Reaktionen Heftige Kritik nach Kretschmer-Aussage zu Osterferien

Axel Klein Dehoga Sachsen
Der sächsische Dehoga-Chef Axel Klein ist in Sorge um die Unternehmen nach der pauschale Absage von Osterurlauben durch Ministerpräsident Kretschmer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ministerpräsident Michael Kretschmers Aussage am Wochenende, wonach Urlaubsreisen während der Osterferien ausgeschlossen seien, provoziert Widerstand. Zuerst hatte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick, die pauschale Absage des Osterurlaubs als völlig inakzeptabel und als einen erneuten Schlag ins Gesicht der Branche kritisiert. Nun ist auch der sächsische Dehoga-Chef in Sorge um die Unternehmen. "Die Äußerung löst nicht nur bei mir Unverständnis aus. Die Unternehmer, die das hören, sind völlig desillusioniert, teilweise auch aggressiv." Sie wollen, dass eine Lösung gefunden werde, damit sie überleben könnten. Sie bräuchten Hilfen, die auch ankommen.

Viele Unternehmer sagen mir: 'Es geht nicht mehr, wir können nicht mehr.'

Axel Klein Hauptgeschätsführer Dehoga Sachsen

Klein wolle die Äußerung des Ministerpräsidenten nicht weiter kommentieren. Dafür sei die Dehoga auch nicht da. "Aber wir haben gemeinsam mit den Tourismusverbänden und den Kammern Lösungsschritte angeboten. Daran wollen wir arbeiten. Wir wollen Stufenpläne aktivieren, die in die Zukunft weisen."

Forderung nach Auszahlung der November- und Dezemberhilfen

Gleichzeitig wies Axel Klein darauf hin, dass die November- und Dezemberhilfen immer noch nicht komplett ausgezahlt seien. "Die Frage ist doch, wie den Unternehmen jetzt schnell geholfen werden kann. Man muss jetzt den Unternehmen den Rücken stärken." Auch die Überbrückungshilfe III sei nur eine Hilfe. Sie werde die Unternehmen nicht retten, weil sie immer noch Kosten hätten, auf denen sie sitzen blieben.

Hinweis auf einen Lieferservice
Mit Lieferservice versuchen viele Gaststätten, ihr Überleben zu sichern. Bildrechte: Ilka Nozon

IHK schließt sich Kritik an

Marc Arendt, der Chef des IHK-Fachausschusses Dresden, kritisierte die Äußerung Kretschmers ebenfalls. Es habe bereits zu Stornierungen bis in den Frühsommer hinein geführt. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass unsere Regierung bis zum heutigen Tag keinen Stufenplan zum Neustart mit der Orientierung an belastbaren Kennzahlen vorlegen konnte", kritisierte Arendt.

Hiobsbotschaft für Berghotel Pöhlberg

Für den Betreiber des Berghotels auf dem Pöhlberg bei Annaberg-Buchholz, Gaston Deckert, ist die Aussage Kretschmers eine Hiobsbotschaft. "Ohne seine Ankündigung wäre das Reservierungsbuch in den kommenden Tagen voll geworden." Man müsse Planungssicherheit finden, wann unter welchen Umständen welche Art von Geschäft wieder geöffnet werden könne. "Es kann nicht sein, dass die Gastronomiebetriebe, die als erstes geschlossen wurden, als letzte wieder öffnen. Das ist nicht mehr zu vermitteln."

Auf einem Berplateau stehen viele unbesetzte Bänke und Tische eines Ausflugslokals
So leer sah es bereits Ostern 2020 am Berhotel Pöhlberg beim ersten Lockdown aus. Bildrechte: Berghotel Pöhlberg/Gaston Deckert

AfD sieht "neo-totalitäre Züge" in der Aussage Kretschmers

Der sächsische AfD-Vorsitzende Jörg Urban teilte am Montag mit, man könne den Eindruck erhalten, die Staatsregierung habe am Endlos-Lockdown Gefallen gefunden. "Dieses politische Gebaren nimmt neo-totalitäre Züge an. Willkürlich werden neue Grenzwerte und neue Voraussetzungen erlassen, ab denen nun erst eine Öffnung möglich sein soll", teilte Urban in einer Pressemitteilung mit. "Ansagen vom Anfang des harten Lockdowns gelten schon längst nicht mehr." Sieben Wochen vor Ostern lege sich der CDU-Ministerpräsident fest und nehme den Bürgern jegliche Vorfreude auf die Osterzeit. "Obwohl die Zahl der Infektionen seit Wochen massiv gefallen ist, bietet Herr Kretschmer den Bürgern keinerlei Ausstiegsszenario an." Die AfD fordert weiterhin, den Lockdown sofort zu beenden.

Unterschiedliche Reaktionen im Netz

In den sozialen Netzwerken wird die Aussage von Ministerpräsident Kretschmer heftig diskutiert. Die Reaktionen reichen von Zustimmung bis zur völligen Ablehnung. So heißt es zum Beispiel in einer Nachricht, dass es sich mittlerweile anfühle wie ein Spiel zwischen den Länderchefs. "Wer bietet mehr, wer bekommt mehr, wer hat am Ende gesiegt..." Das habe nichts mehr mit der Gesundheit der Menschen zu tun. "Man sollte den Leuten Zuversicht und Mut zusprechen und nicht ständig negativ rüberkommen."

Ein anderer User schreibt, es gebe selten Gründe, dem Ministerpräsidenten zuzustimmen. "Er lag oft gewaltig falsch und ist auf dem rechten Auge mindestens 'stark seheingeschränkt'. Aber in diesem Fall muss ich ihm mal uneingeschränkt zustimmen!" Man werde es überleben. "Zumindest deutlich mehr und länger, als wenn wir alle zu Ostern in den Urlaub fahren würden."

Andere User fordern ihn auf, sich Gedanken zu machen, wie eine Öffnung möglich gemacht werden könne und vermuten, dass nun die Zahl der Insolvenzen bei Gaststätten, Hotels und Ferienwohnungen drastisch zunehmen würden.

Ein anderer User schreibt, dass man einem Politiker, der sich als Bote dieser schlechten Nachricht hergibt, gut zuhören solle. "Jeder Politiker würde lieber Erfreulicheres verkünden, denn damit bekäme er Zuspruch und Lob. Wer also glaubt, alles wäre eh nur von 'denen da oben' so gewollt und von langer Hand geplant, der soll bitte auch sagen, warum und was irgendein Politiker davon hätte."

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 15.02.2021 | 19:00 Uhr

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