Online-Bürgergespräch Steinmeier spricht mit Sachsen über Corona-Krise und mahnt zur Geduld

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt im Schloss Bellevue an einer Videokonferenz zur Lage im Gesundheits- und Pflegedienst in Sachsen teil.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in der Corona-Pandemie Geduld und Beharrlichkeit angemahnt. "Zu sagen, wo wir stehen, ist nicht einfach in diesen Tagen" sagte Steinmeier bei einem Online-Bürgergespräch mit Vertretern des Gesundheits- und Pflegewesens aus Sachsen. Wegen der Corona-Mutationen sei die Lage derzeit eher unsicher. Dennoch wachse die Ungeduld im Land.

Steinmeier verwies auf mögliche Impfungen und Corona-Tests, die ein Zeichen der Hoffnung seien. Er sei auch froh, dass es internationale Anstrengungen gebe, in ärmeren Ländern impfen zu können. Zugleich hob der Bundespräsident die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervor. Insbesondere Mitarbeitende des Gesundheitswesens und der Pflege hätten alles dafür getan, dass aus der Krise keine unüberbrückbaren Spaltungen in der Gesellschaft entstanden sind, so der Bundespräsident

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) nimmt im Schloss Bellevue an einer Videokonferenz zur Lage im Gesundheits- und Pflegedienst in Sachsen teil.
An der Videokonferenz mit dem Bundespräsidenten nahmen fünf Frauen und Männer aus Sachsen teil. Bildrechte: dpa

Ärztin warnt vor psychischen Folgen in der Pandemie

In der Diskussion verwies die Pirnaer Hausärztin, Jana Scholz, auf die psychischen Folgen der Pandemie. Ihre Patientinnen und Patienten klagten zunehmend über Schlafstörungen, zeigten Trauer und Aggression. Die Impfbefürworterin versucht nach eigenen Angaben, Mut zu machen und auf den Herbst zu vertrösten. Sie rief dazu auf, dass jeder, der im Moment nicht arbeiten darf, sich als freiwilliger Helfer oder als freiwillige Helferin engagiert. Beschäftigung sei wichtig.

Der Zittauer Intensivmediziner Radovan Novak sieht derzeit noch kein Licht am Ende des Tunnels. "Die Impfung ist für uns nicht die Rettung, so sieht es leider aus", sagte Novak. Auch wer geimpft sei, müsse unter Umständen in Quarantäne. Für seine Klinik bedeute dies, dass Personal weiterhin ausfallen könnte. Kritik übte Novak an der Regierung und den Behörden in seinem Heimatland Tschechien. Er habe kein Vertrauen in deren Arbeit. Der Anteil an Corona-Mutationen in Tschechien liege derzeit bei etwa 40 Prozent, sagte der Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin im Klinikum Oberlausitzer Bergland.

Menschen mit Mund-Nasen-Schutz auf der Kalrsbrücke in Prag
Die tschechische Regierung hat am Montag wegen der dramatisch hohen Corona-Infektionszahlen erneut einen Notstand ausgerufen. Dieser gilt 14 Tage lang. Bildrechte: dpa

Die Pflegedienstleiterin Ina Eger aus Werdau regte an, mehr Schutzkleidung in Deutschland herzustellen, um künftig Engpässe zu vermeiden. Der Geschäftsführer eines Pflegeunternehmens in Radeberg, Patrick Hahmann, wünschte sich mehr Anerkennung seiner Branche, nicht nur Applaus. Auch Hausärztin Scholz appellierte, nicht zu vergessen, was Ärztinnen und Ärzte sowie Schwestern und Pfleger leisten.

Bestatter: Corona bringt einsamen Tod

Der Inhaber eines Bestattungsunternehmens in Marienberg, Tobias Wenzel, beklagte den coronabedingten Traditionsabbruch im Umgang mit Verstorbenen. In der Pandemie sei es "sehr schwer, sich würdevoll zu verabschieden", sagte Wenzel. Corona bringe nicht nur einen einsamen Tod. Es gebe für die Angehörigen oft auch keine Möglichkeit, sich am Sarg zu verabschieden. Das sei für viele ein Problem. Zudem sei die Einschränkung auf zehn Gäste bei einer Beerdigung gerade in ländlichen Regionen schwierig. Teilweise würden Vorgaben missachtet. Kritik übte auch er an Behörden. Kompetenzrangeleien seien nicht zu verstehen.

Quelle: MDR/epd/ms

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.02.2021 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

79 Kommentare

Tacitus vor 17 Wochen

Ein Bundespräsident sollte als Präsident aller Deutschen wirken und über den Parteien stehen. Er sollte einend wirken. Dies hat Herr Steinmeier durch seine zahlreichen einseitigen Parteinamen (etwa in der Causa Chemnitz für die Fette Sahne Band) verpasst und damit seine Möglichkeiten als Moderator verspielt. Er hätte in den vergangenen Jahren zu geschichtlicher Größe wachsen können, hatte aber nicht die Größe und das Rückgrat dazu. C.F. Weiszäcker hätte das sicher anders gemacht.
Walter Steinmeier wird immer nur Dialoge mit der linken Seite führen können und nichts bewirken, obwohl er sich redlich müht. Das hat eine Tragik. Leider.

Uwe G vor 17 Wochen

Leider falsch, die AFD redet nicht konstruktiv mit den Menschen sondern greift ausschließlich Dinge auf die ein Unzufriedenheitspotential in sich bürgen um damit Unfrieden zu stiften ohne jemals einen umsetzbaren Lösungsvorschlag anzubieten. Und auch im MDR wird darüber umfassend berichtet das können Sie mir getrost glauben den ich sehe täglich die Nachrichtensendungen des MDR!

Uwe G vor 17 Wochen

Ihnen ist offensichtlich nicht nur die Würde dieses Amtes nicht bewusst, offenbar haben sie auch keinen blassen Schimmer über die Stellung dieser Person in der Bundesrepublik Deutschland. Ich empfehle Ihnen dringend unser Grundgesetz im speziellen Artikel 54 bis 61 zu lesen. Unser Land ist so demokratisch das selbst die Abgeordneten der AFD von Steuergeldern bezahlt werden und was die bringen außer die Spaltung unserer Gesellschaft voranzutreiben erschließt sich mir nicht.

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