Interview Mutationen bei mindestens drei Prozent der Stichproben in Sachsen

In Sachsen ist die Lage in der Corona-Pandemie weiterhin angespannt. Besorgniserregend ist auch die Virus-Variante, die zuerst in Großbritannien entdeckt wurde. Die ist laut Robert-Koch-Institut ansteckender und verursacht schwerere Krankheitsverläufe. Es wurden bereits Fälle von Görlitz über Dresden, Zwickau und das Erzgbirge bis nach Leipzig nachgewiesen, insgesamt etwa 20. MDR-SACHSEN sprach mit Christian Scholz, Facharzt für Labormedizin des Labors Diagnosticum mit Sitz in Neukirchen, über die Untersuchung der Varianten.

Christian Scholz
Bildrechte: Diagnosticum

Herr Scholz, die Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika werden durch Genom-Sequenzierung inzwischen auch in Sachsen zunehmend nachgewiesen. Wie viele solcher Untersuchungen nehmen Sie in ihren Laboren zur Zeit vor?

Wir halten uns bei der Sequenzierung an die Vorgaben des Robert-Koch-Institutes, fünf Prozent der positiven Tests zu untersuchen. Da liegen wir aktuell bei 50 bis 100 Tests in der Woche - in den letzten Wochen sind es insgesamt mehrere hundert gewesen.

Wie hoch ist der Anteil der festgestellten Mutationen an den Proben?

Der Anteil der festgestellten Mutationen liegt bei drei bis sechs Prozent, das schwankt etwas. Da sind allerdings auch Proben aus Bayern dabei - dadurch, dass wir Bayern, Sachsen-Anhalt und Sachsen als Versorgungsgebiet haben.

Ein Anteil von drei bis sechs Prozent Mutanten - ist das viel?

Wenn sich das mutierte Virus so ausbreitet wie in Großbritannien, ist das aktuell nicht viel, es reicht aber für einen "Flächenbrand". Meine persönliche Einschätzung: Wenn wir es schaffen, das eingedämmt zu halten und bei drei Prozent zu lassen, ist das nicht viel. Das Risiko besteht darin, dass die Mutante mehr Personen infizieren kann als der "Wildtyp" (nicht mutierte Form des SARS-CoV-2-Genoms). Und wenn man nichts unternimmt, wird sie sich soweit ausbreiten, dass sie den "Wildtypen" bald überflügelt hat.

Können Sie aus den Untersuchungen ableiten, wie stark verbreitet die gefundenen Corona-Mutationen in Sachsen sind?

Das haben wir nicht ausgewertet. Das macht aber das Robert-Koch-Institut. Die kriegen die Zahlen dazu und wissen, wo die Proben ursprünglich hergekommen sind.

Haben Sie dafür ausreichend Kapazitäten in ihren Laboren in Sachsen?

Ja, das funktioniert. Die Sequenzierung läuft über Systeme, die wir auch in der Humangenetik verwenden. Das ist aber aufwändig und dauert zehn bis 14 Tage. Parallel dazu gibt es auch die ersten PCR-Tests, die nur einzelne Genvarianten testen. Das wird bei Gesundheitsämtern oder Krankenhäusern gemacht, um möglichst schnell einen Verdacht bestätigen oder ausräumen zu können. Das Ergebnis ist an einem Tag da.

Mutationen von Viren können immer wieder entstehen, rechnen Sie mit weiteren Varianten?

Wir haben in ganz vielen Proben, die wir untersuchen, eine Abweichung von der "Wildtyp"-Sequenz. Die Frage ist immer: Ist die Mutation klinisch relevant? Sprich, kann das Virus mehr Leute anstecken, kann sie zu schwereren Krankheitsverläufen führen oder gibt es es im schlimmsten Fall die Möglichkeit, dass eine bestimmte Impfung unwirksam wird? Da sind ganz viele verschiedene Virus-Varianten, wo dies keinen Einfluss hat. Das sind dann Zufallsbefunde, die keinerlei Relevanz haben.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im MDR-Programm MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.02.2021 | 15:00 Uhr in den Nachrichten
MDR/ARD Brisant | 04.02.2021 | 17:15 Uhr & 18:10 Uhr

8 Kommentare

Ritter Runkel vor 42 Wochen

Die Solidaritätsheuchelei ist mir schon seit Langem ein Dorn im Auge. Warum Heuchelei? Weil es ansonsten allen so was von völlig egal ist, wenn sich ältere Menschen mit für die meisten Menschen harmlosen Viren anstecken.
Was die Forderungen der Virologen betrifft: Nicht jeder hat Lockdowns gefordert, aber selbst wenn es so sein sollte, müssen Entscheidungsträger natürlich auch mal die Augen aufmachen und hin und wieder mal die Infektionszahlen beobachten und wenn sie das getan hätten, dann hätten sie schnell gemerkt, dass die von ihnen gesetzten Maßnahmen nicht den gewünschten Effekt hat.
Im normalen Leben würde man dann die Maßnahmen überdenken.
Zur Corona-Zeit ist die einzige Antwort darauf noch mehr unnötige Maßnahmen zu setzen.

Ritter Runkel vor 42 Wochen

Viele dieser Moralapostel sind in meinen Augen nichts anderes als Heuchler, denn noch bis zum Dezember 2019 war es ihnen völlig egal, dass Jahr für Jahr Menschen an Influenza sterben oder an anderen für die meisten Menschen harmlosen Erkrankungen.
Nie haben sie Maskenpflicht oder gar einen Lockdown von Oktober bis März gefordert.
Aber jetzt ist jeder, der auf nicht-gesundheitliche Folgen hinweist und Maßnahmen kritisch sieht, ein Corona-Leugner oder Covidiot.
Vieles kann sich ändern in nur einem Jahr.

Ritter Runkel vor 42 Wochen

In Fachkreisen ist man sich ja häufig auch nicht einig.
Wie gesagt: Studien gibt es heute in rauen Mengen mit sich nicht selten diametral gegenüberliegenden Erkenntnissen zu ein und demselben Gegenstand.
Und so werden Findige aller Glaubensrichtungen ihre Theorien problemlos mit Studien unterfüttern können, die genau zu ihrem Gusto passen.
Das macht die Qualität der Diskussionen hier qualitativ überhaupt nicht besser.

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