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An Sachsen Hochschulen gilt derzeit die 3G-Regel. Die Studierenden-Vertretungen fordern mehr Infektionsschutz an den Hochschulen. Bildrechte: dpa

BildungStudierende fordern mehr Infektionsschutz an sächsischen Hochschulen

von Daniela Kahls, MDR SACHSEN

Stand: 26. November 2021, 19:16 Uhr

Studierende haben mehr Infektionsschutz an Sachsens Hochschulen gefordert. Die bisherigen Regelungen seien nicht ausreichend. Zudem sprach sich der Student_innenRat (StuRa) in Leipzig für ein Recht auf digitale Bildung aus. Die TU Dresden und der sächsische Wissenschaftsminister sehen derzeit keinen Handlungsbedarf.

In weiten Teilen des öffentlichen Lebens in Sachsen gilt mittlerweile 2G, also Zugang nur für Geimpfte oder Genesene. An den Hochschulen im Freistaat, die seit diesem Semester auch wieder in Präsenzveranstaltungen lehren, wird noch 3G praktiziert. Darüber ist nun eine Diskussion entbrannt. Studierende fordern mehr Schutz und dass an den Hochschulen Ungeimpfte keinen Zutritt mehr haben sollten.

Sächsische Studierendenschaft ist "fassungslos"

Er sei fassungslos, sagt Paul Senf. Er ist ein Sprecher der Konferenz der sächsischen Studierendenschaften (KSS). "Gerade an den wissenschaftlichen Einrichtungen, aus denen die Warnungen vor der pandemischen Situation kommen, wird so wenig für den Infektionsschutz getan", kritisiert er.

Diesen Vorwurf möchte der Prorektor Bildung an der TU Dresden, Michael Kobel, nicht auf sich sitzen lassen. Die TU setze auf ein Bündel an Schutzmaßnahmen: Zutritt für Präsenzveranstaltungen nur für Geimpfte, Genesene und Getestete. Für die Tests habe die TU ein eigenes Selbsttestzentrum eingerichtet. Zudem herrsche Maskenpflicht auch dort, wo der Abstand gewährleistet werden könne und es gelte 3G+ für Praktika. Dort müssen sich demnach alle Teilnehmenden testen lassen.

TU Dresden lehnt 2G-Regel ab

2G, wie es die gewählte Vertretung der Studierenden in Sachsen fordert, lehnt der Prorektor ab: "Das ist weder vom Bildungsauftrag her noch organisatorisch umsetzbar. In einer bundesweiten Schaltkonferenz aller Prorektoren für Bildung und Lehre in dieser Woche hat sich gezeigt, dass die wenigen Hochschulen in Deutschland, die 2G machen, die Praktika weiterhin in 3G machen. Nur so kann der Bildungsauftrag weiterhin ausgeführt werden."

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow verweist auf die Hochschulautonomie. Jede Hochschule könne nach der geltenden Corona-Schutzverordnung  von einem 3G- auf einen 2G-Betrieb umschalten, wenn sie das für notwendig erachte. "Die Hochschule sieht ganz genau, wie das konkrete Infektionsgeschehen ist, wie hoch die Impfquote ist und welche Formate auch Online angeboten werden können", meint Gemkow.

StuRa Leipzig fordert Recht auf digitales Studium

Die Studierenden sind mit dieser Aussage nicht zufrieden. Der Student_innenRat (StuRa) Leipzig kritisiert unter anderem, dass nur die Lehrenden und die Fakultätsleitung entscheiden würden, wann in die Online-Lehre gewechselt wird. Die Studierenden hätten diesen Entscheidungsspielraum nicht. Der StuRa der Universität Leipzig fordert ein Recht auf digitales Studium für die Studierenden. Damit ist gemeint, dass alle Veranstaltungen gleichzeitig in Präsenz als auch digital angeboten werden sollten. Denn die KSS macht klar, dass sie auf keinen Fall wieder ein reines Online-Studium befürwortet:

Die psychosozialen Belastungen in den drei reinen Online-Semestern waren enorm. Das gilt es unbedingt zu vermeiden, deshalb muss das Potential ausgeschöpft werden, mehr für den Infektionsschutz zu tun.

Paul Senf | Sprecher KSS

Ein Schwachpunkt seien beispielsweise auch die Kontrollen der geltenden Zugangsbeschränkungen, kritisiert Senf.

Wenige Corona-Fälle durch hohe Impfquote

Der Wissenschaftsminister und die Hochschulleitung der TU Dresden sehen im Moment angesichts der Infektionslage an den Hochschulen keinen dringenden Handlungsbedarf. So seien derzeit 119 Corona-Infektionen unter den rund 100.000 Studierenden im Freistaat gemeldet, berichtet Wissenschaftsminister Gemkow. Landesweit sind die Infektionszahlen ungefähr zehn Mal so hoch.

Der niedrige Wert in den Hochschulen sei auch mit einer Impfquote von rund 90 Prozent unter den Studierenden zu erklären, so Minister Gemkow. Das zeige, dass mit einer hohen Impfquote auch vieles weiterhin möglich sei.