Gegen Lerndefizite Lücken finden und füllen: Sachsen passt Lehrpläne an

Das Kultusministerium in Sachsen will coronabedingte Lerndefizite ausgleichen und unter anderem mehr Freiräume in den Lehrplänen schaffen. Um die Lücken zu schließen, soll es einen "Dreiklang an Maßnahmen" geben. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) lehnte gleichzeitig den Kompromiss von Union und SPD im Bundestag ab, den Grenzwert für Schulschließungen auf eine Inzidenz von 165 absenken zu wollen.

aufgeklapptes Schulmappe mit Stundenplan
Sachsens Kultusministerium setzt den Rotstift bei den Lehrplänen an. Bis Juli 2021 sollen die angepassten Vorgaben vorliegen. Bildrechte: dpa

Sachsens Kultusministerium hat einen Plan vorgelegt, mit dem Lernlücken bei Schülerinnen und Schülern verringert werden sollen. Der Plan beinhaltet drei Maßnahmen: Lerndefizite feststellen, danach Schwerpunkte setzen und Freiräume in Lehrplänen schaffen. Denn Schulschließungen und Quarantäne-Auszeiten hätten Folgen für Kinder und Jugendliche. "Kein noch so guter Distanzunterricht kann Präsenzunterricht ersetzen", sagte Minister Christian Piwarz.

Schulschließungen belasten die Schülerinnen und Schüler nicht nur psychisch, sondern haben auch zu Wissens- und Kompetenzdefiziten geführt. Dafür sind die Schüler jedoch nicht verantwortlich. Aber sie sind Leidtragende der Pandemie.

Christian Piwarz Sächsischer Kultusminister

Gleichzeitig lehnte er den Kompromiss von Union und SPD im Bundestag ab, den Grenzwert für Schulschließungen von einer Inzidenz von 200 auf 165 abzusenken. "Es entsetzt, dass das Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe keine Gültigkeit mehr haben soll", sagte Piwarz der "Welt". Wenn die 165er-Inzidenz der Maßstab werde, drohten Schulschließungen bis zum Sommer. "Ein so fatales Signal an Kinder und Eltern können die Abgeordneten nicht ernsthaft senden wollen", sagte Piwarz.

Wissenlücken prüfen und Unterricht anpassen

Das Kultusministerium habe den Plan mit Schulleitungen, Lehrerverbänden, dem Landeselternrat und dem Landesschülerrat diskutiert. Das ist vorgesehen:

  • Auch im nächsten Schuljahr sollen Wissens- und Kompetenzlücken mit Hilfe von Tests ermittelt werden, um die Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler festzustellen. Danach soll sich der Unterricht ausrichten.
  • Im Juli soll es zu den Lernstanserhebungen Vorgaben und Vorschläge geben.
  • Wie und wann die im Unterricht eingesetzt werden, sollen die Lehrkräfte selbst entscheiden.
  • Augenmerk sei dabei auf die Schüler zu legen, bei denen Bildungsempfehlungen und Übergänge zu anderen Schularten anstehen.
  • Nicht vermittelte Lernbereiche können in reduzierter Form im nächsten Schuljahr nachgeholt werden. Die Vorschläge zur Lehrplananpassung sollen ebenfalls im Juli vorliegen.

Quelle: Sächsisches Kultusministerium

Ein Schüler schaut auf seinen Stundenplan und hat vor sich seine Schulmappe und einen Mundschutz liegen.
Bildrechte: dpa

Mehr Luft im Lehrplan: Streichen und anders gewichten

Um wegen der Corona-Unterbrechungen Stoff von 2020 und 2021 nachholen zu können, brauchen Lehrkräfte mehr Flexibilität, so das Kultusministerium. "Deshalb werden die Lehrpläne angepasst und bestimmte Inhalte gestrichen oder anders gewichtet. Anpassungen werden für alle Fächer, alle Klassenstufen und Schularten vorgenommen".

Allerdings solle kein Fach komplett wegfallen. An weiterführenden Schulen soll es keine Schwerpunkte geben, sich nur auf bestimmte Unterrichtsfächer zu konzentrieren.

Gewerkschaft verlangt mehr Personal

Die GEW Sachsen hat den "Plan zur Bewältigung von Lerndefiziten" des Kultusministeriums begrüßt. Die geplanten Schritte seien zwar richtig, "sie greifen aber zu kurz", urteilte Landeschefin Uschi Kruse.

Die Pandemiefolgen an den Bildungseinrichtungen könnten aber nicht bewältigt werden, ohne "auch deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen". Neben inhaltlichen Unterstützungsprogrammen brauche es bessere digitale Ausstattung und aus Sicht der GEW "mehr Personalstellen für Lehrerinnen und Lehrer, Assistenzkräfte, Schulpsychologie und Schulsozialarbeit".

Die personelle Ausstattung der Schulen war wegen fehlender Lehrkräfte schon vor der Pandemie nicht geeignet, Kinder und Jugendliche angemessen zu fördern. Nun kommt die Lösung der entstandenen Probleme noch oben drauf, ohne dass die Klassen kleiner werden oder dass Klassen- und Schulleitungen ausreichend Zeit für Beratungen eingeräumt wird.

Uschi Kruse GEW-Vorsitzende Sachsen

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 19. April 2021 | 19:00 Uhr

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