Corona-Pandemie Ende der kostenfreien Schnelltests - so geht es in Sachsen weiter

Ab Montag müssen Corona-Schnelltests etwa für den Friseurbesuch oder das Essen im Restaurant selbst bezahlt werden. Die Kosten für die sogenannte Bürgertestung trägt dann nicht mehr der Bund. Aber für bestimmte Bevölkerungsgruppen gelten Ausnahmen und auch einige Kommunen gehen einen Sonderweg. Ein Überblick über die Regelungen in Sachsen.

Corona-Test und Geldscheine liegen auf einem Tisch.
Ab dem 11. Oktober müssen Corona-Schnelltests selbst bezahlt werden. Aber es gibt auch viele Ausnahmen. Bildrechte: MDR

Ab 11. Oktober wird der Corona-Schnelltest zum Kostenfaktor. Der Bund stellt die Finanzierung der sogenannten Bürgertestung ein. Ungeimpfte, die den Testnachweis etwa für Kosmetik, Friseur oder Gaststättenbesuch brauchen, müssen ihn jetzt selbst bezahlen. Der Preis fällt je nach Anbieter unterschiedlich aus.

Hilfsorganisationen fahren Betrieb runter

35 Euro kostet ab sofort der Schnelltest in den Zentren des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Den gibt es beispielsweise weiter in vier Testzentren des DRK Kreisverbandes Meißen. Die Anlaufstellen werden mit unveränderten Öffnungszeiten mindestens bis zum 31. Oktober geöffnet bleiben, wie Kreisgeschäftsführer Christoph Ruppert versichert. Er rechnet aber mit einer geringen Nachfrage. "Die aktuellen Vorgaben des Gesetzgebers bewahren uns leider nicht vor der Gefahr eines defizitären Betriebs der Testzentren", so Ruppert. Deshalb wolle man in den nächsten Tagen über die Weiterführung der Angebote entscheiden.

Das Rote Kreuz ist vor allem eine Krisenorganisation.

Kai Kranich DRK Sachsen

Ein Mann gibt ein Interview.
DRK-Landessprecher Kai Kranich sieht die Aufgabe zu testen nicht mehr bei den Hilfsorganisationen. Bildrechte: MDR SACHSEN

Zum letzten Mal bietet der Dresdner Kreisverband am Sonntag Schnelltests an. Ab Montag gibt es vom Dresdner Roten Kreuz keine Teststation mehr, informiert DRK-Landessprecher Kai Kranich. Gänzlich hätte sich das DRK von den Testangeboten noch nicht verabschiedet, fügt er hinzu, aber es gebe einen flächendeckenden Rückgang. Von weit über 30 Kreisverbänden in Sachsen hatten bereits im Sommer nur noch acht Verbände Testzentren in Betrieb. Wenn die Dinge in eine Regelhaftigkeit übergehen, so wie es der Fall ist und auch Apotheken Tests anbieten, dann müsse man hier nicht mehr mitspielen, so Kranich.

Auch bei den Johannitern sind längst nicht mehr alle Testzentren offen, wie Sebastian Späthe von der Johanniter-Unfall-Hilfe informiert. Die Verbände Meißen/Mittelsachsen und Leipzig Nordsachsen haben laut Späthe keine Angebote mehr. Die Teststation im Dresdner Kulturpalast, wo sich in der Vergangenheit häufig Warteschlangen bildeten, bleibt. 25 Euro kostet hier der Schnelltest.

Blick auf den Eingang eines Corona-Testzentrums im Dresdner Kulturpalast.
Das Testzentrum der Johanniter im Dresdner Kulturpalast bleibt geöffnet. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Unsicherheit bei privaten Unternehmen

Etliche Testzentren privater Unternehmen, die im Frühjahr wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wurden im Laufe des Sommers infolge gesunkener Infektionszahlen und steigender Impfquote dicht gemacht. So befindet sich in Großpostwitz das einzige verbleibende Testzentrum der Reha Salus Gruppe in der Oberlausitz. Im Sommer waren es noch 15. Hier koste ab Montag der Schnelltest zehn Euro, kündigt Geschäftsführerin Margrit Weißig an. Ob sich das für sie rechnen wird, wisse sie noch nicht. "Das ist etwas, was wir gar nicht einschätzen können und wir haben auch schon mit befreundeten Testzentren telefoniert", so Weißig.

Überall sind große Fragezeichen, weil keiner weiß: Wer wird kommen? Wie viele werden kommen?

Margrit Weißig Geschäftsführerin Reha Salus

Die Erste Hilfe Schule Dresden hält das Testcenter in Dresden-Pieschen geöffnet. 15 Euro werden hier pro Test fällig. "Wir behalten uns natürlich vor, diesen Preis gegebenenfalls anzupassen", teilt Geschäftsführer Karsten Olzmann mit. Das Testmobil der Firma stehe ebenfalls bereit und könne etwa für Events gebucht werden.

Das Testmobil der Erste Hilfe Schule Dresden kann weiter gebucht werden.
Das Testmobil der Erste Hilfe Schule Dresden kann weiter gebucht werden. Schnelltests kosten pro Stück 15 Euro. Bildrechte: Testmobil Erste Hilfe Schule Dresden

Viele Apotheken testen weiter

Wichtige Adresse für Corona-Schnelltests bleiben die Apotheken: "Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der sächsischen Apotheken auch weiterhin Corona-Schnelltests anbieten wird, da bestimmte Personen noch immer Anrecht auf kostenlose Schnelltests haben, wenn diese nicht geimpft werden können oder keine allgemeine Impfempfehlung vorliegt", sagt Kathrin Quellmalz vom Sächsischen Apothekerverband.

In Dresden testen beispielsweise die Sophien-Apotheke und die Apotheke am Ei über den 11. Oktober hinaus. Preislich werde der Antigenschnelltest bei 12,50 Euro liegen, informiert die Chefin Steffi Mattheus. Welche Apotheken den Service weiterführen, hänge auch von den räumlichen Gegebenheiten, den personellen Ressourcen und der Nachfrage ab, betont Quellmalz vom Landesapothekerverband.

Viele Apotheken haben die zusätzliche Durchführung von Schnelltests nur mit einer hohen Mehrbelastung bewältigen können.

Kathrin Quellmalz Sächsischer Apothekerverband

Einen Überblick, wo man in Sachsen noch Testmöglichkeiten findet, zeigt die deutschlandweite Schnellteststellensuche von den Entwicklern der Corona-Warnapp. Die Internetseite werde täglich aktualisiert, so das Versprechen der Portalbetreiber.

Kommunen wollen Kosten minimieren

In sächsischen Kommunen sucht man nach Wegen, die Kosten für die Tests im bezahlbaren Rahmen zu halten. So übernimmt die Stadt Thalheim im Erzgebirge die Miete für das lokale Testzentrum. Die Tests selbst könne und wolle die Kommune aber nicht bezahlen, stellte Bürgermeister Nico Dittmann klar. Auch Dirk Neubauer, Bürgermeister von Augustusburg, hält nichts von kostenlosen Tests. "Wir haben eine Impfkampagne. Viele haben sich wegen des Solidargedankens impfen lassen. An sie wäre es ein fatales Signal, wenn man den Nichtgeimpften jetzt die Tests bezahle. "Das halte ich auch nicht für okay", sagt Neubauer. Trotzdem müsse es weitergehen mit der Testerei. Aber zum kleinen Preis, damit niemand vom kulturellen Leben ausgeschlossen werde, so der Augustusburger Bürgermeister.

Wir müssen es hinkriegen, dass Tests bezahlbar sind.

Dirk Neubauer Bürgermeister von Augustusburg

Freiberg und Stollberg gehen Sonderweg

In Freiberg bezahlt die Stadt die Schnelltests für alle ihre Bürger und Bürgerinnen weiter. Das koste gar nicht so viel Geld, versichert Oberbürgermeister Sven Krüger. Zum einen zahle der Bund Tests etwa für Minderjährige oder Schwangere sowie das Land für Feuerwehren, Kultureinrichtungen und bestimmte Vereine. Dazu finanzieren viele Unternehmen Tests für ihre Angestellten. "Dann bleibt noch eine Gruppe von etwa fünf Prozent. Für die werden wir – sofern sie in Freiberg wohnen - den Test auch weiterhin kostenfrei anbieten", verkündet Krüger. Bis zu 14.000 Euro werde das bis Ende des Jahres kosten, schätzt der Oberbürgermeister. Das Geld ist da: Im Freiberger Haushalt sind laut Krüger insgesamt fünf Millionen Euro für Impfungen, Tests und andere coronabedingte Ausgaben vorgesehen.

Wir wollen auch Menschen mit geringeren Einkommen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Marcel Schmidt Oberbürgermeister von Stollberg

Stollberg bietet bis 31. Dezember kostenfreie Tests für die Einwohnerschaft an. "Wir wollen der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken und Menschen nicht in gut oder böse einteilen", sagt dazu Oberbürgermeister Marcel Schmidt. Finanziert werde das über die Corona-Kostenstelle der Stadt. Dort wären noch Mittel verfügbar, die die Stadt vom Bund zur Bewältigung der Pandemie erhalten habe, so der OB. Zum Nachweis, dass der Hauptwohnsitz in der jeweiligen Stadt ist, wird der Personalausweis benötigt.

Generelle und temporäre Ausnahmen

Bestimmte Bevölkerungsgruppen können sich unabhängig vom Wohnort weiterhin kostenlos testen lassen. Das gilt für Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Corona-Schutzimpfung erhalten dürfen sowie für diejenigen, für die es keine Impfempfehlung gibt. Letzteres betrifft Kinder unter zwölf Jahren und Frauen, die sich im ersten Drittel einer Schwangerschaft befinden.

Des Weiteren greifen Übergangsregelungen: So können sich Minderjährige und Schwangere bis Ende des Jahres kostenlos testen lassen. Stillende Mütter haben bis zum 10. Dezember noch Anspruch auf einen kostenlosen Test.

Menschen mit Covid-19-Symptomen werden im Rahmen ihrer Behandlung getestet. Deren Kontaktpersonen müssen ebenfalls nicht selbst für Corona-Tests zahlen, wenn sie ihn etwa zum Beenden einer Quarantäne brauchen.

Zutritt zu Heimen und Kitas gewährleisten

Wer seinen Nachwuchs in die Kita bringt oder abholt, benötigt für diesen kurzen Aufenthalt im Gebäude keinen Impf-, Test- oder Genesenennachweis. Das geht aus der aktuellen sächsischen Schul- und Kita-Verordnung hervor. Wenn Eltern beispielsweise im Rahmen der Eingewöhnung eines Kindes länger in der Einrichtung bleiben, sollte ihnen kein kostenpflichtiger Test aufgebürdet werden, heißt es aus dem Sozialministerium. In diesem Fall könnten die Eltern vor Betreten der Kita einen Test unter Aufsicht des Kitapersonals vornehmen. "Ein schriftlicher Nachweis über das Ergebnis ist hier nicht erforderlich, da die Gültigkeit allein auf das Betreten der Kita beschränkt bleibt", so ein Ministeriumssprecher.

Für die Besucher von Pflegeeinrichtungen ändert sich ebenfalls nichts. Der Test kann vor Ort gemacht werden. Auch hier ist die Gültigkeit des Ergebnisses allein auf den Zutritt zu diesen spezifischen Einrichtung beschränkt und kann nicht als tagesaktueller Test nachgenutzt werden, wie ein Sprecher des Sozialministeriums ausführt. Dementsprechend weist das große städtische Dresdner Alten- und Pflegeheim, die Cultus gGmbH, auf die sogenannten Testkorridore in ihren Einrichtungen hin. Dort erhalten Besucher wie gehabt einen kostenlosen Schnelltest und können dann, wenn sie nicht infektiös sind, zu den Heimbewohnern.

Test als Zugangsanforderung zu Arztpraxen?

Während die Tests für den Zutritt in Pflegeheime kostenfrei bleiben, kann es in Einzelfällen in medizinischen Einrichtungen anders aussehen. So gibt es Praxen und OP-Zentren in Sachsen, die von ihren Patienten und Patientinnen vor einer geplanten ambulanten Operation einen negativen Corona-Test verlangen, der selbst organisiert und aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Auf Anfrage von MDR SACHSEN bei der Sächsischen Landesärztekammer, wie sie diese Handhabe bewertet, heißt es knapp: "Hygieneschutzmaßnahmen obliegen dem Praxisinhaber beziehungsweise bei Krankenhäusern der Klinikleitung".

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen spricht sich deutlich dagegen aus, Kosten von Corona-Schnelltest auf Patienten abzuwälzen. "Das geht gar nicht und ist nicht in Ordnung", sagt der Vorstandsvorsitzende Klaus Heckemann. Ärzte, die besonders ängstlich wegen einer Covid-19-Infektion seien, könnten einen Corona-Test verlangen, sollten ihn dann aber direkt in ihrer Praxis durchführen lassen. Das sei sicherer.

Einen Nasenabstrich soll jeder operativ tätige Arzt machen können.

Klaus Heckemann Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Falls es sich um einen nicht erforderlichen Eingriff handle, wäre es auch denkbar, ihn in eine Zeit mit niedrigen Inzidenzen zu verschieben. Bei nicht notwendigen Eingriffen könnte der Arzt dem Patienten allenfalls die fünf Euro Materialkosten für den Corona-Test in Rechnung stellen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 10. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Jur vor 7 Wochen

Wo bleibt endlich die Impfpflicht (ausgenommen selbstverständlich Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen)!!! Nur so bekommen wir die Pandemie in den Griff!!

Freiheit stirbt mit Sicherheit vor 7 Wochen

Na mal sehen, welche Auswirkungen das Ganze auf die Inzidenz hat...

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