Abschlussklassen Schulabschluss 2021: Zwischen Notendruck, Plänen und Abschlussfeiern

Während die schriftlichen Abiturprüfungen für die meisten Schülerinnen und Schüler in Sachsen vorbei sind, startet die Prüfungsphase der Oberschul-Abschlussklassen gerade erst. Eine zweifelsohne stressige Zeit - auch ohne Corona-Pandemie. Zwischen Prüfungsstress, Zukunftsplanung und dem bangen Blick auf eine mögliche Abschlussfeier haben wir mit drei jungen Menschen im Freistaat gesprochen, die bald einen neuen Lern- und Lebensabschnitt beginnen.

Mit weitem Abstand sitzen Schüler an ihren Tischen in einer Aula.
Mit weitem Abstand sitzen Schüler an ihren Tischen in einer Aula - so sah das schriftliche Abitur in Sachsen aus. Bildrechte: dpa

Wenn Joanna Kesicka auf das vergangene Jahr zurückblickt, fallen ihr vor allem drei Dinge ein: "Ein Laptop, eine nicht funktionierende Internetverbindung und drittens meine Mitschülerinnen und Mitschüler. Ich glaube, vor allem der dritte Punkt ist ganz wichtig. Wir sind so selbstständig geworden im letzten Halbjahr und auch Schuljahr, weil wir selbst sehr viel in die Hand nehmen mussten." Ein positiver Aspekt, den die Einschränkungen der Corona-Pandemie mit sich gebracht haben, meint die Vorsitzende des Landesschülerrats. "Was aber natürlich die ganzen Nachteile, die wir mitbekommen haben, überhaupt nicht ausgleichen kann."

Prüfungsvorbereitung "richtig gut"

Porträt von Joanna Kesicka aus dem Jahr 2019
Joanna Kesicka ist Vorsitzende des Landesschülerrats. Bildrechte: LandesSchülerRat Sachsen

Das Schuljahr war geprägt von Umbrüchen: mal zu Hause lernen, dann wieder in der Schule. Unterricht per Video oder doch mit Maske im Schulgebäude. Eine Testpflicht wurde eingeführt, Nebenfächer gestrichen - vorübergehend. Doch am Ende ist das Konzept tatsächlich halbwegs aufgegangen, zumindest für die Abiturientin Joanna Kesicka: "Die Abschlussklassen waren schon seit Mitte Januar im Präsenzunterricht und konnten dort mit den Lehrern direkt vor Ort sprechen und sich vorbereiten."

Ähnlich sieht das auch Abiturient Anton Brähler aus Leipzig: "Klar, es war schon hilfreich, dass wir nur in den fünf Prüfungsfächern Unterricht hatten. Ich hätte mir aber tatsächlich mehr Unterrichtsstunden in den relevanten Fächern gewünscht", sagt der 18-Jährige.

Ich glaube, Abiturprüfungen bringen immer Stress mit sich und Druck. Aber im Endeffekt hatten wir dieses Jahr eine richtig gute Prüfungsvorbereitung.

Joanna Kesicka Vorsitzende des Landesschülerrats

Druck, Tests, Stress

Für Oberschülerin Juleh Bors aus Dresden lief es etwas anders: Obwohl auch für sie schon seit Wochen wieder Präsenzunterricht an der Schule angeboten wird, hat sie sich für das Lernen zu Hause entschieden. "Ich kann mich hier besser vorbereiten. In der Schule ist es stressiger, man hat mehr Druck und sehr oft schreiben Lehrer plötzlich Tests oder man muss Sachen extra abgeben", berichtet die 16-Jährige. "Ich glaube, viele fühlen sich nicht gut vorbereitet."

In wenigen Tagen wird es ernst für die Oberschülerin, die schriftlichen Prüfungen stehen kurz bevor. Doch große Sorgen macht sie sich trotz einiger Lücken nicht: "Diese Prüfungen sind für mich nicht ganz so wichtig, weil ich danach mein Abitur weitermache. Es muss nicht die beste Note werden." Bestehen reicht, denn Juleh Bors Abschlussnoten werden später nicht in die Abiturwertung einfließen. Eine glückliche Fügung für die Schülerin. Sie kann im kommenden Schuljahr neu starten.

Schulbank drücken nach den Prüfungen

Was sie nach ihrer mündlichen Ethik-Prüfung Mitte Juni machen wird, weiß die 16-Jährige bereits: "Ich war ein Jahr lang nicht mehr in meiner Heimat, den Niederlanden. Und das fehlt mir schon ein bisschen. Wir werden definitiv nach den Prüfungen dorthin fahren."

Ein Mund- und Nasentschutz liegt im Unterricht in einem Geographie-Seminar auf einem Weltalas,
Nach den Prüfungen geht es für die Abiturientinnen und Abiturienten zurück in die Schule. Normalerweise haben die Abschlussklassen nach den mündlichen Prüfungen frei. Bildrechte: dpa

Für Joanna Kesicka und Anton Brähler wird die Zeit nach den mündlichen Prüfungen Anfang Juni nicht ganz so entspannt: Für die Abschlussklassen der Gymnasien stehen noch fünf Wochen Unterricht an. "Wir sind der erste Jahrgang, der im Juni zurück zur Schule geht. Das heißt, wir haben ein paar unserer Nebenfächer, die wir nicht als Prüfungen gemacht haben." Das stoße aber nicht bei allen Mitschülern auf Freude, erzählt Anton Brähler: "Die Meinungen sind da sehr gespalten: Meine Freunde und ich sehen das als nicht besonders hilfreich an. Bei mir sind es acht Stunden die Woche. Damit holt man doch nichts mehr raus."

Keine Feste, keine Reisen

Einige Sorgen bleiben allerdings fast allen Abschlussklassen – auch wenn sie den Erwachsenen wie Luxusprobleme vorkommen: In diesem Jahr stehen Abschlussfeste und -reisen erneut auf dem Spiel. Joanna Kesicka meint: "Ich glaube, ein ganz, ganz großer Teil, der gerne in der gesamten Corona- und Schuldebatte vergessen wird, ist der soziale Aspekt." Jugendliche hätten sich über Monate oft nur aufs Lernen konzentrieren und gar nicht mehr mit Freunden Zeit verbringen können. "Ich glaube, viele Schulen und viele Schülerinnen und Schüler richten sich erst mal nach den Verordnungen und schauen: Wird sich da vielleicht noch etwas ändern?", meint die Vorsitzende des Landesschülerrats. Doch aktuell habe sie wenig Hoffnung.

Ein Schulkind aus Bayern hat wegen der Corona-Pandemie einen Corona-Schnelltest gemacht. 109 min
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MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mi 05.05.2021 20:00Uhr 109:17 min

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Juleh Bors hingegen ist sich recht sicher, dass ihre Klasse eine Abschlussfeier organisieren wird: "Unsere Feier wird im Juli sein, kurz vor den Zeugnisausgaben. Das wird einfach in einem Garten von einem Mitschüler stattfinden." Auch um die Abschlussfahrt macht sich die Dresdnerin keine Gedanken mehr: "Wir hatten unsere Abschlussart im September letzten Jahres. Wir waren als Klasse auf einem Schiff in der Ostsee und sind dort für eine Woche herumgefahren. Das war eine sehr, sehr gute Abschlussfahrt."

Hoffnung auf kleine Abschlussfeier

Anton Brähler aus Leipzig hat die Hoffnung - zumindest auf eine kleine Party im Park - noch nicht aufgegeben. "Klar, Abiball und Abifahrt werden nicht stattfinden. Aber wir beobachten, wie es mit Corona weitergeht. Und vielleicht haben wir ja Glück", meint der Abiturient. Wie es danach für ihn weitergeht, weiß der 18-Jährige noch nicht: "Ich hatte die Idee, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Aber das ist natürlich nicht möglich. Ich werde jetzt meinen Führerschein machen und dann einen Job suchen, dann sehen wir weiter. Ich glaube, ich möchte mich erst mal auf den Moment konzentrieren, der Rest kommt von alleine."

Viele Menschen feiern eine Party
Keine wilden Partys, keine Ballroben: Abiball, Abiparty und Abistreich fallen auch in diesem Jahr aus. (Symbolbild) Bildrechte: colourbox.com

Quelle: MDR/kp

1 Kommentar

Aufgedeckt vor 16 Wochen

Mit dem Wissen von heute würde ich das Schuljahr wiederholen.
Letztendlich war doch die Schulzeit eine schöne Zeit.

Natürlich muss da die ganze Klasse zusammenhalten ;-)

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