Reaktionen Schulöffnungen nach Ostern: Mehr Tests, weniger Notbremse

Nach den Osterferien sollen Schulen in Sachsen inzidenzunabhängig öffnen dürfen. Das heißt, weg vom Inzidenzwert hin zu mehr Tests - das ist die Strategie. Ob das der richtige Weg ist, darüber sind sich die verschiedenen Interessenvertretungen von Schülern und Lehrern uneins.

Ein Schulkind aus Bayern hat wegen der Corona-Pandemie einen Corona-Schnelltest gemacht.
Corona-Schnelltests sollen nach Ostern für einen dauerhaften und sicheren Schulbetrieb in Sachsen sorgen - unabhängig von der Inzidenz. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/MiS

Nach Ostern sollen die Schulen und Kitas in Sachsen auch in Regionen öffnen dürfen, in denen die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft über 100 liegt. Das haben Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sozialministerin Petra Köpping am Dienstag angekündigt. Demnach solle es aber eine erweiterte Corona-Testpflicht geben - auch für Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler an Grundschulen. Zwei wöchentliche Tests sollen zur Pflicht werden. Auch über Tests in Kitas will die Regierung in den kommenden Wochen sprechen.

GEW lobt mehr Tests und fordert weiter Notbremse für Landkreise

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen bezeichnete die geplante Ausweitung der Testpflicht als wichtigen Schritt. Die Vorsitzende der GEW Sachsen Uschi Kruse teilte mit: "Die Tests sind ein notwendiger Baustein für mehr Gesundheitsschutz, aber sie allein lösen die Probleme nicht. Sichere Kitas und Schulen wird es nur geben, wenn alle Beteiligten sich ihrer Verantwortung bewusst sind."

Kruse forderte, die Corona-Schutzimpfung auch für Lehrkräfte an weiterführenden Schulen schnellstens zu ermöglichen. Außerdem müsse nach Ansicht der GEW Sachsen in Grundschulen Wechselunterricht stattfinden und in Kitas der Betreuungsumfang auf ein verantwortbares Maß heruntergefahren werden.

Die Politik scheint es aufzugeben, die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Kitas und Schulen künftig um jeden Preis geöffnet sein sollen.

Uschi Kruse Vorsitzende der GEW Sachsen

Nur mit einem höheren Infektionsschutz und moderaten Inzidenzzahlen sei eine Öffnung von Kitas und Schulen verantwortbar und durchzuhalten, ergänzte Kruse. "Deshalb muss für die Landkreise weiter eine feste Notbremse gelten."

Landesschülerrat gegen starre Notbremse

Porträt von Joanna Kesicka aus dem Jahr 2019
Joanna Kesicka, Vorsitzende des Landesschülerrats Sachsen Bildrechte: LandesSchülerRat Sachsen

Ganz anders sieht das der Landesschülerrat Sachsen (LSR). Er fordert zwar auch eine Schul-Notbremse in der Corona-Schutzverordnung - allerdings solle diese flexibler gestaltet werden und sich nicht nur nach Inzidenzwerten richten. Die Staatsregierung müsse einen langfristigen Plan zur Schulöffnung vorlegen.

LSR-Vorsitzende Joanna Kesicka zeigte sich unzufrieden mit den aktuellen Entwicklungen. Viele Schülerinnen und Schüler seien frustriert über das "Hin und Her einzelner Landkreise, die unverständliche Schul-Notbremse der Sächsischen Corona-Schutzverordnung, den Fehlstart der Teststrategie und das Gefühl von genereller Planlosigkeit." Schüler hätten mit Lerndruck, Notenflut und noch immer mangelhaftem Online-Lernen zu kämpfen.

Außerdem forderte der Landesschülerrat, Schulen und Kitas in zukünftigen Verordnungen zu entkoppeln. "Darüber hinaus muss die Kultusverwaltung ihre Maßnahmen kommunizieren. Es verfestigt sich zunehmend der Eindruck, dass selbst Schulleiter unter Schulleiterschreiben und Blog-Einträgen den Überblick verlieren. Eine öffentliche Informationsquelle, die für jede einzelne Schulart die aktuellen Maßnahmen auflistet und entsprechend aktualisiert wird, wäre hilfreich für alle Beteiligten", heißt es abschließend.

Lehrerverband fordert konsequente Teststrategie

Auch der Sächsische Lehrerverband (SLV) begrüßt die Testungen an Schulen und lobt die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Bautzen zur Testpflicht an Schulen. SLV-Landesvorsitzender Jens Weichelt teilte mit, er erwarte nun, dass die Testpflicht auf alle Schüler und alle Schularten ausgeweitet wird. Die Testpflicht müsse konsequent umgesetzt werden. Er mahnte: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum jemand Geld für einen Selbsttest ausgeben sollte, wenn es diesen in der Schule kostenlos gibt. Die Testpflicht darf nicht durch Selbstbestätigungen der Eltern oder volljährigen Schüler über ein negatives Coronatest-Ergebnis aufgeweicht werden."

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.03.2021 07:00 in den Nachrichten

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