Reaktionen 40 Prozent der Dehoga-Mitglieder lehnen 2G-Modell ab

Sachsen setzt in der Corona-Pandemie künftig verstärkt auf das 2G-System als Option. Angedacht ist das Modell zum Beispiel für die Innengastronomie, für Veranstaltungen in Innenräumen, Events bis zu 5.000 Personen, aber auch für Hallenbäder und Saunen sowie Diskotheken und Clubs. 2G heißt: Betreiber oder Organisatoren können frei wählen, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene reinlassen. Ein Test reicht dann nicht mehr aus. Dafür haben Gäste und Betreiber mehr Freiräume.

Vor einer Bar in Hamburg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2G-Regel hinweist.
In der neuen sächsischen Corona-Schutzverordnung wird die 2G-Regel als Option eingeführt. Die Meinungen der betroffenen Branchen dazu gehen weit auseinander. Bildrechte: dpa

Die Einführung der 2G-Regel als Option in Sachsen sorgt in den betroffenen Branchen für Diskussionen. Wo die Regel angewendet wird, fallen Beschränkungen weg – zum Beispiel die Maskenpflicht oder das Abstandsgebot. Andererseits aber muss eine Einlasskontrolle erfolgen. Das heißt: zusätzliches Personal und zusätzliche Kosten für die Branchen, die ohnehin in den vergangenen Monaten stark gebeutelt wurden, weil Gäste oder Kundschaft weggeblieben sind.

Bei den sächsischen Gastwirten stoßen die Pläne auf gemischte Reaktionen. "Es wird sehr unterschiedlich diskutiert", sagt der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Axel Klein, der Deutschen Presse-Agentur. Für Diskotheken, Tagungen oder Messeveranstalter etwa hält er das Optionsmodell durchaus für umsetzbar.

Bei etwa 40 Prozent der Dehoga-Mitglieder stoße das Modell auf Ablehnung, die anderen zögen es in Erwägung, so Klein. Eine Befürchtung hat er allerdings: Wenn sich der Gastronom dafür entscheide, nur noch Geimpfte und Genesene einzulassen, müsse er mit Kritik der Besucher rechnen.

Jetzt haben wir den Schwarzen Peter.

Axel Klein Hauptgeschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga)

Das Personal ist laut Klein in der Pandemie ohnehin vielerorts knapp. Müsse nun zusätzlich jemand für die Kontrollen abgestellt werden, sei das zusätzlicher Aufwand. "Alles, was wir mehr machen müssen, tut weh", sagt er.

2G-Regel in Tanzschulen nicht wirtschaftlich

2G, sagt Mirko Dreischarf von der Tanzschule Emmerling in Chemnitz, ist allein schon wirtschaftlich gesehen für ihn keine Option. "Wir haben die Situation, dass in Deutschland laut einer Umfrage die Tanzschulen teilweise etwa 35 bis 40 Prozent ihrer Kunden verloren haben", sagt er. "Und wenn man von den verbleibenden 60 bis 65 Prozent jetzt nochmal die Ungeimpften abzieht, hat man in den Tanzschulen eine Auslastung, die weitab jeglicher Wirtschaftlichkeit liegt." Insofern sei eine 2G-Regelung völlig abwegig.

Club Gisela in Dresden nutzt 2G-Modell
Der Club "Gisela" in Dresden nutzt schon seit Ende August das 2G-Modell, um seinen Gästen das Feiern ohne Maske zu ermöglichen. Bildrechte: xcitepress

Dresdner Club schon seit Ende August mit 2G-Regel

Im Club "Gisela" in Dresden setzt Betreiber Andy Pönicke bereits seit Ende August auf die 2G-Regel. Für ihn ist es die einzige Variante, wie man in Clubs feiern kann. "Mit Maske geht das einfach nicht", sagt er. Angenommen wird das Angebot nicht so gut, wie er erwartet hat. "Aber es ist ok", so Pönicke. Vor allem am Donnerstag, wo sich das Angebot an ein studentisches Publikum richtet, laufe es sehr gut. Am Freitag und Sonnabend dagegen sei es schwierig.

Den Grund sieht Pönicke bei den Mitbewerbern. "Es gibt einige, die die 3G-Regel nutzen, aber trotzdem die Maskenpflicht aussetzen", erzählt er. "Das ist für uns natürlich ein großer Nachteil." Kontrolliert werde das in Dresden nicht. Außerdem müsse er seit der Einführung der 2G-Regel mit Anfeindungen leben. "'Spalter' und 'Volksverräter' sind dabei noch die netten Formulierungen", so Pönicke.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 21. September 2021 | 16:30 Uhr

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