Corona-Lockdown "Häusliche Lernzeit" in Sachsen mit Panne begonnen

Kitas und Schulen in Sachsen sind seit Montag bis einschließlich 8. Januar 2021 zu. Für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen wird eine Notbetreuung angeboten - anders als im Frühjahr müssen das aber beide Eltern nachweisen. Bis zu den Weihnachtsferien sowie in der ersten Januarwoche ist "häusliche Lernzeit" angesagt. Doch gleich zum Start legte ein Hackerangriff die digitale Plattform "Lernsax" lahm.

Ein Junge arbeitet an seinen Aufgaben und hat einen Laptop aufgeklappt.
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In ganz Sachsen hat am Montag die "häusliche Lernzeit" mit Problemen begonnen. Lehrer und Schüler, die auf die digitale Plattform Lernsax zugreifen wollten, konnten dies nicht oder nur eingeschränkt tun. Laut Kultusministerium steckt ein Hackerangriff auf eine andere Plattform mit derselben Basistechnologie dahinter. Diese Plattform werde zudem im selben Rechenzentrum betrieben, sagte Sprecherin Susann Meerheim MDR SACHSEN. Indirekt sei damit auch die Leistungsfähigkeit von Lernsax in Mitleidenschaft gezogen worden. Man arbeite mit Hochdruck daran, das System wieder reibungslos zum Laufen zu bringen.

Die Server von Lernsax hätten sich als ausreichend erwiesen, die Kapazitätsgrenze sei am Vormittag nicht erreicht worden, so Meerheim. Dennoch werde die Serverkapazität weiter ausgebaut. Außerdem kündigte das Ministerium an, das Sicherheitskonzept zu optimieren.

Kultusminister wirbt für digitale Online-Angebote

Lernsax ist in Sachsen seit dem Frühjahr für die meisten Schulen die wichtigste Plattform, um den Lernstoff zu vermitteln. Daneben gibt es weitere Dienste wie Opal Schule und Moodle sowie den Videokonferenzdienst BigBlueButton. Kultusminister Christian Piwarz warb dafür, während der häuslichen Lernzeit die Online-Angebote des Freistaates zu nutzen.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz
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Wir haben die Zeit seit dem ersten Lockdown genutzt und sind mit unseren digitalen Diensten deutlich besser aufgestellt als im Frühjahr.

Christian Piwarz Kultusminister in Sachsen

Laut Ministerium wurde auch das Datenvolumen bei Lernsax schon einmal deutlich erhöht. Im März habe es noch bei 3,1 Terrabyte gelegen, im Mai bereits bei 13,1 Terrabyte mit steigender Tendenz. Lernsax war erst in der vergangenen Woche Ziel eines Hackerangriffs gewesen. Auch während des Lockdowns im Frühjahr gab es eine Störung.

Technische Ressourcen und Personal fehlen

Auch die Dresdner Lehrerin Jana Sander nutzt Lernsax für ihre Arbeit. Doch sie klagt darüber, dass die Plattform regelmäßig überlastet sei, vor allem zu Zeiten, in denen normalerweise Unterricht stattfindet. Aufgaben für die Schüler lade sie deshalb schon am Abend vorher hoch, digitale Klausuren setze sie am späteren Nachmittag an. Ihre Schule, das Landesgymnasium für Musik Carl Maria von Weber, sei gut mit interaktiven Tafeln, Laptops, Notebooks oder Tablets ausgestattet worden. Doch wichtig dafür sei auch eine "nachhaltige personelle Ressource", so Sander - sprich, jemand der sich damit auskennt.

Doch für die technische Unterstützung werden laut Sander einem Lehrer an der Schule vier Stunden pro Woche angerechnet. Das sei ein Witz. "Irgendwas funktioniert immer nicht", sagte die Lehrerin. Sie fordert deshalb mehr Personal für die technische Ausrüstung und für schulinterne Fortbildungen.

250 Millionen Euro für digitale Infrastruktur an Schulen bewilligt

Beim Kultusministerium sind Probleme mit der digitalen Infrastruktur bekannt, sagte Pressesprecher Dirk Reelfs MDR SACHSEN. Inzwischen seien 28 Millionen Euro aus dem Digitalpakt zwei des Bundes für Laptops oder Notebooks bewilligt worden. Doch nicht alle Schulen seien bisher in der Lage gewesen, Geräte zu bestellen oder sie einzusetzen. Da seien dem Ministerium aber die Hände gebunden. Dies gelte auch für den teils nicht ausreichenden Breitbandausbau auf dem Land.

Insgesamt stehen für Schulen in Sachsen im Digitalpakt rund 250 Millionen Euro zur Verfügung, vorrangig für die digitale Infrastruktur in Schulen wie etwa die Verkabelung, den Schulserver oder WLAN-Netzwerke. Aber auch digitale Arbeitsgeräte für Lehrer und Schüler können damit angeschafft werden.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL - Das Sachsenradio | 14.12.2020 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

marcu vor 40 Wochen

Hackerangriff... lächerlich! Morgens zwischen 8 und 9 greifen viele der über 400.000 Schülerinnen und Schüler auf Lernsax zu - und deshalb geht das Ding in die Knie. Nicht wegen Chinesen oder der Mafia oder irgendwelchen anderen bösen Computerbuben.
Was wurde eigentlich im letzten halben Jahr durchs SMK unternommen (nicht nur für Lernsax), um die Schulen für die zweite Pandemiewelle fit zu machen? Nach langem Nachdenken hatte man in der Industrienation Deutschland die Lösung gefunden: Klassenräume lüften! Dazu noch die Schulen trotz explodierender Zahlen im Vollbetrieb laufen lassen, bis man die Entwicklung wirklich nicht mehr verharmlosen konnte und nur noch die vollständige Schließung übrigblieb. Ein Unterricht mit halben Klassen ab den Herbstferien hätte - trotz halber Stundenzahl für jeden Schüler - auf Grund der besseren Lernatmosphäre in den halbe Klassen mehr gebracht als dieses "Vollgas bis kurz vor die Wand".

dsommer vor 40 Wochen

Es ist eine bodenlose Frechheit, dass Herr Piwarz versucht, sein Versagen irgendwelchen "Hackern" unterzuschieben. Vermutlich waren russische Hacker, die sich nach der US-Wahl langweilen ;-))) Oder doch eher sächsische Grundschüler, die mehr in Sachen Digitalisierung drauf haben als die Bildungsagentur und das Kultusministerium zusammen? Jetzt wird auch klar, warum man sich so lange gegen Schulschließungen gewehrt hat - nicht etwa wie immer behauptet wegen der Betreuungssituation!

Armin C. vor 40 Wochen

"Wie Kultusminister Christian Piwarz MDR SACHSEN sagte, stecken hinter den Hackerangriffen offenbar kriminelle Banden, die damit Geld erpressen wollen. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ermittle bereits zu dem Fall in der vergangenen Woche."
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Gut so, Kultusministerium, lasst euch nicht erpressen! Oder wurde vorige Woche schon mal gezahlt, nur zuwenig? Wäre das wirklich so problematisch, mit unseren Steuergeldern???

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