Corona-Schutzverordnung Dehoga, Tourismusverband und Handwerkskammer kritisieren geplante 2G-Regel

Aufgrund der steigenden Infektionszahlen soll in Sachsen ab dem 8. November die 2G-Regel bei Veranstaltungen, in Freizeit- und Kultureinrichtungen und in der Innengastronomie zur Pflicht werden. Auch die Weihnachtsmärkte könnten betroffen sein. MDR SACHSEN hat Reaktionen der betroffenen Branchen zusammengetragen.

Eine Tafel vor einem Restaurant an der Hauptstraße informiert die Gäste über die 2G-Regel mit der Aufschrift Geimpft Genesen
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Die geplante 2G-Verpflichtung (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) für Gastronomie, Kultur-, Freizeit- und Großveranstaltungen erregt bei den betroffenen Branchen die Gemüter. "Es ist ein herber Rückschlag für die Gastronomiebranche", sagt Axel Klein, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Sachsen. Er sieht die Gefahr, dass die Menschen dann im privaten und unkontrollierten Bereich zusammenkommen. "In der Gastronomie wäre eine bessere Kontrolle möglich", meint er.

Axel Klein Dehoga Sachsen
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Für uns ist eine konsequente Umsetzung der 3G-Regel die bessere Variante. Wir wollen die Notlage nicht ignorieren, aber die Frage ist, was der beste Weg ist.

Axel Klein Hauptgeschäftsführer der Dehoga Sachsen

Außerdem sei es immer schwieriger als Unternehmer zu agieren. "Wir leben auch von den Weihnachtsfeiern und sind für unsere Mitarbeiter verantwortlich", so Klein. Eine Planung sei bei derartig schnellen Veränderungen der Verordnung nicht mehr möglich. "Zudem werden wir ein bisschen zu Sündenböcken gemacht", findet Klein. "Unsere Branche steht an vorderster Front und muss die Gäste abweisen." Er hofft, dass sich am Freitag bei der Sondersitzung des Kabinetts noch Änderungen ergeben.

Touristiker pflichten der Dehoga bei

Der Landestourismusverband Sachsen (LTV) pflichtet der Gastro- und Hotelbranche bei. Die Tourismusbranche sei seit Beginn der Coronapandemie die Branche, die am stärksten von den Auswirkungen betroffen sei, hieß es. Allein im Jahr 2020 hätte der sächsische Tourismus 40 Prozent Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

Aus unserer Sicht ist nicht nachvollziehbar, die vorgeschlagene neue 2G-Verpflichtung für Innenbereiche von Gastronomie, Veranstaltungen/Feste, Kultur-Freizeiteinrichtungen allein für die Tourismusbranche anzuwenden, wenn ein großer Anteil der  Bevölkerung im Alltag (Schule, Berufe, Handel, ÖPNV u.a.) selbstverständlich mit 3-G umgeht. 

Andrea Kis Landestourismusverband Sachsen e.V.

LTV: Falsches Signal an Bevölkerung

An die Bevölkerung werde damit ein falsches Signal gesendet. Es werde suggeriert, dass nur Ungeimpfte Infektionsträger sind.  "Der LTV Sachsen fordert die Beibehaltung der 3-G-Regel mit der Möglichkeit, die 2-G-Regel optional anzuwenden, sowie den Ausbau einer kostenfreien Testinfrastruktur."

Ziel müsse es sein, zeitnah Infektionen zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen. Außerdem appelliere der LTV an alle Akteure, die Hygienekonzepte einzuhalten und den geltenden Zugangsregelungen nachzukommen. 

Handwerkskammer Chemnitz kritisiert 2G-Regel

Auch die Handwerkskammer Chemnitz hat mit der geplanten 2G-Regelung Probleme. "Die Situation ist im Moment sehr kritisch und ich glaube nicht, dass die 2G-Regelung das Allheilmittel ist", sagt Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz und Vorstand im Sächsischen Handwerkertag. Der Freistaat empfiehlt dringend, am Arbeitsplatz die 3G-Regel anzuwenden. Bisher bestand eine Pflicht zu mehrmaligen Tests die Woche (oder geimpft oder genesen) nur bei direktem Kundenkontakt. Dies soll nun als Empfehlung auf alle Arbeitsbereiche ausgeweitet werden. "Für uns als Betriebe ist es aber sehr schwierig, erstmal herauszufinden, wer überhaupt geimpft und wer nicht geimpft ist", so Wagner.

IHK für 2G, wenn es Lockdown verhindert

Noch liegt die neue Verordnung nur als Entwurf vor. Änderungen könnten sich zum Ende der Woche noch ergeben. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) prüfe gerade den Entwurf, sagt Andreas Sperl, Präsident der IHK Dresden. "Wenn die Regeln dazu führen, dass wir die Pandemie weiter einschränken können, dann bin ich dafür, dass man solche Regeln auch durchsetzt", sagt er.

Wir als Kammern möchten auf keinen Fall, dass es zum Ende des Jahres wieder zu einem Lockdown kommt. Das wäre eine Katastrophe, nicht nur für die Menschen sondern vor allem auch für die Wirtschaft und das muss verhindert werden.

Andreas Sperl Präsident der IHK Dresden und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der sächsischen Industrie- und Handelskammern

Weihnachtsmärkte sollen stattfinden

Auch das Thema Weihnachtsmärkte wird in den Kommunen heiß diskutiert. Laut Recherchern von MDR SACHSEN wollen viele Städte erst einmal die Verordnung im Wortlaut abwarten. "Wir haben bereits mit dem Aufbau angefangen und machen jetzt erstmal wie geplant weiter, bis die Verordnung vorliegt", sagt Matthias Nowak, Stadtsprecher von Chemnitz.

Marienberg will ebenfalls die neue Verordnung abwarten. Ziel sei es aber, nach dem Ausfall im letzten Jahr, unter Berücksichtigung der entsprechenden Auflagen einen Weihnachtsmarkt zu öffnen. Das ist auch das oberste Ziel von Sven Krüger, Oberbürgermeister von Freiberg. "Ich finde es sehr bedauerlich, da wir bereits im September als betroffene Weihnachtsmarktstädte dem Freistaat signalisiert haben, dass wir Planungssicherheit brauchen", sagt er MDR SACHSEN. "Die Pläne für den Weihnachtsmarkt sind fertig. Bei uns geht am Montag der Aufbau los."

Sven Krüger
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Einen Tag vor Aufbaubeginn die Regeln zu ändern, ist wirklich sehr unerfreulich und führt für uns zu erheblichen Mehraufwendungen.

Sven Krüger Oberbürgermeister von Freiberg

Trotzdem soll der Weihnachtsmarkt in Freiberg wie geplant am 23. November eröffnet werden. Die Stadt Freiberg wolle dafür Lösungen finden, auch wenn diese mehr Geld kosten sollten.

Quelle: MDR/al/nk/ds/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 03. November 2021 | 17:00 Uhr

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