Corona-Einschränkungen Schulstart in Sachsen mit schärferen Hygienemaßnahmen und vielen Fragen

Anders als im Frühjahr bleiben im zweiten Corona-Lockdown Schulen und Kitas in Sachsen geöffnet. Nach den Herbstferien hat der Unterricht wieder begonnen. Doch es gibt viele Fragen zu den neuen Regeln, etwa zum Sportunterricht. Das Erzieherpersonal in Horten und Kitas kritisieren, dass sie – anders als Lehrkräfte – nicht regelmäßig auf Corona getestet werden und auch keine FFP2-Masken erhalten. MDR SACHSEN hat bei den zuständigen Ministerien nachgefragt und beantwortet die wichtigsten Fragen.

ARCHIV - 10.08.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Ein Schülerin einer sechsten Klasse wäscht sich vor Beginn des Unterrichts am ersten Schultag nach den Sommerferien an der Max-Planck-Schule in Kiel die Hände.
Die Regeln für eine Mund-Nasenbedeckung in Schulen sind strenger geworden. Bildrechte: dpa

In Sachsen hat nach den Herbstferien der Schulunterricht unter teils verschärften Hygiene-Bedingungen begonnen. So müssen Gymnasiasten der Klassen 11 und 12 sowie Berufsschüler von nun an auch im Unterricht eine Maske tragen, wenn die Abstände in den Klassenräumen nicht eingehalten werden können. Begründet wurde die Maßnahme mit Verweis auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach das Infektionsrisiko bei Erwachsenen steige. Alle Schüler ab Klassenstufe 5 sind zudem verpflichtet, außerhalb der Klassenzimmer eine Maske zu tragen, falls der erforderliche Abstand nicht möglich ist. Lehrerinnen und Lehrer erhalten auf Wunsch eine FFP2-Maske.

Sportunterricht findet statt - mit Abstand und Hygieneregeln

"Grundsätzlich halten wir am Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen fest", hieß es vom Kultusministerium. Das gelte trotz erschwerter Bedingungen auch für den Sportunterricht. Minister Christian Piwarz sagte MDR SACHSEN, Bewegung gehöre zum schulischen Alltag. Allerdings sollte derzeit auf Mannschaftssport verzichtet und stattdessen auf Individualsportarten gesetzt werden. Dabei müsse aber auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet werden, sagte Piwarz. Sporthallen sowie Sanitär- und Umkleideräume sollten regelmäßig gelüftet werden. Der Landesschülerrat Sachsen hatte gefordert, den Schulsport vorerst auszusetzen, um das Risiko von Ansteckungen zu verringern.

Viele Fragen zum Schulstart von Lehrern und Schülern

Ob der Sportunterricht stattfinden kann, war am Wochenende nur eine von vielen Fragen von Lehrkräften, Erzieherpersonal, Schülern und Eltern an das sächsische Kultusministerium. MDR SACHSEN hat nachgehakt und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum werden Erzieherinnen und Erzieher nicht regelmäßig getestet?

Nach Angaben des Sozialministeriums sieht die derzeitige Corona–Testkonzeption vor, dass die regionalen Gesundheitsämter bei mehr als 35 Corona-Fällen pro 100.00 Einwohner innerhalb einer Woche kostenlose Tests für Erzieherinnen und Erzieher anbieten. In Abhängigkeit von der Art des Ausbruchs könnten Tests auch angeordnet werden. Dies werde auf kommunaler Ebene organisiert. Auch bei der Verteilung von FFP2-Masken für Erzieher verweist das Ministerium auf die Zuständigkeit kommunaler Behörden.

Zudem verweist das Ministerium auf wissenschaftliche Studien zur Pandemie und den Auswirkungen auf Kitas und Schulen. Die TU Dresden und die Uni Leipzig hätten festgestellt, dass die Infektionsgefahr in einer Kita sehr gering sei. Auch viele andere Studien aus anderen Ländern hätten bestätigt, dass gerade von kleinen Kindern keine erhöhte Ansteckungsgefahr ausgehe. Meist würden Ansteckungen von außen hereingetragen.

Warum werden die Schulklassen nicht wieder geteilt?

Kultusminister Christian Piwarz sagte MDR SACHSEN, ein Wechselmodell würde dazu führen, dass Schüler über weite Teile wieder zuhause lernen müssten. Für die Schüler bedeute dies deutlich weniger Lernstoff und prüfungsrelevantes Wissen. "Wenn ich mir gerade die Abschlussklassen anschaue, sowohl die Abiturienten als auch die Oberschüler, dann sind wir denen schuldig, möglichst viel Unterricht anbieten zu können," so Piwarz.

Wo und von wem erhalten Lehrkräfte die FFP2-Schutzmasken?

Die FFP2-Masken werden laut Kultusministerium nur an Lehrerinnen und Lehrer in öffentlichen Schulen verteilt. Diese sollten sich an den Schulleiter oder ihre Personalbehörde wenden, wenn sie eine solche Schutzmaske möchten. Lehrkräfte an freien Schulen sind keine Angestellten des Freistaates, deshalb seien die privaten Schulträger zuständig.

Gelten die Regeln für Gymnasiasten der Klassen 11 und 12 sowie Berufsschüler auch für SchülerInnen der Kollegs?

Die Kollegs und Abendgymnasien gehören zur Sekundarstufe zwei und somit müssen auch diese Schüler im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie den Mindestabstand nicht einhalten.

Welche Regelungen gelten für Nachhilfeinstitute?

Außerschulische Nachhilfe darf laut Sozialministerium weiter stattfinden. Dabei sei die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten. Idealerweise sollte die Nachhilfe als Online-Format durchgeführt werden.

Bekommen Lehrkräfte der Ganztags-Angebote im November – ähnlich wie  Gastronomen – eine Unterstützung?

Die Verträge mit externen Personen für Ganztagsangebote an Schulen laufen laut Ministerium weiter und auch die Honorare dafür werden gezahlt. Ihre Arbeit dürfen sie im November nicht fortführen.

Findet der praktische Gesangsunterricht noch statt?

Der Unterricht kann entsprechend der Hygieneregeln stattfinden, Chorsingen ist dagegen nicht erlaubt.

Weitere Fragen und Antworten zur neuen Corona-Verordnung sind auf den Seiten des Kultusministeriums und des Sozialministeriums zu finden:

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.11.2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Chemieschwein. vor 23 Wochen

Wenn Kinder eine Maske tragen müssen finde ich das traurig und verantwortungslos. Sind sie wirklich DIE Infektionsquellen? Hat hier unser Gesundheitsministerium nicht versagt? Es gibt so viele einfachere und bessere Möglichkeiten sich zu schützen. Aber laßt bitte die Kinder außen vor.

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