Fragen und Antworten Was passiert beim Überschreiten der Inzidenz von 100?

In etlichen Landkreisen und kreisfreien Städten des Freistaats liegt die 7-Tage-Inzidenz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei über 100. Auch der Freistaat selbst hat den Wert seit einigen Tagen überschritten. Das ist ein kritischer Wert, denn er bestimmt in der Regel, ob beispielsweise Geschäfte oder Schulen wieder schließen müssen oder ob Ausgangsbeschränkungen verschärft werden. Doch nicht der Inzidenzwert alleine bestimmt über alle Maßnahmen in der Pandemie.

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Welchen Einfluss hat ein Inzidenzwert von über 100 in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt?

Das kurzzeitige Überschreiten des Inzidenzwertes von 100 ist nicht ausschlaggebend für Öffnungen oder Schließungen. Entscheidend für mögliche Lockerungen ist, dass der Wert mehrere Tage infolge unterschritten wird. Dann dürfen bestimmte Geschäfte für den eingeschränkten Kundenverkehr öffnen und auch der Besuch von Kultureinrichtungen ist unter bestimmten Bedingungen möglich. Bei der Verschärfung der Regeln muss die Inzidenz von 100 mehrere Tage infolge überschritten sein.

Das gleiche Prozedere gilt auch für andere Inzidenz-Schwellenwerte, wie 50 oder 35. Je nachdem, um welchen Schwellenwert es sich handelt, gibt es aber unterschiedliche Möglichkeiten für weitere Öffnungen oder strengere Regeln.

Wann können die Corona-Regeln gelockert bzw. Öffnungen auf den Weg gebracht werden?

Das kommt auf den Inzidenz-Schwellenwert an. Wird zum Beispiel der 7-Tage-Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen im Landkreis oder in der kreisfreien Stadt an fünf Tagen in Folge unterschritten, kann es Öffnungen geben. Der Einzelhandel darf wieder Kunden empfangen, körpernahe Dienstleistungen können wieder angeboten werden und Kultureinrichtungen dürfen unter bestimmten Auflagen wieder besucht werden.

Wird der Inzidenzwert von 100 mindestens 14 Tagen infolge unterschritten, kann es noch weitere Lockerungen geben, beispielsweise in der Gastronomie und für Kultureinrichtungen.

Eine detaillierte Übersicht, über alle Öffnungsschritte hat das Sozialministerium veröffentlicht.

Öffnungsschritte für Lockerungen nach dem Corona-Lockdown (Stand 3.3.2021)
Öffnungsschritte für Lockerungen nach dem Corona-Lockdown (Stand 3.3.2021, Bundesregierung) Bildrechte: MDR / Bundesregierung (Stand 3.3.2021)

Wann kommt es zu Verschärfungen der Corona-Regeln?

Landkreise und kreisfreie Städte müssen bestimmte Regeln verschärfen und Lockerungen zurücknehmen, wenn beispielsweise der 7-Tage-Inzidenzwert von 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten wurde. Die Corona-Schutz-Verordnung des Freistaats sieht vor, dass die dann verschärften Regeln ab dem zweiten darauffolgenden Werktag gelten. In der entsprechenden Region gelten dann wieder Alkoholverbote sowie strengere Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen. 

Ähnliches gilt auch, wenn die 7-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tage den Wert von 50 überschreitet. Das hat die Aufhebung der Lockerungen zur Folge, die bei einem dauerhaften Wert unter 50 veranlasst wurden.

Ein Schild mit der Aufschrift "Wegen Corona-Lockdown geschlossen" vor einem Restaurant
Wenn die Inzidenzwerte wieder über die Grenzen steigen, müssen Lockerungen zurückgenommen werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/ Sven Simon

Was passiert, wenn nach der Verschärfung der Regelungen die Rate der Neuinfektionen wieder deutlich sinkt?

Dann dürfen die Landkreise und kreisfreien Städte die Ausgangsbeschränkungen und Alkoholverbot wieder außer Kraft setzen. Voraussetzung ist aber, dass der Wert an drei Tagen infolge unterschritten wurde. Gleiches gilt für die strengeren Kontaktbestimmungen.

Wann müssen Schulen schließen?

Wird der 7-Tage-Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an fünf Werktagen infolge überschritten, müssen Kitas und Schulen schließen. Allerdings erst ab Beginn der folgenden Woche. Ab dann muss wieder eine Notbetreuung angeboten werden. Die sächsische Corona-Schutz-Verordnung hat aber einige Ausnahmen bestimmt: Gibt es beispielsweise in einem Landkreis einen regionalen Corona-Hotspot, der die Inzidenz in die Höhe treibt, aber das Infektionsgeschehen ist nicht auf Schule oder Kita zurückzuführen, müssen sie nicht zwangsläufig schließen. Gleiches gilt, wenn der Inzidenzwert nur knapp über 100 liegt und ein Abwärtstrend zu erkennen ist. Ist also absehbar, dass die Inzidenz zeitnah unter 100 rutscht, muss es nicht zwangsläufig Schul- und Kitaschließungen geben.

Eine Grafik zum Thema Schulschließungen
So werden Schulen im Freistaat anhand der Inzidenz geschlossen oder geöffnet. Bildrechte: MDR/Thorsten Kügler

Wann dürfen Schulen wieder öffnen?

Wird in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an fünf Werktagen infolge die 7-Tage-Inzidenz von 100 wieder unterschritten, dürfen Kitas und Schulen in der Folgewoche wieder öffnen.

Welchen Einfluss hat ein Inzidenzwert von über 100 im Freistaat?

Steigt die 7-Tage-Inzidenz im Freistaat über die Marke von 100, hat das nach Auskunft des Sozialministeriums keinen Einfluss auf die die Öffnungsschritte in den Kreisen und kreisfreien Städten. Der entscheidende Faktor in diesem Fall ist die Inzidenzzahl vor Ort. So könnte zum Beispiel die Stadt Dresden auch weiterhin Öffnungen beibehalten, wenn der RKI-Inzidenzwert der Stadt unter 100 und der des Freistaates über 100 liegt. Allerdings könnte die Landeshauptstadt keine weiteren Öffnungsschritte einleiten. Denn dafür sind die Inzidenzwerte von Region und Land ausschlaggebend.

Was zählt außer der Inzidenz?

Obwohl meist nur der Inzidenzwert bei Corona-Maßnahmen genannt wird, gibt es einen zweiten entscheidenden Wert: die Belegung der Krankenhausbetten mit Corona-Patienten. Damit es überhaupt Lockerungen geben kann, gibt es eine Grundbedingung. Es dürfen nicht mehr als 1.300 Patienten mit Covid-19 auf den Normalstationen der Krankenhäuser im Freistaat liegen. Wird die Zahl überschritten, sind alle inzidenzbasierten Lockerungen hinfällig und müssen durch die kommunalen Behörden aufgehoben werden. Das ist in der sächsischen Corona-Schutz-Verordnung geregelt.

Quelle: MDR/kp/bj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.03.2021 | 19:00 Uhr

16 Kommentare

logisch denkender vor 18 Wochen

Ich war heute in einen Gartencenter und in einen Baumarkt es war ein wunderschön entspanntes Einkaufen weil sich die Menschen da sehr ruhig und entspannt gefühlt haben.
Danach war ich in einen Supermarkt da hab ich gedacht der Krieg geht los so voll war es.
Und dann hab ich noch einen vollbesetzten Schulbus gesehen aber drinnen keine Masken nur Kindergesichter.
Ich möchte wissen wer uns hier Entschuldigung verarscht.
Wenn jemand auf die Straße geht so wie 89 dann sagt bescheid ich bin dabei...natürlich mit Maske

Freiheit stirbt mit Sicherheit vor 18 Wochen

Und das "Lockerungs Jo-Jo" kommt in Bewegung!


Da werden Strohalme, Besteck, Teller... aus Plaste verboten und hier werden Millionen wenn nicht gar Milliarden Plaste Schnell- und Selbstteste hergestellt. - Ein Irrsinn!

Reiner202 vor 19 Wochen

Am meisten gehen mir die Inzidenzwerte auf den Geist. wenn bei unsern knapp 7000 Einwohnern nur einer krank ist , müssen wir normalerweise in den Shutdown. So die Mathematik der Politiker samt RKI. Die stellen uns Bürger für dumm hin.

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