Pandemie Künstler und Corona - Wie hoch ist die Impfquote in sächsischen Orchestern?

Orchester und Chöre in Sachsen pausieren wegen der Corona-Pandemie vorraussichtlich erneut bis mindestens 9. Januar. Die Proben für einzelne Aufführungen laufen aber weiter. Impfen und Testen sind dafür Vorraussetzung. Doch auch unter den Künstlern gibt es Impfgegner.

Mehrere Musizierende spielen auf Streichinstrumenten, daneben mehrere Dosen mit Impfstoff
Auch unter Musikschaffenden ist die Corona-Impfung umstritten. Bildrechte: MDR/dpa/Panthermedia

"Impfen schützt Kultur" - mit diesem Appell richten sich die sächsischen Staatstheater und viele andere Kultureinrichtungen derzeit an die Ungeimpften. "Bleibt die Impfquote zu niedrig, laufen wir im nächsten Jahr auf das gleiche Szenario zu", erklärte jüngst Kulturministerin Barbara Klepsch. "Das werden weite Teile unserer Kulturlandschaft auf Dauer nicht überleben, das können wir uns als Gesellschaft nicht leisten," so die CDU-Ministerin. Um die Dringlichkeit zu unterstreichen, wollen die Semperoper und das Staatsschauspiel am Freitag und Samstag selbst zu "Impfstellen" werden. Doch wie sieht es in den eigenen Häusern aus?

Offenbar niedrige Impfquote in der Staatskapelle

In der Dresdner Staatskapelle will man die Frage nach der Impfquote nicht beantworten und verweist auf den Datenschutz. Es gelte aber ein strenges Testregime mit einem wöchentlichen PCR-Test vor Proben, erklärt eine Sprecherin. Außerdem müssten sich Musikerinnen und Musiker, wenn sie ins Haus kämen, nach der 3G-Regel am Arbeitsplatz testen lassen, wenn sie nicht geimpft oder genesen seien. Probleme damit gebe es nicht. Nach Informationen von MDR SACHSEN hat sich allerdings ein Orchestermusiker, der sich weder impfen noch testen lassen will, krankschreiben lassen. Laut Medienberichten soll es in der Staatskapelle 30-40 Prozent Ungeimpfte geben.

Orchestermitglieder spektisch wegen Impfstoff und aus religiösen Gründen

Auch bei den Dresdner Philharmonikern gibt es viele Gegner der Impfkampagne, wie eine Musikerin dem MDR bestätigte. Allein in ihrer Fachgruppe seien nur 50 Prozent der Musikerinnen und Musiker geimpft. Zum Teil habe die Impfskepsis religiöse Gründe. Andere wollten sich nicht mit einem mRNA-Vakzin impfen lassen und warteten auf die Zulassung eines Totimpfstoffes, so die Musikerin. In einem anderen großen Dresdner Berufsorchester gebe es einen Musiker, der zur Glaubensgemeinschaft der Lorenzianer gehöre - einer Sekte im Erzgebirge, die das Impfen ablehne.*

Offiziell sind im Orchester der Philharmonie nach Angaben einer Sprecherin 73 Prozent der Beschäftigten gegen Corona geimpft. In der Verwaltung liege die Impfquote sogar bei 96 Prozent. Zudem gelte derzeit "ein Regime unter 3G-Bedingungen, das mit PCR-Pooltestungen (auch für Geimpfte), Schnelltests und einem strengen Kontrollsystem abgesichert ist".

Musikerin: "Ungeimpfte fühlen sich diskriminiert"

Die Philharmonie habe auch schon versucht, Musik-Projekte mit 2G durchzuführen. Doch das sei nach einem gescheiterten Versuch von der Leitung des Hauses zurückgenommen worden, sagte eine Musikerin. Ungeimpfte hätten sich diskriminiert gefühlt, weil sie nicht mehr arbeiten konnten, und hätten dagegen protestiert. Andere Musikerinnen und Musiker, die deswegen einspringen mussten, seien ebenfalls verärgert gewesen. Und eine für das kommende Jahr geplante Tournee nach Japan und China unter 2G-Bedingungen führe schon jetzt zu heftigen Diskussionen und Vorwürfen der "Spaltung". Denn wer ungeimpft oder nicht genesen ist, könne da nicht mit.

Gewandhaus Leipzig mit hoher Impfquote

In Leipzig - der Stadt mit der niedrigsten Inzidenz in Sachsen - scheinen auch die Musikerinnen und Musiker etwas anders zu ticken. Beim Gewandhausorchester sind nach Angaben eines Sprechers etwa 95 Prozent der Musiker geimpft. Das Testregime sei zudem sehr streng, auch für Geimpfte. Musiker, die besetzt seien, etwa für CD-Aufnahmen oder Radioübertragungen, müssten dreimal die Woche einen PCR-Test vorlegen. Zusätzlich müssten alle Beschäftigten, wenn sie ins Haus kämen, täglich einen Schnelltest machen.

Doch dass auch in Leipzig Impfgegner im Orchester sitzen, zeigt ein Blick auf die Seite des Netzwerkes "Musik in Freiheit". Rund 500 Musikschaffende aus ganz Deutschland haben dort ein impfkritisches Manifest unterzeichnet, neben Musikern der Dresdner Philharmonie ist auch ein Solist des Gewandhauses Leipzig vertreten.

* Der Absatz des Artikels wurde überarbeitet. In der ursprünglichen Fassung war von mehreren Lorenzianer-Mitgliedern bei der Philharmonie die Rede.

Quelle: MDR(kb)

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