Versammlungen Erneut Corona-Proteste in Sachsen - Zwischenfälle in Freiberg

Die Proteste gegen die Corona-Einschränkungen in Sachsen reißen nicht ab. In verschiedenen Regionen des Freistaats gingen wieder Menschen auf die Straßen und hielten sich bei ihren Demonstrationen nicht an die Corona-Notfallverordnung. In Freiberg kam es zu zwei Zwischenfällen.

Mehrere Polizisen in schwarzer Montur stehen unter einem "Glück auf"-Schild. Daneben sind Passanten an Weihnachstmarktbuden zu sehen.
Die Polizei zeigte bei den Corona-Protesten in Freiberg deutliche Präsenz, dennoch kam es zu Zwischenfällen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Sonnabend haben in zahlreichen Orten in Sachsen wieder Menschen gegen die Corona-Einschränkungen protestiert. So versammelten sich in Oschatz gegen 14:30 Uhr 50 Personen mit Transparenten und Fahnen entlang der B6. Obwohl die Versammlung mit einer solchen Teilnehmerzahl gegen die aktuelle Corona-Notverordnung verstößt, stoppte sie die Polizei nach eigenen Angaben nicht. Eine Sprecherin wies auf Anfrage von MDR SACHSEN darauf hin, dass die Versammlungsbehörde des Landkreises zuständig gewesen sei.

Nordsachsens Versammlungsbehörde gruppiert Teilnehmende

Ein Vertreter der Behörde löste die Versammlung auf Nachfrage von MDR SACHSEN laut Polizei allerdings ebenfalls nicht auf. Laut Polizeibericht vom Sonntag wurden die Teilnehmenden von dem Versammlungsleiter in Absprache mit der Versammlungsbehörde in Bereiche mit maximal zehn Personen unterteilt, sodass die Anforderungen der Corona-Notverordnung erfüllt waren. Nur vereinzelt hätten sich in den verschiedenen Blöcken kurzzeitig mehr als zehn Personen aufgehalten. Diese seien weggeschickt worden, hieß es. Nach Polizeiangaben verlief der Protest friedlich ohne Störungen oder Zwischenfälle.

Zahlreiche Menschen haben sich auf einem hell beleuchteten Marktplatz versammelt.
Rund 150 Personen versammelten sich auf dem Obermarkt in Freiberg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aggressives Paar am Glühweinstand in Freiberg

Anders war das in Freiberg, wo laut Polizei kurz nach 16 Uhr 150 Personen auf dem Obermarkt zusammenkamen. Ein Pärchen, das an einer geschlossenen Weihnachtsmarkt-Bude mit Glühwein angetroffen wurde, widersetzte sich der Polizei. Die Beamten hatten die beiden aufgefordert, das Glühweintrinken zu beenden und den Platz zu verlassen. Sie weigerten sich und wollten auch ihren Ausweis nicht zeigen. Der Mann wurde wenig später aggressiv und verletzte einen Beamten leicht. Gegen ihn wurde Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in Verbindung mit Körperverletzung erstattet.

Mehrere Polizisten in schwarzer Montur nehmen eine Person fest.
Mehrere Polizeibeamte überwältigen einen Teilnehmenden des Protests, der aggressiv gegenüber einem Polizisten geworden war. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Transporterfahrer überfährt beinahe Polizistin

Auch vor dem Bürgerhaus kam es zu Ausschreitungen. Als Polizeikräfte gegen 17 Uhr einen Transporterfahrer kontrollieren wollten, der aus seinem Fahrzeug das "Steigerlied" erklingen ließ, weigerte sich der Fahrer von seinem Platz wegzufahren. Stattdessen fuhr er plötzlich auf eine vor dem Transporter stehende Polizeibeamtin zu, um kurz vor ihr zu stoppen. Gegen ihn wird nun wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Neben diesen Strafanzeigen nahmen die Beamten auch 15 Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Notfallverordnung auf. Die betroffenen Personen erwartet nun nach Paragraf 6 der Verordnung jeweils ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro. An dem Polizeieinsatz waren 55 Polizisten beteiligt. Ein Protestaufruf in den sozialen Netzwerken hatte sie auf den Plan gerufen.

Ansammlung auf dem Pirnaer und Frankenberger Markplatz

In Pirna hatten die Beamten ebenfalls auf diese Weise von geplanten Protesten auf dem Marktplatz erfahren. Eingesetzte Kräfte stellten zwei Personen fest, weitere kamen jedoch hinzu, so dass am Ende etwa 50 vor Ort waren. Die Polizei wies die Anwesenden auf die Corona-Einschränkungen hin, die nur ortsfeste Versammlungen mit bis zu zehn Menschen vorsehen. Daraufhin verließen einige den Platz. Die Beamten prüften die Identitäten der 16 Verbliebenen und erstellten Anzeigen.

Ähnlich wie in Pirna blieb es auch in Frankenberg verhältnismäßig ruhig. In der Stadt versammelten sich am Sonnabendnachmittag rund 60 Menschen auf dem Markt. Nach eigenen Angaben griff die Polizei sofort ein und löste die Kundgebung auf. Gegen drei Personen stellte sie Ordungswidrigkeiten-Anzeigen.

Borna: Erlaubte Versammlung entwickelt sich zu unerlaubter

In Borna trafen sich nach Polizeiangaben um 14 Uhr fünf Teilnehmer einer Demonstration auf dem Markplatz. Allerdings seien kurze Zeit später 30 weitere Personen hinzugekommen, die weder Masken trugen noch Abstände einhielten. Daraufhin habe der Versammlungsleiter die Veranstaltung abgebrochen, hieß es. Die 30 Personen wurden den Angaben zufolge mehrfach von Polizisten angesprochen und zur Einhaltung der Corona-Vorschriften aufgefordert. Diese hätten sich jedoch unkooperativ gezeigt.

Nachdem sich ein Teil der Teilnehmenden entfernt habe, seien von zwölf verbliebenen Personen die Personalien festgestellt und Anzeigen wegen Verstößen gegen die sächsische Corona-Notfallverordnung erstellt worden. Im Anschluss hätten die Personen einen Platzverweis erhalten, teilte die Polizei mit.

Quelle: MDR(sth,tfr)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 05. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen

Ein Archivbild aus einer Fabrik 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR SACHSENSPIEGEL - Logo 30 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
30 min 27.01.2022 | 20:30 Uhr

+++ Report: Steht Sachsen vor einem Pflege-Notstand? +++ Zwickauer Elektro-SUV: VW startet die Serienfertigung +++ Frühes Wandbild des Malers Gerhard Richter in Hagenwerder entdeckt +++

MDR SACHSENSPIEGEL Do 27.01.2022 19:00Uhr 29:53 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video