Kampf gegen Corona "Sächsische Intensivpatienten können derzeit nicht verlegt werden"

Seit Wochen steigen die Corona-Zahlen in Sachsen. Mittlerweile macht sich das auch wieder auf den Intensivstationen bemerkbar. Allerdings ist vielen Menschen der Ernst der Lage nicht bewusst. Anders als im Frühjahr besteht sogar gegenwärtig keine Möglichkeit, sächsische Intensivpatienten in andere Bundesländer zu verlegen. Auch dort ist alles voll. Grund genug für den Medizinischen Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums, Prof. Christoph Josten, Alarm zu schlagen.

Christoph Josten, Medizinischer Vorstand Universitätsklinikum Leipzig
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Gespräch mit Ministerpräsident Michael Kretschmer haben Sie kürzlich gesagt, dass die Situation auf den Intensivstationen dramatischer sei, als es öffentlich wahrgenommen werde. Warum ist das aus Ihrer Sicht so?

Weil viele Menschen auf die Statistiken schauen und sagen: Naja, ganz so schlimm wie zu Weihnachten und Neujahr ist es ja noch nicht. Wir sehen aber bereits, dass die Patienten, die wir momentan betreuen, länger im Krankenhaus liegen. Das heißt, selbst mit einer geringeren Zunahme an intensivpflichtigen Patienten werden unsere Intensivstationen mehr als voll werden.

Gleichzeitig ist auch die Belastung der Corona-Intensivstationen in den Nachbarbundesländern gestiegen. Eine Verlegung, wie wir sie in der Weihnachtszeit vorgenommen haben, ist momentan nicht möglich. Wir sind in Sachsen auf uns allein gestellt. Noch geht das, aber wir wollen darauf hinweisen, dass wir in eine äußerst gefährliche Situation kommen können.

Warum ist die Belegung der Intensivstationen mit jungen Covid-19-Patienten besonders belastend? Hängt das damit zusammen, dass diese länger versorgt werden müssen?

Jüngere Patienten bringen zum Glück eine andere Konstitution mit. Sie überstehen deshalb auch Krankheitsbilder, die ein älterer Patient nicht überleben würde. Das bedeutet aber auch, dass sie länger auf den Intensivstationen behandelt werden müssen. Und wenn sie mehr Patienten haben, die noch länger auf Intensivstationen sind, als es vielleicht in der zweiten Welle der Fall war, dann kann sich jeder ausrechnen, dass die Belastung und Auslastung deutlich schneller an ihre Grenzen stößt.

Was unterscheidet eigentlich "normale" Intensivpatienten von Covid-Intensivpatienten?

Erstmal ist es die Isolation. Ein Covid-Intensivpatient bedarf praktisch einer Eins-zu-Eins-Pflege. Eine Schwester betreut einen Intensivpatienten. Und die kann nicht einfach das Behandlungszimmer verlassen, sondern sie ist darauf angewiesen, dass ihr die Dinge, die sie zur Therapie und Behandlung des Patienten benötigt, gebracht werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Schutzkleidung nicht über acht Stunden ununterbrochen getragen werden kann. Es bedarf deshalb  eines regelmäßigen Auswechselns dieses medizinischen Personals.

Ein weiterer Punkt sind die aufwendigen Behandlungen. Zu nennen wäre da beispielsweise die ECMO-Behandlung, bei der das Blut ausgetauscht wird. Derartige Behandlungen sind sowohl personal- als auch geräteintensiv.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 15. April 2021 | 19:00 Uhr

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