Sachsen Arbeitsagentur: Corona-Folgen noch ein Jahr

Porträtaufnahme einer weißen Frau mit zurückgebundenen Haaren, einer großen Brille und grüner Bluse
Bildrechte: Tobias Thiergen

Die Arbeitsagentur Sachsen rechnet damit, dass die Folgen der Corona-Pandemie für den Arbeitsmarkt frühestens in einem Jahr überwunden sein werden. Der Chef der Regionaldirektion in Chemnitz, Hansen, sagte MDR AKTUELL, die jüngsten Zahlen vom Februar zeigten, jeder zehnte Beschäftigte in Sachsen sei in Kurzarbeit gewesen, 25.000 Firmen insgesamt hätten Kurzarbeit beantragt.

Gebäude der Agentur für Arbeit
Trotz Kurzarbeitergeld konnten nicht alle Arbeitsplätze während der Corona-Pandemie gerettet werden. Bildrechte: IMAGO / Lichtgut

Sein Unternehmen habe wirklich noch Glück im Unglück gehabt, sagt Steffen Dittmar. Immerhin mussten sie nie ganz schließen, wie zum Beispiel die Gastronomie-Branche. Dittmar ist Geschäftsführer der Bergquell Brauerei Löbau. Das Unternehmen beschäftigt 50 Mitarbeiter und musste niemanden entlassen.

"Ganz schlimm war, dass die ganzen Gastronomieobjekte bzw. Volksfeste gecancelt wurden, dementsprechend das Fassbier nicht produziert werden konnte und wir uns einzig und allein auf das Flaschenbier konzentrieren mussten." Das sei vor allem für die kleinen Brauereien existenzgefährdend gewesen, sagt Dittmar. Den Ausfall hat er mit staatlicher Hilfe aufgefangen. Die Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit.

Kurzarbeitergeld bewahrte vor Zusammenbruch

Damit ist der Brauerei-Betreiber nicht alleine. Viele Arbeitsplätze gäbe es ohne diese Unterstützung längst nicht mehr, sagt Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. "Wir sehen es an den Kurzarbeiterzahlen, dass die Pandemie uns nach wie vor massiv beschäftigt am Arbeitsmarkt."

Laut den Zahlen für Februar habe in diesem Monat jeder zehnte Beschäftigte in Sachsen Kurzarbeit gehabt. "Wir haben 25.000 Firmen, die in Kurzarbeit gewesen sind – Tendenz geht jetzt langsam nach unten, aber ohne dieses Instrument sähe es furchtbar aus auf dem Arbeitsmarkt." Allerdings sei jetzt im Frühjahr eine Entspannung zu bemerken gewesen. Neben dem saisonalen Effekt stimme ihn vor allem auch die positive Entwicklung in der Gastronomiebranche hoffnungsvoll, sagt Hansen.

Krisengewinner vor allem in der IT-Branche

Der Arbeitsmarkt-Forscher Martin Gronig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erläutert, dass vor allem Geringverdiener im Dienstleistungsbereich von Arbeitslosigkeit betroffen seien. Doch es gebe auf der anderen Seite auch Krisengewinner: "Wir haben ja gemerkt, dass Digitalisierung einen richtigen Schub genommen hat. Also was IT-Spezialisten angeht, da ist natürlich richtig was passiert und auch die einzelnen Unternehmen haben ja versucht, ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren. Also auch da gab's natürlich Beschäftigtenzuwächse."

Aktuell beobachtet der Wirtschaftswissenschaftler einen generellen Anstieg der Nachfrage – insbesondere aber nach Spezialisten wie etwa im Handwerk. "Alle wollen schnell wieder weitermachen und Leute einstellen und da gibt's dann auch Engpässe, die Probleme machen werden."

Man sehe das ja auch bei Materialien: "Dass wir teilweise Materialknappheit im Bausektor haben, weil einfach das System insgesamt erst wieder richtig in Gang kommen muss." Dann würden auch gering Qualifizierte und Leiharbeiter wieder deutlich mehr gefragt sein, weil viel nachgeholt werden müsse, so Gornig. Da sei keine außergewöhnliche Schieflage entstanden.

Keine nachhaltigen Veränderungen am Arbeitsmarkt

Der sächsische Arbeitsagentur-Chef teilt diese Prognose grundsätzlich, sieht aber noch einen weiten Weg: "Ich glaube, wir werden noch ein gutes Jahr brauchen, um die Folgen von Corona zu beseitigen. Aber ich denke, im Verlauf des nächsten Jahres werden wir schon sagen können: Wir sind nah dran an der Situation vor Corona – Licht am Ende des Tunnels.“

Am Ende wird die Corona-Pandemie den Arbeitsmarkt nicht nachhaltig verändern: Die gut ausgebildeten Fachleute haben gute Perspektiven bei der Jobsuche, während es ohne Ausbildung schwer bleibt, eine stabile Beschäftigung zu bekommen.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juni 2021 | 06:09 Uhr

Mehr aus Sachsen