Erfahrungen aus dem Ausland Sachsen skeptisch gegenüber massenhaften Pflicht-Schnelltests

Das Beispiel Slowakei zeigt: Regelmäßige Corona-Schnelltests bei einem Großteil der Bevölkerung können die Neuinfektionen rasch senken. Sachsen sieht eine regelmäßige Testpflicht für alle aber skeptisch.

Frau mit Schnelltest
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Über 700 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner zählten die Gesundheitsbehörden in der Slowakei Anfang Januar, die Kliniken drohten zu kollabieren. Seitdem konnte die 7-Tage-Inzidenz auf 106 gesenkt werden – trotz ansteckender B.1.1.7-Mutation und während die Fallzahlen in allen Nachbarländern weiter gestiegen sind.

Zu diesem Erfolg habe vor allem ein Mittel zentral beigetragen, sagt der Epidemiologe Martin Pavelka vom slowakischen Gesundheitsministerium im Gespräch mit dem MDR: Alle Slowaken sind dazu angehalten, sich einmal pro Woche einem Antigenschnelltest auf Corona zu unterziehen. Ohne ein negatives Testergebnis darf niemand zur Arbeit fahren und auch viele Einkaufszentren verlangen ein gültiges Testergebnis.

Ministerium: Slowakische Strategie in Sachsen nicht sinnvoll

Könnte diese Erfahrung ein Vorbild sein für Sachsen? Einige Landkreise im Südwesten des Freistaats zählen zu den am stärksten von Corona betroffenen Gebieten Deutschlands, die 7-Tage-Inzidenz liegt hier aktuell über 300 Neuinfektionen.

Das sächsische Sozialministerium teilt auf Anfrage mit, man habe die slowakische Teststrategie diskutiert, halte sie aber anhand der in einigen Landkreisen gemachten Erfahrungen für nicht sinnvoll. "Es gab die Angebote in zwei Kommunen und die Testangebote für Schulen. Sämtliche Angebote wurden von jeweils rund 30 Prozent der Anspruchsberechtigten genutzt, es gab nur eine sehr geringe Anzahl positiver Testergebnisse", heißt es in der schriftlichen Auskunft.

Wie viele freiwillige Tests aktuell pro Woche in Sachsen durchgeführt werden, werde zwar nicht erhoben, aber: "Die jetzigen Testmöglichkeiten, beispielsweise der wöchentliche Bürgertest, werden derzeit nach ersten Erfahrungen sehr gut angenommen und wir gehen davon aus, dass diese ihre Wirkung auf das Infektionsgeschehen entfalten werden", so eine Sprecherin des Ministeriums.

Umfang der Tests entscheidend für den Erfolg

Ob diese Hoffnung aufgeht, erscheint fraglich. Zentral für den Erfolg in der Slowakei sei der Umfang der Tests gewesen. "Wichtigstes Kriterium ist, wie viele Menschen mitmachen", so Martin Pavelka. Im Herbst beteiligten sich den offiziellen Statistiken zufolge etwa 3,3 der 5,5 Millionen Slowaken. Aktuell seien es etwa ein Drittel aller Einwohner jede Woche. Das Robert-Koch-Institut weist in einem neuen wissenschaftlichen Artikel darauf hin, dass eine Teststrategie nur gelingen kann, wenn sich ausreichend Menschen regelmäßig beteiligen und im Falle eines positiven Testergebnisses auch isolieren.

Genau das passiert offensichtlich in der Slowakei, denn die Einhaltung der Isolation werde behördlich nicht überprüft, so Pavelka. Die Entwicklung der Infektionszahlen zeige aber, dass die Bevölkerung mitmache. Die Menschen hätten verstanden: "Das Testen hilft meinem Land, ich kann etwas dazu beitragen, die Pandemie zu bekämpfen."

Quelle: MDR

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