Maskenpflicht in Supermärkten und Läden unter Auflagen vor: Die Zahl der Neuansteckungen je 100.000 Einwohner in einer Woche muss stabil unter zehn liegen und der Mindestabstand eingehalten werden. Man setze dabei auch auf Eigenverantwortung, hieß es im Gesundheitsministerium. Jeder müsse die Lage vor Ort selbst einschätzen.

In einem gut gefüllten Supermarkt an einem Freitagnachmittag, wo der Mindestabstand eben nicht eingehalten werden kann, muss weiter eine Maske getragen werden.

Sozialministerium Sachsen

Ist man in einem Geschäft hingegen allein oder mit wenigen Kunden, sei keine Maske nötig. Derzeit liegt der Inzidenzwert in allen Städten und Landkreisen in Sachsen unter der Marke von zehn. Am höchsten ist der Wert in Dresden mit 7,0. Wird der Grenzwert von zehn an fünf Tagen in Folge überschritten, gelten ab dem übernächsten Tag wieder Verschärfungen.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 15. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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