Rettungseinsätze Rettungssanitäterin verärgert über Behinderung bei Querdenker-Demo und im Straßenverkehr

Eine junge Rettungssanitäterin aus der Region Dresden kritisiert die Behinderung von Rettungswagen im Straßenverkehr. Vor allem eine Querdenker-Demo machte ihr kürzlich zu schaffen. Sie wünscht sich unbhängig vom politischen Meinungsstreit mehr gegenseitige Rücksichtnahme.

Eine junge Frau mit Rettungsweste schaut in die Kamera.
Sarah Coun ist eine von zahlreichen sächsischen Rettungskräften, die im Freistaat Tag für Tag ihren Dienst tun. Statt politischer Konflikte interessiert sie vor allem das Wohl der Patienten. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Seit Monaten halten die Querdenker-Demonstrationen Sachsen auf Trab. In vielen Städten zeigen sie auf den Straßen deutlich Präsenz. Dass dabei fernab des politischen Konflikts auch Unschuldige unter den Protesten leiden können, beweist jetzt die Kritik einer jungen Rettungssanitäterin. Sie machte ihrem Unmut kürzlich auf Instagram Luft.

Wir waren vor kurzem* mit einem Patienten auf dem Weg in die Klinik und wurden leider von einer Querdenker-Demonstration beziehungsweise einem Konvoi aufgehalten.

Sarah Coun Rettungssanitäterin

Wohl der Patienten im Vordergrund

Der Rettungswagen habe keine Möglichkeit gehabt weiterzufahren, da es wegen der Straßensperrung auf der eigenen Spur keinen Spielraum gab und auf der Gegenfahrbahn die Fahrzeuge des Konvois keinen Platz gemacht hätten, berichtet die 23 Jahre alte Sarah Coun. Die Rettungssanitäterin, die in der Region Dresden tätig ist, möchte sich allerdings nicht politisch einmischen. Ihr geht es einzig und allein um das Wohl der Patienten.

Im Notfall zählt jede Minute

"Die Verzögerung hat uns wertvolle Zeit gekostet, um den Patienten in die Klinik zu bringen. Nur dort kann er optimal versorgt werden, weil wir auf dem Rettungswagen leider nur begrenzte Mittel haben", sagt Coun und fügt an: "Es mag sein, dass es auch manchmal nur ein oder zwei Minuten sind, aber für den Patienten fühlt es sich halt wie eine halbe Stunde an."

Jeder, der mal in einem Rettungswagen gelegen habe, weil es ihm schlecht ging, könne sicherlich verstehen, dass man zeitnah ins Krankenhaus möchte, damit einem in dem Notfall wirklich gut geholfen werden könne, gibt die Rettungssanitäterin zu bedenken.

Autofahrer wissen nicht, wie sie reagieren sollen

Auch abseits von Demonstrationen wünscht sie sich grundsätzlich mehr Sensibilität bei den Autofahrern.

Leider gibt es diese Behinderungen nicht nur bei Demonstrationen oder Konvois, sondern auch im ganz normalen Straßenverkehr. Im Berufsverkehr wissen viele Autofahrer an einer roten Ampel auf einer Kreuzung oft nicht, wie sie reagieren sollen.

Sarah Coun Rettungssanitäterin

Daher komme es auch in diesen Fällen trotz Blaulicht und Martinshorn zu einer Behinderung von Rettungseinsätzen. "Das finde ich sehr schade, weil es halt für den Patienten viel Zeit kostet", sagt Sarah Coun, die ihrer Arbeit trotzdem mit großer Leidenschaft nachgeht.

"Es ist zwar anstrengend und auch körperlich schwer, aber es macht mir viel Spaß. Ich wollte nie etwas anderes machen und sehe die Arbeit als Berufung an", sagt die Rettungssanitäterin, die seit reichlich fünf Jahren in dem Bereich arbeitet.

Missbrauch des Notrufs nimmt zu

Nur eine Sache bereitet ihr neben den Demonstrationen in letzter Zeit ebenfalls Sorgen: "Es passiert immer öfter, dass wir zu Einsätzen gerufen werden, für die eigentlich der kassenärztliche Bereitschaftsdienst zuständig wäre. Manche Menschen sind recht unselbständig. Wenn wir beispielsweise zu einer 30 Jahre alten Frau gerufen werden, die seit mehreren Tagen Kopfschmerzen hat, sind wir in der Regel nicht zuständig."

Der Rettungsdienst, der per 112 gerufen werde, sei für lebensbedrohliche Dinge, wie zum Beispiel Herzinfarkte und Schlaganfälle, gedacht. Für alles andere sollte die 116 117 gewählt werden, erklärte Coun.

*Der Ort und das Datum sind der Redaktion bekannt

MDR(sth)

Mehr aus Sachsen

Untersuchung bei einer Frauenärztin 7 min
Bildrechte: Monika Werner