Vor dem Lockdown Schulen in Sachsen stellen sich auf Heimunterricht ein

Ab Montag sind die Schulen in Sachsen geschlossen. Viele Schüler sind bereits jetzt zu Hause. Während viele Eltern von der Schließung ab 14. Dezember nicht sonderlich begeistert sind, scheint an den meisten Schulen Zustimmung zu herrschen.

"Schließung zur richtigen Zeit"

Für Heike Palluch, Schulleiterin am Kantgymnasium ist die Schließung der Schulen ein Schritt zur richtigen Zeit. "Wir sind unheimlich froh und sehr dankbar, dass es so ist. An unserer Schule ploppen schon seit Montag die positiven Infektionen auf. Wir merken schon, dass die Sorge groß ist und die Verunsicherung auch."

Heike Palluch, Schulleiterin am Kantgymnasium
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich denke, es ist gut, wenn wir jetzt alle geordnet ins Homeschooling gehen und wir dann mit stabilen Plänen auch in der nächsten Woche arbeiten können.

Heike Palluch Schulleiterin Kantgymnasium

Nicht alle Schulen vorbereitet

Für Kinder und ihre Eltern beginnt nun wieder die Phase des digitalen Lernens. Am Kantgymnasium wurden Schüler und Lehrer mit Hilfe eines IT-Spezialisten gut vorbereitet. Allerdings hat nicht jede Schule dieses Glück. Weitgehende Versprechungen oder Agieren auf kurze Sicht seien nicht der richtige Weg, so Uschi Kruse von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Meines Erachtens hätte man alternative Wege und Maßnahmen viel eher ergreifen müssen. Dann wäre es vielleicht nicht nötig gewesen, jetzt so harte Schritte ergreifen zu müssen."

Man hätte in den Grundschulen viel eher zu geschlossenen Klassen übergehen und in den weiterführenden Schulen Wechselmodelle in Erwägung ziehen müssen und nicht so spät und zögerlich.

Uschi Kruse Landesvorsitzende GEW Sachsen

Geringe Infektionsgefahr bei Kindern

Viele Eltern fragen sich, warum Kitas und Grundschulen schließen müssen, wenn doch angeblich laut Studie von den Kleinen keine Infektionsgefahr ausgeht. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz bestätigt das. "Die Wissenschaftler haben uns immer ganz klar gesagt, dass Schulen nicht die Treiber der Pandemie sind und das bestätigen jetzt auch die Zahlen, die wir im Betrieb haben. Aber die Schulen sind eben nicht davor gefeit, die Infektionslage, die sehr hoch ist, durch Infektionen von Außen abzubilden. Das ist ein Problem."

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die grundsätzliche Entscheidung, die wir treffen ist, wir wollen für die nächsten vier Wochen so wenig Kontakte wie möglich. Dabei sollen auch die Schulen ihren Beitrag leisten. Dass Kinder und Eltern nicht unterwegs sind, um zur Schule zu fahren. Denn unser klares Ziel ist, nach dem 11. Januar auch wieder im Präsenzunterricht öffnen zu können.

Christian Piwarz Kultusminister Sachsen

Schüler wollen Klarheit

Das sei auch das Ziel der Schüler, sagt Johanna Kesicka vom Landesschülerrat Sachsen: "Was sich die Schüler wünschen, ist erstens eine klare Kommunikation. Dass wir auch Bescheid wissen." Viele Schüler hätten Sorgen, wie sie jetzt noch ihre Noten sammeln können, wie es im ersten Halbjahr aussieht und wann sie ihre Zeugnisse bekommen. "Deshalb ist Kommunikation ganz wichtig. Und dass wir auch rechtzeitig zurückkehren können, in die Schulen." Wenn es auch nur in einem Wechselmodellunterricht wäre.

"Defizite in der technischen Infrastruktur"

Nadine Eichhorn vom Landeselternrat weiß um die Sorgen der Eltern: "Es ist einerseits eine Erleichterung, dass man nicht mehr unbedingt diese Gefahr hat, die derzeit in den Schulen besteht. Andererseits stellt sich besonders für Eltern von kleineren Kindern erneut die Frage, wie betreue ich mein Kind ab Montag?"

Nadine Eichhorn, Landeselternrat Sachsen
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Sachsen ist nicht gerüstet für das Homeschooling. Es gibt viele Lehrer, die fuchsen sich rein in LernSax. Aber es hat sich an anderen Stellen sehr wenig bis nichts getan. Das geht los beim Breitbandausbau auf dem platten Land, wo ich einfach keine Chance habe, selbst wenn ich meine Aufgaben in LernSax machen möchte. Das geht weiter mit der technischen Ausstattung der Schüler. Wer im Frühjahr keinen Laptop hatte und keine Eltern, die sich das leisten konnten, der hat auch weiterhin keinen Laptop. Hier sehen wir massive Probleme. So ist kein Onlineunterricht möglich.

Nadine Eichhorn Landeselternrat Sachsen

Ein Problem sei auch der Flickenteppich an Zuständigkeiten. "Eine Hotline vom Kultusministerium wird nicht beantworten können, woher ich das Geld für den nächsten Monat bekomme." Es fehle eine zentrale Anlaufstelle für Eltern, so Eichhorn.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.12.2020 | 19 Uhr

10 Kommentare

Anita L. vor 44 Wochen

"Schließlich darf man schon zweifeln, ob der Verzicht auf nächtlichen Ausgang oder das fleißige Tragen von Masken auf leeren Straßen oder der Verzicht auf Einkauf und Kaffeetrinken die Infektionsgefahr in den Alten- und Pflegeheimen reduziert."
"Man" darf. Wenn "man" tatsächlich glaubt, dass es dem Infektionsgeschehen in Alten- und Pflegeheimen zu Gute kommt, wenn das Pflegepersonal sich auf abendlichen Glühweinbummeln, beim gemütlichen Kaffekränzchen mit der Großfamilie oder im vollgestopften Einkaufszentrem einer erhöhten Ansteckungsefahr aussetzt, um das Virus dann auf Arbeit zu bringen. Mal davon abgesehen, dass dieser "man" immer noch davon auszugehen scheint, dass sich Corona allein oder hauptsächlich in Alten- und Pflegeheimen abspiele. Von einer Millionen Infizierten deutschlandweit sind laut Statista ca. 870.000 Betroffene im Alter von 15 bis 59 Jahren. Den größten Anteil in der Intensivbetreuung liegt laut Christian Karagiannidis von der DGIIN bei den 50-60-Jährigen.

Ritter Runkel vor 44 Wochen

Wurde schon tausend Mal diskutiert: Der Anstieg der Infektionszahlen ist um den 4.11. Herum gestoppt worden, lange bevor der Wirkeintritt der Teillockdown-Maßnahmen von 2.11. war. Wenn wir die üblichen 2 Wochen Verzögerung zugrunde legen, stellen wir fest, dass am 16.11. Kaum ein Unterschied zur Vorwoche festzustellen war. Lockdownfans argumentieren leider an den Fakten und der Wissenschaft zu häufig vorbei und werfen lustigerweise genau jenes ihren Kritikern vor.

Ritter Runkel vor 44 Wochen

Was macht man eigentlich, wenn der "harte" Lockdown auch nicht wirkt? Schließlich darf man schon zweifeln, ob der Verzicht auf nächtlichen Ausgang oder das fleißige Tragen von Masken auf leeren Straßen oder der Verzicht auf Einkauf und Kaffeetrinken die Infektionsgefahr in den Alten- und Pflegeheimen reduziert.

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