Tipps für Eltern Homeschooling-Frust? So motivieren Sie ihren Nachwuchs zum Lernen

Tausende Schülerinnen und Schüler in Sachsen sollen zu Hause lernen. Eltern berichten, dass es immer schwerer wird, den Nachwuchs für die Aufgaben zu motivieren. Auch die Erwachsenen sind oft am Ende ihrer Ideen. Was tun, damit das Pensum keine Quälerei wird? Lernforscher und Nachhilfe-Experten geben Tipps.

Ein Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben.
Bildrechte: Hessischer Rundfunk

Eltern am Limit

"Das Schlimmste ist, die eigenen Kinder täglich zu motivieren, ihnen gut zuzureden, immer geduldig zu bleiben. Den Spagat, der von uns Eltern da verlangt wird, kann sich keiner der regierenden Personen vorstellen. Wir gehen auch selbst noch arbeiten. Nicht jeder kann sich krank schreiben lassen", schreibt MDR-Hörerin und Mutter Rebekka Matthes aus Olbernhau.

Mutter Ina Grohmann aus Bischofswerda schildert, dass die Effektivität bei der Aufgabenerledigung zu Hause ausbleibe. "Die Kinder schaffen bei weitem nicht das, was sie in der gleichen Zeit in der Schule erledigen würden. Somit verlängert sich die Zeit am Schulzeug zu Hause enorm, bis in den Nachmittag hinein unter totaler Frustration beim Schüler und auch Hilflosigkeit bei den Eltern. Eltern sind keine ausgebildeten Pädagogen", meint sie. Was aber tun? Immerhin sind immer noch Tausende Schülerinnen und Schüler sowie Berufschüler mit häuslichem Lernen zu Hause beauftragt.

10 Tipps des Lernpsychologen

Der Lernforscher und Professor für pädagogische Psychologie an der Universität Leipzig, Prof. Dr. Henrik Saalbach, rät Eltern jüngerer und älterer Schüler:

  • Einen klaren Start fürs häusliche Lernen festlegen und die feste Uhrzeit beibehalten, nicht ständig neu verhandeln.
  • Die Lernwoche und/oder den Lerntag planen, dabei das Kind mit einbeziehen und konkret besprechen, was alles gemacht werden muss.
  • Viel gemeinsam absprechen, damit das Kind nicht das Gefühl hat, nur fremdbestimmt zu werden.
  • Die Reihenfolge der Aufgabenerledigung sollte das Kind entscheiden. Es sollte an der Organisation beteiligt werden.
  • Gemeinsam sollte eine To-Do-Liste angelegt werden, die das Kind abhaken kann.
  • Ein klares Ende der Lernzeit festlegen, es darf nicht ständig nur ums Lernen gehen.
  • Ist die Motivation komplett am Boden, notfalls einen Tag Pause einlegen.
  • Regelmäßige Pausen sollten in den Lerntag eingebaut werden - entweder nach 45 Minuten oder wenn bestimmte Aufgaben gelöst wurden.
  • Belohnungen erlauben, wenn Aufgaben geschafft wurden, auch mal Spielzeit, PC-Spiele oder andere Späße ohne schlechtes Gewissen erlauben.
  • Einmal am Tag sollte sich das Kind an frischer Luft bewegen, hilft Kindern und Erwachsenen - "Ich weiß, dass das bei Teenagern manchmal schwierig ist", weiß Prof. Dr. Saalbach.

Nicht unbedingt bis 13 Uhr ausschlafen. Mir hilft es, wenn ich mit Mitschülern über Videokonferenzen in Kontakt bleibe. Da reden wir ganz viel, lösen Aufgaben und lachen auch mal.

Joanna Kesicka Vorsitzende des Landesschülerrates Sachsen

Was sollte die Schule beachten?

Feedback motiviert, sagt Lernforscher Saalbach und verlangt regelmäßige Rückmeldungen von den Schulen und Lehrkräften. Man könne von den Bildungseinrichtungen in Corona-Zeiten erwarten, dass sie "wenigstens einmal in der Woche eine Videokonferenz mit ihren Schülern organisieren und grundsätzlich per Mail erreichbar sind". Das sei "kein Hexenwerk" - ebensowenig wie Feedback an die Eltern.

In Dutzenden E-Mails beschreiben Eltern aus allen Landesteilen Sachsens jedoch, dass das an Schulen immer noch nicht selbstverständlich ist. Mutter Angelika Partenfelder aus Eibenstock schreibt MDR SACHSEN: "Für zwei meiner drei schulpflichtigen Kinder (1., 6. und 10. Klasse an drei verschiedenen Schulen) gab es in den gesamten sechs Wochen 'Homeschooling' KEINE EINZIGE Videokonferenz, obwohl die notwendige technische Ausrüstung in der Schule zur Verfügung steht."

Eltern und Lernforscher kritisieren Lehrkräfte

"Wie aus einem Dornröschenschlaf mussten wir Lehrer wecken", meint Grit Fischer aus Zwickau. Seit Anfang Januar habe sie mehr Online-Unterricht verlangt. "Immer wieder kamen mir Ausreden entgegen (auch vom Kultusministerium). Dienst nach Vorschrift - so etwas gibt es in der freien Wirtschaft nicht. Ich selber bin Ausbilder und kann das Handeln vieler Lehrer nicht verstehen."

Zwar gebe es engagierte Lehrpersonen und Schulleitungen, deren Arbeit nicht genug gelobt werden könne, meint Lernforscher Henrik Saalbach von der Universität Leipzig. Aber: "In der Fläche fehlen klare Qualitätsstandards für den Fernunterricht, so dass es für ein Kind zur Glückssache wird, wie es im Hinblick auf das Lernen durch die Pandemie kommt."

Es ist verantwortungslos, wenn Klassenlehrer und Fachlehrer keinen Kontakt zu ihren Schülern halten und kein Feedback geben. Diese Lehrer müssen sich fragen, ob sie den richtigen Beruf ergriffen haben. Es reicht nicht, Lernblätter hochzuladen.

Prof. Dr. Henrik Saalbach Professor

Ein Mann sitzt inmitten von Stühlen
Vater, Lernforscher und Universitätsprofessor Henrik Saalbach stellt klare Anforderungen an Sachsens Schulen. Von Klassen- und Fachlehrerinnen und -lehrern verlangt er Feedback und dass sie moderne Technik regelmäßig nutzen. Bildrechte: Swen Reichhold

Praxis-Tipps des Anbieters Schülerhilfe

  • Ordnung schaffen statt Chaos beherrschen: Eltern sollten dafür sorgen, dass ihr Kind einen ordentlichen Schreibtisch mit Stauraum zur Verfügung steht: "Das Bett oder der Couchtisch sind keine geeignete Lernumgebung", urteilt der kommerzielle Nachhilfe-Anbieter Schülerhilfe.
  • Eltern und Kinder sollten auf die richtige Beleuchtung achten und Ablenkungen aus dem Sichtbereich verbannen.
  • Kinder und Eltern sollten ihre Videokonferenzen möglichst in getrennten Räumen absolvieren und getrennt arbeiten, um sich gegenseitig nicht zu stören. Die Videokonferenz sollten gemeinsam vorbereitet werden.
  • Eltern sollten gemeinsam mit dem Kind Zeiten festlegen, in denen ein Elternteil das Kind beim Lernen unterstützt, z. B. eine Stunde pro Tag.
  • In dieser festen Stunde: nicht telefonieren, kochen oder Mails beantworten.
  • Eltern sollten dem Kind aber auch versichern, dass es bei etwas Wichtigem auch außerhalb der festen Stunde jederzeit fragen kann.
  • Das Kind sollte ermutigt werden, sich selbst an die Lehrerin oder den Lehrer zu wenden.
  • Es sollte ein Hausaufgabenheft führen, damit klar ist, wann Aufgaben bearbeitet und abgegeben werden müssen – in einem Terminkalender notierte Deadlines helfen, den Überblick zu behalten.
  • In kleinen Gruppen lernen motiviert, entweder mit Schulfreunden oder in professioneller Einzelnachhilfe.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2021 | 10:11 Uhr im Programm

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