Silvester Diskussion um Feuerwerksverbot in Sachsen geht weiter

Sollten zum Jahreswechsel Silvesterknaller verboten werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich aktuell Politiker. Am Mittwoch wollen Bund und Länder einen gemeinsamen Fahrplan in der Corona-Pandemie beschließen - auch alle Fragen um ein mögliches Böllerverbot werden dann wohl abschließend beantwortet werden.

 Feuerwerk explodiert in der Silvesternacht über der historischen Altstadtkulisse an der Elbe mit der Frauenkirche
Ein spektakuläres Feuerwerk über Dresden - das wird es in diesem Jahr ganz sicher nicht geben. Zu groß ist die Gefahr von Menschenansammlungen. Bildrechte: dpa

Das Feuerwerk gehört für die meisten zum Jahreswechsel dazu wie der Stollen in die Vorweihnachtszeit. Nun wird allerdings ein Verbot für Feuerwerke diskutiert. Ob es dazu kommt, wird wohl in der nächsten Allgemeinverfügung stehen. Am Mittwoch findet die nächste Ministerpräsidentenkonferenz statt, um deutschlandweit eine gemeinsame Linie in der Corona-Pandemie auszuloten und einen möglichst einheitlichen Fahrplan zu beschließen.

SPD schlägt generelles Verkaufsverbot vor

In einer Beschlussvorlage der Länder für die Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel war vorgesehen, dass der Verkauf und das Zünden von Feuerwerk zu Silvester verboten wird. Damit sollten Einsatzkräfte entlastet, das Gesundheitssystem nicht weiter belastet und Gruppenbildungen vermieden werden. Das Papier wurde am Sonntag unter Federführung von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) verfasst. Er hat derzeit den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz inne.

Widerstand von Unionspolitikern

Gegen ein generelles Feuerwerksverbot gab es aber Widerstand: CDU und CSU halten solche Maßnahmen für unverhältnismäßig. Marian Wendt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Landkreis Nordsachsen, schrieb beispielsweise auf Twitter: "Silvester ohne Feuerwerk, ist wie Weihnachten ohne Gänsebraten. #massundmitte"

Wenn es nach dem Willen der Union geht, sollen nur Feuerwerke auf belebten Plätzen untersagt sein. Die kleine private Knallerei bliebe somit erlaubt. Im ZDF sagte Wendt:

CDU-Kandidat Marian Wendt
CDU-Politiker Marian Wendt will sich sein privates Feuerwerk mit Freunden nicht verbieten lassen, schreibt er auf Twitter. Bildrechte: http://www.marian-wendt.de

Genau mit diesem Maß und Mitte müssen wir vorgehen um auch die Akzeptanz für diese Maßnahmen zu erhalten. Ein pauschales Verbot von Feuerwerkskörpern, die natürlich auch zu unserer Kultur und unserer Tradition an Silvester gehören, schafft keine Akzeptanz für weitere Corona-Maßnahmen.

Marian Wendt CDU-Bundestagsabgeordneter aus dem Landkreis Nordsachsen

IHK warnt vor "unverhältnismäßiger Belastung" für Handel

Die Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) hat sich klar gegen ein Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern ausgesprochen.

Aufgrund der aktuellen Infektionslage ist nicht zu erwarten, dass Silvester größere Feiern stattfinden werden. Das heißt, die meisten werden den Jahreswechsel daheim im Familienkreis oder mit einer überschaubaren Zahl an Freunden verbringen, wozu meiner Meinung nach auch die Möglichkeit eines privaten Feuerwerks gehören sollte.

Detlef Hamann Hauptgeschäftsführer IHK Dresden

Geltende Kontaktbeschränkungen würden nicht tangiert werden, außerdem bezeichnete er ein mögliches Verbot als "unzumutbare Belastung des Handels und der pyrotechnischen Industrie".

Pyrotechniker: "Verkaufsverbot würde finanziellen Ruin bedeuten"

Das bestätigt auch Pyrotechniker Peter Schönberger aus Bad Düben. Im Interview mit MDR SACHSEN erzählt er:

Ein Verbot für privates Feuerwerk wäre das Desaster der Desaster. Wir haben dieses Jahr ein Prozent Umsatz gemacht. Alle großen Feuerwerke sind weggefallen, die sonst im Rahmen von Veranstaltungen stattfinden. Auch zu Silvester haben wir keine Feuerwerke für Gewerbetreibende. Ich baue jetzt noch auf Privatleute.

Peter Schönberger Pyrotechniker aus Bad Düben

Er habe bereits im Januar seine Silvesterbestellungen abgegeben, als von der Corona-Pandemie in Deutschland noch nichts zu spüren war. Nun müsse er die Ware auch abnehmen und bezahlen.

Kompromiss bereits ausgehandelt?

Medienberichten zufolge haben sich die SPD- und CDU-geführten Bundesländer am Montagabend in einer gemeinsamen Telefonschalte verständigt: Anscheinend soll Zünden von Feuerwerk "an belebten Plätzen und Straßen" verboten werden. Auch soll es keine öffentlich veranstalteten Feuerwerke geben. Zudem appellierten die Länder an die Bürger, in diesem Jahr auf das Knallen zu verzichten.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.11.2020 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

jamatt vor 23 Wochen

Unabhängig davon das die Silvesterlknallerei keiner braucht reden die Damen und Herren einen Schmarrn zamm. Der im Beitrag zitierte Hr. Wendt spricht von Kultur und Tradition. Was ist mit Volksfesten, Weihnachtsmärkte und -feiern oder Bergmansparaden im Erzgebirge. Alles Kultur und Tradition aber verboten. Aber das milliardenschwere Pyrotechnikgeschäft ist Tradition. Sicher wegen den kleinen Händlern.

zenkimaus vor 23 Wochen

Endlich, sollte verboten werden. Braucht kein Mensch.

Lotrecht vor 23 Wochen

Der Geruch von Schwefel und Schwarzpulver könnte Gedanken an die französische Revolution wecken und einige Politiker verunsichern. ;)

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