Corona-Notbremse Fragen und Antworten zum Schul- und Kitabetrieb in Sachsen

Um die Corona-Welle zu brechen, hat der Bund die sogenannte Corona-Notbremse auf den Weg gebracht. Was das für die Kitas und Schulen in den nächsten Woche bedeutet, haben wir hier zusammengefasst.

leere Schaukel auf Spielplatz
In vielen Regionen Sachsens bleiben ab Montag Kitas und Schulen geschlossen. In allen Landkreisen und Kreisfreien Städten, die eine Inzidenz über 165 aufweisen, wird lediglich eine Notbetreuung angeboten. Bildrechte: imago images/Lichtgut

Diese Regeln gelten ab Montag

Ab wann und wie lange gilt die sogenannte Corona-Notbremse der Bundesregierung?

Die Corona-Notbremse ist am 23. April in Kraft getreten, hatte aber auf Schulen und Kitas im Freistaat erst Auswirkungen ab dem 26. April. Die Notbremse gilt bis zum 30. Juni.

Schulschließungen

Ab welcher Inzidenz müssen Schulen schließen?

In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die 7-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge bei 165 oder darüber liegt, darf ab dem übernächsten Tag nur noch eine Notbetreuung angeboten werden. Schülerinnen und Schüler müssen in diesen Regionen wieder zu Hause lernen, nur noch Distanzunterricht ist erlaubt.

Für wen gibt es eine Notbetreuung?

An Grundschulen wird eine Notbetreuung eingerichtet. Sie gilt erneut für Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Laut Kultusministerium behalten bereits vorliegende Formulare zur Anspruchsberechtigung in den Grundschulen ihre Gültigkeit. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass weiterhin die Angaben korrekt sind.


Grafik Inzidenz Kitas und Schulen
Das neue Infektionsschutzgesetz des Bundes regelt die Öffnung von Kitas und Schulen ab bestimmten Corona-Inzidenzwerten. Schulen müssen ab einem Wert von 100 zunächst Wechselunterricht anbieten. Steigt der Wert auf 165 und mehr werden Schulen und Kitas geschlossen, lediglich eine Notbetreuung ist möglich. Bildrechte: MDR/Annika Potthoff

Wechselunterricht

Ab welcher Inzidenz müssen Schulen in Wechselunterricht gehen?

In Regionen, die mindestens drei Tage lang eine 7-Tage-Inzidenz von über 100 aufweisen, gibt es an allen Schulen Wechselunterricht.

Wann dürfen Schulen wieder öffnen und Wechselunterricht anbieten?

Wenn der Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 liegt, dürfen Schulen im entsprechenden Landkreis bzw. der Kreisfreien Stadt in den Wechselunterricht gehen. Davon betroffen sind im Freistaat derzeit die Landkreise Leipzig, Nordsachsen, Vogtlandkreis, Bautzen, Görlitz, Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. (Stand 20. Mai 2021)

Wie ist der Wechselunterricht gestaltet?

Klassen werden aufgeteilt und meist im wöchentlichen Wechsel unterrichtet. Eine Gruppe lernt also zu Hause, während die andere am Präsenzunterricht teilnimmt. In der darauffolgenden Woche wird gewechselt. Laut Kultusministerium kann aber jede Schule selbst entscheiden, wie sie den Wechselunterricht gestalten möchte und kann. Das hänge auch von den unterschiedlichen Bedingungen der Schulen vor Ort ab. An den Grundschulen werde eher das Wochenmodell umgesetzt, an den weiterführenden Schulen werde es hingegen unterschiedlich gehandhabt, hieß es aus dem Ministerium.

Wie werden Kinder in der Woche ohne Präsenzunterricht betreut?

Eine Notbetreuung wird in den Grundschulen angeboten. Sie gilt erneut für Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten.

Ab wann findet wieder regulärer Unterricht statt?

Liegt der Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 100 liegt, dürfen Schulen im entsprechenden Landkreis bzw. der Kreisfreien Stadt wieder vollständigen Präsenzunterricht anbieten. Das gilt derzeit in den Städten Leipzig und Dresden sowie in den Landkreisen Nordsachsen und Vogtland.

Welche Ausnahmen gibt es für die Schulschließungen und das Wechselmodell?

Auf Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen haben die Schulschließungen keine Auswirkungen, sie dürfen weiter am Präsenzunterricht im Wechselmodell teilnehmen. Gleiches gilt für folgende Abschlussklassen und -jahrgänge:

  • Oberschulen,
  • Gymnasien (Jahrgangsstufen 11 und 12),
  • Berufsschulen (einschließlich Abschlussklassen im Berufsgrundbildungsjahr und Berufsvorbereitungsjahr sowie Vorabschlussklassen, deren Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2020/2021 am ersten Teil einer in zwei zeitlich auseinanderfallenden Teilen durchgeführten Abschlussprüfung teilnehmen),
  • Berufsfachschulen (einschließlich Vorabschlussklassen der Berufsfachschule für anerkannte Ausbildungsberufe),
  • Fachschulen,
  • Fachoberoberschulen,
  • Berufliche Gymnasien (Jahrgangsstufen 12 und 13),
  • Abendoberschulen,
  • Abendgymnasien (Jahrgangsstufen 11 und 12),
  • Kollegs (Jahrgangsstufen 11 und 12)
  • Förderschulen, die nach den Lehrplänen für die Oberschule unterrichtet werden,
  • Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen,
  • Studienreferendare im Vorbereitungsdienst an den Lehrerausbildungsstätten.

Warum gibt es spezielle Regeln für Förderschulen?

Die Klassengröße in Förderschulen ist deutlich kleiner als an anderen Schulen. Deshalb ist laut Kultusministerium kein Wechselunterricht und damit auch keine Notbetreuung erforderlich. So könne auch bei einer Inzidenz über 165 grundsätzlich kontinuierlicher Präsenzunterricht angeboten werden.

Für wen besteht Testpflicht?

Schülerinnen und Schüler, Hortkinder und Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher müssen sich für den Besuch der Schule zweimal pro Woche testen lassen.

Es gelten allerdings Ausnahmen: Kinder unter sechs Jahren sind von der Testpflicht ausgeschlossen. Auch wer einen vollständigen Impfschutz nachweisen kann oder als genesen gilt, darf ohne Testung zur Schule.

Die Testpflicht für das Betreten des Außengeländes von Schulen und Horten zum Bringen und Abholen von Kindern ist vom Kabinett gestrichen worden. Eltern brauchen nun kein negatives Testergebnis mehr.

Geimpfte

Als geimpfte Personen gelten Menschen, die aktuell keine Symptome einer Coronavirus-Infektion aufweisen und einen vollständigen Impfschutz nachweisen können. Das heißt, sie besitzen einen auf sie ausgestellten Impfnachweis (Impfpass), der eine vollständige Schutzimpfung gegen das Coronavirus belegt. 14 Tage nach der letzten erforderlichem Impfung gehen Experten von einem vollständigen Impfschutz aus. Bei den Impfstoffen von Biontech, Moderna und Astrazeneca gilt das nach der zweiten Impfung, der Impfstoff von Johnson & Johnson muss nur einmalig gespritzt werden.

Als Nachweis muss die Impfbescheinigung (Impfpass) gemeinsam mit einem amtlichen Ausweispapier im Original vorgelegt werden.

Genesene

Als genesene Person gelten alle Menschen, die aktuell keine Symptome einer Coronavirus-Infektion aufweisen und im Besitz eines Genesenennachweises sind, der für sie ausgestellt wurde.

Der Genesenennachweis bestätigt eine vorherige Infektion mit dem Coronavirus. Wichtig ist, dass die Infektion mittels Laborbefund nachgewiesen wurde - beispielsweise durch einen PCR-Test. Er muss mindestens 28 Tage sowie maximal sechs Monate zurückliegen. Ein positiver Antigenschnelltest oder ein Antikörpertest werden nicht anerkannt.

Der Nachweis kann über folgende Wege erbracht werden:

  • Laborergebnis, 
  • ärztliches Attest über die erfolgte Infektion auf der Grundlage eines PCR-Tests oder
  • Absonderungsbescheid, in dem der PCR-Test als Begründung aufgeführt ist.


Als Nachweis muss die Testbescheinigung gemeinsam mit einem amtlichen Ausweispapier im Original vorgelegt werden.

Genesen und geimpft

Als genesene Person gelten alle Menschen, die aktuell keine Symptome einer Coronavirus-Infektion aufweisen und im Besitz eines Genesenennachweises sind, der für sie ausgestellt wurde. Auch ein auf sie ausgestellter Impfnachweis (Impfpass), der eine vollständige Schutzimpfung gegen das Coronavirus belegt, ist notwendig. Jedoch genügt hier generell eine Impfstoffdosis, um als geimpfte Person zu gelten.

Als Nachweis müssen die Impfbescheinigung und ein Genesenennachweis gemeinsam mit einem amtlichen Ausweispapier im Original vorgelegt werden.

Ein Corona Schnelltest
Im Freistaat gelten inzwischen neue Regelungen, was die Verwendung von Selbsttests angeht. Das Sozialministerium musste handeln, weil die bisherige Praxis von den Bundesregelungen abwich. Bildrechte: imago images/Patrick Scheiber

Wie sollen Bildungslücken ausgeglichen werden?

Kultusminister Piwarz hat angekündigt, im Juli einen Vorschlag für einen reduzierten Lehrplan für die kommenden Schuljahre vorzulegen. Damit soll sichergestellt werden, dass relevanter Schulstoff weiterhin gelehrt wird und Wissen, das aufgrund der häuslichen Lernzeit nicht vermittelt werden konnte, nachgeholt werden kann.


Abiturienten warten 2018 auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
Ein Bild wie aus einer anderen Zeit: So dicht werden die Abiturienten in diesem Jahr während ihrer schriftlichen Prüfungen nicht sitzen. Bildrechte: dpa

Abschlussprüfungen

Wie sehen die Abschlussprüfungen unter Pandemiebedingung aus?

Die Abiturprüfungen sind laut Piwarz nicht in Gefahr. Es gebe strenge Hygienevorgaben und Abstandsgebote für Lehrer und Schüler. Die Prüflinge müssen sich vorab testen und sollen unter Umständen auf mehrere Räume verteilt werden, um den Anforderungen des Infektionsschutzes zu genügen. Während der Prüfungen müsse jedoch keine Maske getragen werden.

"Die Prüfungssituation in diesem Jahr ist ohne Zweifel eine besondere Herausforderung für die Schüler. Wir haben alles dafür getan, dass die Abiturienten einen gleichwertigen Abschluss unter fairen Bedingungen bekommen", so Kultusminister Christian Piwarz.

Welche Erleichterungen gibt es für die Abschlussklassen?

Abschlussklassen erhalten einige Erleichterungen zum Ausgleich pandemiebedingter Nachteile. Dazu zählen:

  • Nicht prüfungsrelevante Themen wurden bereits zu Schuljahresbeginn festgelegt.
  • Die Prüfung muss nicht zum Ersttermin abgelegt werden.
  • Die Zweit- und auch Drittkorrekturen der Abiturprüfungen erfolgen, wie bereits im letzten Jahr, an der jeweiligen Schule.
  • Die Arbeitszeit wird in allen schriftlichen Abitur- und Ergänzungsprüfungen um eine Zusatzzeit von 30 Minuten erhöht.
  • Für den erhöhten organisatorischen Aufwand im experimentellen Teil der Naturwissenschaften können zur Einrichtung der Experimentierplätze bis zu 60 Minuten gewährt werden.
  • Die Abiturienten bereiten sich seit Januar ausschließlich auf ihre Prüfungsfächer vor.

Sind für Abschlussklassen im kommenden Jahr Erleichterungen geplant?

Laut Kultusministerium soll es ähnliche Regelungen wie bei den aktuellen Abschlussjahrgängen geben.


Bobby-Cars, andere Spielautos und Gefährte für Kinder liegen angeschlossen vor einer Kita in Berlin-Wilmersdorf auf einem Stapel.
Wieder drohen wochenlange Schließungen der Kitas. Lediglich Kinder von Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen haben Anspruch auf Notbetreuung. Bildrechte: dpa

Kita und Kindertagespflege

Wann müssen Kitas schließen?

In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die 7-Tage-Inzidenz drei Tage infolge bei 165 oder darüber liegt, darf ab dem übernächsten Tag nur noch eine Notbetreuung angeboten werden.

Für wen gibt es eine Notbetreuung?

Notbetreuung gibt es erneut für Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. Laut Kultusministerium behalten bereits vorliegende Formulare zur Anspruchsberechtigung in den Kitas ihre Gültigkeit. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass weiterhin die Angaben korrekt sind.

Wann dürfen Kitas wieder öffnen?

Wenn der Inzidenzwert an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 liegt, dürfen Kindertageseinrichtungen im eingeschränkten Regelbetrieb im entsprechenden Landkreis bzw. der Kreisfreien Stadt öffnen. In den Kindertagespflegestellen findet dann Regelbetrieb statt.

Wann dürfen Kitas geöffnet bleiben?

Kitas und Kindertagespflege dürfen geöffnet bleiben, wenn die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft unter 165 liegt.

Für wen besteht Testpflicht?

Erzieherinnen und Erzieher müssen sich zweimal pro Woche testen lassen. Es gelten allerdings Ausnahmen: Wer einen vollständigen Impfschutz nachweisen kann oder als genesen gilt, ist von der Testpflicht befreit.

Werden Elternbeiträge erstattet?

Ja. Wer die Notbetreuung nicht in Anspruch nimmt, dem werden die Elternbeiträge erstattet.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 18. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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