Schutz vor Corona Ungeprüfte Ware aus China: Daran erkennen Sie sichere Masken

Risikogruppen sollen in Apotheken kostenfrei sichere FFP2-Masken erhalten können. Jetzt wird allerdings klar: Es sind verschiedene Masken im Umlauf. Vor allem am Beginn der Pandemie kamen viele Masken aus China, die jetzt wieder auftauchen. Viele von ihnen sind nicht sicher und durch die Prüfverfahren gefallen. Doch wie erkennen Verbraucher sichere Masken, die wirklich vor Corona schützen? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Passanten stehen vor einer Apotheke und warten auf die Ausgabe von FFP2-Masken
Die Nachfrage nach sicheren Masken ist groß. Als die Maskenausgabe an Risikogruppen in Apotheken startete, warteten viele Passanten in Schlangen. Die Dekra kritisiert Apotheker und Apothekerinnen jetzt für ihre "Nachlässigkeit", manche hätten scheinbar nicht darauf geachtet, welche Masken "jetzt verkehrsfähig und sicher sind". Bildrechte: dpa

Wieso gibt es jetzt Unklarheiten bei der Sicherheit von Masken?

Wegen der Maskenknappheit zu Beginn der Pandemie wurden viele Masken in einem Schnelltestverfahren (CPA-Corona-Pandemie-Atemschutzmasken) zugelassen. Viele von ihnen sind jetzt wieder aufgetaucht. "Etwa 90 Prozent dieser Masken stammten aus China", erklärt Jörg-Timm Kilisch, Dekra-Geschäftsführer auf Anfrage von MDR SACHSEN. Diese seien meist an der Kennzeichnung "KN95“ erkennbar. "Das heißt aber nicht, dass diese Masken nicht geprüft worden sind", sagt Kilisch. Die Dekra habe sich vorab Muster aus verschiedenen Chargen zusenden lassen und in ihrem unabhängigen Institut prüfen lassen. Allerdings: "Bei diesen Masken haben wir 80 Prozent Durchfallquote gehabt."

Wie viele Masken ohne CE-Kennzeichen sind derzeit im Umlauf?

Die Dekra schätzt, dass etwa acht Milliarden Atemschutzmasken ohne CE-Kennzeichen im Rahmen der Pandemie von März bis September nach Deutschland importiert worden sind. Solche Masken müssten jedoch nicht grundsätzlich schlechter sein, manche hätten die Tests auch bestanden, erklärt Kielisch. "Die Prüfbescheinigung und die Marktfreigabe muss beiliegen", rät der Dekra-Chef. "Ist dies nicht der Fall, verzichten Sie!".

Können ungeprüfte Masken im Umlauf sein?

Kilisch schließt nicht aus, dass durchgefallene Masken trotz negativen Prüfberichts auf den Markt gelandet sind. "Durchgefallene Masken können trotzdem auf dem Markt gesickert sein. Wir haben als Prüfer alles getan, was wir tun konnten", sagt Kilisch. Es sei auch von vielen Behörden Chargen an durchgefallenen Masken an Flughäfen herausgezogen worden. Doch nicht alle Lieferwege seien auf einem freien Wirtschaftsmarkt kontrollierbar.

Gibt es Masken ohne CE-Kennung auch in Sachsen?

Sozialministerin Petra Köpping hat in einer Pressekonferenz am Montag bestätigt, dass Masken ohne CE-Kennung im Umlauf seien. Wegen dieses fehlenden Prüfzeichens empfiehlt sie die Ausgabe in Apotheken nur mit Belehrung. Laut Köpping können diese Masken dennoch getestet sein. Dies deckt sich mit den obigen Angaben der Dekra. Die Ärztekammer rät: "Bei den nicht mit dem CE-Kennzeichen versehenen Masken handelt es sich in aller Regel um ungeprüftes Material. Es sollte wo auch immer möglich CE geprüftes Material verwendet werden", erklärt Präsident Erik Bodendieck MDR SACHSEN.

FFP2-Schutzmaske und Alltagsmaske auf einem Tisch
Sichere Masken sollten immer originalverpackt sein und eine Prüfbescheinigung enthalten. "Alles andere ist nicht zu empfehlen", erklärte Dekra-Chef Jörg-Timm Kilisch. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Welche Masken sind heute zugelassen?

Die CPA-Masken auf Basis von Schnelltests werden seit Anfang Oktober nicht mehr zugelassen. Das Schnelltestverfahren sollte Anfang der Pandemie helfen, den Versorgungsengpass zu überbrücken. "Jetzt werden nur noch FFP-Masken nach dem herkömmlichen, zertifizierten Verfahren zugelassen", erklärt Kilisch. Kurzum: Heute kommen nur noch geprüfte FFP-Masken auf den Markt. Von der ersten Zeit der Pandemie können jedoch auch noch andere CPA-Masken kursieren, diese können sicher sein, waren es bei den Tests aber in der Mehrheit nicht.

FFP2-Masken in Fertigung
FFP2- und FFP3-Masken ohne Ventil sind gut für den Eigen- und Fremdschutz, hieß es von der Ärztekammer. Bei Masken mit Ventil falle der Fremdschutz weg. Bildrechte: imago images/Reichwein

Welche Masken sind garantiert sicher?

Sicher sind alle zertifizierten FFP2- und FFP3-Masken. Sie sind an der CE-Kennzeichnung mit der vierstelligen Nummer des überwachenden Prüfinstituts erkennbar. Bei der Dekra ist dies beispielsweise CE 0158, bei der IFA CE 0121. In Deutschland gibt es laut Dekra und Sozialministerium Sachsen nur diese zwei unabhängigen Prüfinstitute, in der EU sind es insgesamt 40. Allein in Deutschland geprüfte Masken sollten also immer die Kennung CE 0158 oder CE 0121 enthalten.

Sind auch Masken mit anderen Prüfnummern als 0158 und 0121 erlaubt?

Das sächsische Sozialministerium erklärt: "Hierzulande sind auch Masken mit anderen in der NANDO-Datenbank ausgewiesenen Prüfnummern zulässig, auch bei den FFP2-Masken gilt der freie Warenverkehr des Europäischen Binnenmarkts." Kurzum: Die Masken können auch andere Prüfnummern hinter der CE-Kennung haben, sind dann aber nicht in Deutschland zertifiziert worden. Wer sich nicht sicher ist, ob auf der vorliegenden Maske die korrekte Nummer einer Prüfstelle angebracht ist, kann die Nummer in der sogenannten NANDO-Datenbank auf der Website der EU-Kommission überprüfen und erfahren, in welchem Land seine Maske geprüft worden ist.

Woher bekommen Verbraucher Sicherheit?

Dekra-Geschäftsführer Kilisch empfiehlt: "Die Prüfbescheinigung muss bei jeder kleinsten Verpackung beiliegen. Ist dies nicht der Fall, verzichten Sie auf jeden Fall auf die Maske." Apotheker und andere Händler seien verpflichtet, nachzuweisen ob eine Maske den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Wer erst zu Hause feststelle, Masken ohne entsprechende Dokumente erworben zu haben, dem rät er "wirklich" davon ab, die Masken zu tragen, da sie keinen Schutz nachweisen könnten – "ab in den Müll". Wichtig sei auch imme, auf die Originalverpackung zu achten. Sichere Masken seien immer eingeschweißt. Bei zertifizierten Masken mit CE-Kennung gebe es grundsätzlich keine Fälschungen.

Worauf ist noch zu achten?

Das Sozialministerium erklärt: Auf konformen FFP2-Masken müssen zudem zu finden sein:

  • die Klasse (zum Beispiel FFP2) + der Zusatz "NR" (nicht wiederverwendbar) oder Zusatz "R" (wiederverwendbar" oder Zusatz "D" (Dolomitstaubtest bestanden).
  • Nummer und das Jahr der Veröffentlichung der Europäischen Norm
  • Herstellername oder eine Marke
  • Anschrift des Herstellers oder Inverkehrbringers

Wurden an Apotheken die neu zertifizierten FFP2-Masken oder auch die alten CPA-Masken geliefert?

"Die ApothekerInnen haben die Masken selbst besorgt", erklärt das Sozialministerium. Dekra-Chef Kiliesch kritisiert hier eine "Nachlässigkeit". "Ich fürchte hier haben manche Kollegen ihre Hausaufgaben nicht gemacht", erklärt er MDR SACHSEN. "Apotheker müssen wie bei Medikamenten das Produkt genau erklären können. Irgendwann müsste man ja mal aufmerksam werden, dass es Masken gibt, die nicht verkehrsfähig sind. Man kann den Leuten nicht vorgaukeln, sie würden damit sichere Produkte bekommen." Der Sächsische Apothekerverband äußerte sich bislang nicht zur Situation, die MDR-Anfrage erreichte den Verband in den bereits begonnen Weihnachtsferien.

Was rät die sächsische Ärztekammer?

"Für den Träger selbst sind FFP-Masken (also partikelfiltrierende Halbmasken) der einzige Schutz. Dabei haben FFP2-Masken 94 Prozent und FFP-3 Masken 99 Prozent Filtrierleistung", erklärte Ärztekammerpräsident Bodendieck. "FFP-Masken mit Ventil bieten jedoch keinen Fremdschutz." Für Menschen aus Risikogruppen, sei es wichtig zum Eigenschutz FFP-Masken zu tragen. "Da wir aber auch einen Fremdschutz ermöglichen wollen, OHNE Ventil", erklärte Bodendieck. Eine einfache FFP-Maske reiche aus. Nur zum Fremdschutz, nicht aber zum eigenen Schutz, ist der medizinische Mund-Nasen-Schutz geeignet.

FFP2-Schutzmasken werden von Mitarbeitern verpackt.
FFP2-Masken sollten nicht gewaschen und auch nicht - wie im Netz auf manchen Seiten empfohlen - im Herd erhitzt werden. Damit könne der Herd determiniert werden, warnen Experten. Bildrechte: dpa

Was rät das sächsische Sozialministerium?

"Wir schließen uns der VerbraucherInnen seit Monaten empfohlenen Nutzung von Mund-Nasenbedeckungen und Masken an", hieß es. "FFP2-Masken schützen besonders gut."

Woran unterscheiden sich die Masken aus dem Baumarkt und der Apotheke, oder gibt es keinen Unterschied?

Das Sozialministerium erklärt: "Wenn Sie im Baumarkt eine FFP2-Maske kaufen, dann ist das eine FFP2-Maske. Das Kürzel FFP steht für "Filtering Face Piece". Diese Masken dienen eigentlich dem Arbeitsschutz, deshalb erhält man sie im Baumarkt." Wie auch in der Apotheke und anderen Händlern gilt: Auf CE-Kennzeichen, Herstellerangaben und beiligenden Prüfbericht achten.

Wie lange können FFP-Masken getragen werden?

"Diese FFP-Masken bieten einen hohen Schutzgrad, solange sie sachgerecht getragen werden", erklärt Ärztekammerchef Bodendieck. "Sie müssen an der Gesichtshaut eng anliegen, Mund und Nase bedecken und regelmäßig gewechselt werden. Es handelt sich um Einmalmaterial". Zudem dürften die Masken "niemals durchfeuchtet" und nur an den Bändern angefasst werden.

Dekra Die DEKRA zertifiziert - auch schon vor der Corona-Pandemie - in einem Speziallabor in Essen Atemschutzmasken. Diese umfasst den kompletten Prozess rund um Baumusterprüfung und sowie die CE-Kennzeichnung.

Quelle: MDR/kt

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