Vorzeitige Freigabe Impftermine für über 14-Jährige bereits ab dieser Woche

Die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech für Heranwachsende in Europa war nur noch eine Formalie. Am Montag hat die EU-Kommission grünes Licht gegeben. In Deutschland ist das Impfen ab kommender Woche möglich. Jugendlichen in Sachsen ab 14 Jahren stellte Ministerpräsident Kretschmer schon für diese Woche in Aussicht, einen Termin im Impfzentrum buchen zu können. Doch noch ist diese Möglichkeit nicht freigeschaltet. Und die Ärzte warten immer noch auf eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission.

Männlicher Jugendlicher mit Maske bekommt von einer medizinischen Mitarbeiterin in Schutzkleidung eine Impfung. Ansicht von schräg oben.
Ein Jugendlicher erhält eine Impfung (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Eibner

In Sachsen können sich Jugendliche ab 14 Jahren schon ab dieser Woche um einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung bemühen. Wie Ministerpräsident Michael Kretschmer am Montag ankündigte, soll dies in einigen Impfzentren möglich sein. Er verwies auf die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde, den Biontech-Wirkstoff für Heranwachsende ab 12 Jahren freizugeben. Die formale Zulassung durch die EU-Kommission erfolgte am Montag. Die Impfpriorisierung in Deutschland entfällt ab dem 7. Juni. Spätestens zu diesem Zeitpunkt können sich alle ab zwölf Jahren impfen lassen, wenn sie denn einen Termin ergattern.

Auch ohne Impfung wieder in die Schule

Michael Kretschmer
Sachsens Regierungschef Kretschmer will freiwillige Corona-Schutzimpfungen für alle Mneschen ab zwölf Jahren. Bildrechte: dpa

Kretschmer sagte, angesichts dieser Entwicklungen sei es nun möglich, dass sich Kinder und Jugendliche auch gegen Corona impfen lassen könnten, wenn sie es denn möchten. Zugleich betonte er, dass der Schulbetrieb auch ohne Impfung möglich sein müsse. "Geimpft, genesen und getestet - das sind drei Dinge, die gleichberechtigt stehen und die uns das Leben und die Normalität zu einem Großteil wieder möglich machen", erklärte der Regierungschef und ergänzte, Kinder und Jugendliche hätten in den vergangenen Monaten in der Corona-Pandemie viel durchgemacht und große Solidarität bewiesen.

An Umsetzung wird noch gearbeitet

Der Betreiber der Impfzentren in Sachsen, das Deutsche Rote Kreuz, teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, das Sozialministerium habe bisher noch keinen Auftrag erteilt, die Möglichkeit von Terminvereinbarungen für Jugendliche freizuschalten. Sprecher Kai Kranich bat deshalb darum, nicht gleich am Montag oder Dienstag zu versuchen, telefonisch oder über das Online-Impfportal entsprechende Termine zu bekommen.

Es ist alles nicht so einfach

Er verwies darauf, dass noch einige Fragen geklärt werden müssten. So reiche für Jugendliche unter 16 Jahren nicht wie bei den älteren bis 18 eine schriftliche Zustimmung der Eltern zu Impfung. Bei den Jüngeren müsse eine berechtigte Begleitperson mit ins Impfzentrum kommen. Allerdings sei das Personal dort nicht zu Ausweiskontrollen berechtigt. Kranich verwies zudem darauf, dass es von der Ständigen Impfkommission immer noch keine Empfehlung an die Ärzte zur Impfung von Zwölf- bis 15-Jährigen gebe. Das DRK sei ausschließlich für Logistik und Organisation der Impfzentren zuständig, nicht für das Impfen selbst.

Unterschiedliche Meinungen

Thomas Mertens
Thomas Mertens ist der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission. Bildrechte: dpa

Vergangene Woche hatten Bund und Länder beschlossen, dass bei einer entsprechenden Freigabe durch die EU mit dem Wegfall der Imfpriorisierung auch Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren ermöglicht werden sollen, vornehmlich in Kinder- und Hausarztpraxen. Allerdings ist das nicht nur in der Politik, sondern auch unter Medizinern und Wissenschaftlern umstritten. So hatte die Ständige Impfkommission erklärt, zunächst keine Empfehlung geben zu wollen. Ob und wann sie dies tun wird, ist derzeit unklar.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) Die Ständige Impfkommission ist ein Expertengremium, das aus zwölf bis 18 ehrenamtlichen Mitgliedern besteht. Sie werden vom Bundesministerium für Gesundheit in Absprache mit den obersten Landesgesundheitsbehörden alle drei Jahre neu berufen. Es handelt sich dabei um Expertinnen und Experten unterschiedlicher Wissenschafts- und Forschungsdisziplinen, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der niedergelassenen Ärzteschaft. Sie sind nur ihrem Gewissen verpflichtet und sollen ihre Aufgaben unparteiisch erfüllen.

Die Stiko berücksichtigt bei ihren Impfempfehlungen nicht nur deren Nutzen für den einzelnen Menschen, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Ihre Empfehlungen sind nicht bindend, bilden aber die Grundlage für die öffentlichen Impfempfehlungen der Bundesländer (die darüber hinaus gehen können) und die Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung.

Sachsen hat als einziges Bundesland eine weitere, eigene Impfkommission (Siko), die die Stiko-Empfehlungen zusätzlich eigenständig fachlich bewertet.

Quelle: MDR/stt/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 31. Mai 2021 | 16:00 Uhr

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