Kabinettssitzung Kitas und Grundschulen in Sachsen öffnen nächste Woche

Sachsen will stufenweise aus dem Lockdown kommen. Den Anfang machen die Bildungseinrichtungen. Nach den Abschlussklassen sollen jetzt auch Kitas und Grundschulen geöffnet werden. Endgültig beschlossen wird der Fahrplan am Freitag in einer weiteren Kabinettssitzung. Zuvor stehen noch die Bund-Länder-Beratungen an.

Kitas und Grundschulen in Sachsen sollen am kommenden Montag wieder öffnen. Das hat das sächsische Kabinett am Dienstag entschieden. Kultusminister Christian Piwarz hat aber Eltern von Kindergartenkindern darum geben, wenn möglich, Kinder weiter zu Hause zu betreuen. In Grundschulen soll die Präsenzpflicht vorerst ausgesetzt werden. Eltern können somit selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken. Die Schulpflicht gelte aber weiterhin und Eltern müssten sicherstellen, dass ihre Kinder zu Hause beschult werden.

Erneute Schließungen möglich

Die Regelungen für Grundschulen und Kitas gelten sachsenweit, obwohl in einigen Landkreisen die 7-Tage-Inzidenz noch bei über 100 liegt. Piwarz sagte, man habe keinen Flickenteppich entwerfen wollen.

Aber, das will ich in aller Deutlichkeit auch sagen: Wir werden uns die Entwicklung der Zahlen ansehen. Wir haben die Erwartung und Hoffnung, dass wir in den Landkreisen, die jetzt noch über 100 sind, in den nächsten zwei Wochen unter 100 kommen. Sollte dies nicht passieren und die Zahlen sogar steigen, werden wir Einrichtungen wieder schließen müssen.

Christian Piwarz Sächsischer Kultusminister

Das gelte sowohl für einzelne Landkreise, aber auch für den gesamten Freistaat. Die Entwicklung der Infektionszahlen sei ausschlaggebend dafür, ob weitere Öffnungen folgen könnten oder ob sie zurückgenommen werden müssten, hieß es weiter.

Feste Gruppen und Hygiene

Klar ist, es geht nicht in den uneingeschränkten Regelbetrieb.

Christian Piwarz Sächsischer Kultusminister

Laut Kultusminister verbietet sich aufgrund der Infektionslage weiterhin ein Regelbetrieb an den Schulen. Kinder sollen im System der festen Gruppen lernen, außerdem sollen weiter strenge Hygienemaßnahmen gelten. Das System der festen Gruppen sollten auch Horte übernehmen. Laut Kultusminister bedeutet das aber nicht, dass Klassen deckungsgleich in den Hort überführt werden. Das bringe die Einrichtungen an Personal- und Platzkapazitäten. Horte müssten genau überlegen, Gruppen bilden und diese dann bestehen lassen. Die Kinder sollen auch außerhalb der Gruppen- und Klassenräume auf dem Gelände der Einrichtungen nicht aufeinandertreffen.

Corona-Tests für Erzieher und Lehrer

Zum Kita- und Grundschulstart am 15. Februar soll es Corona-Tests für Lehrer und auch Erzieher geben. Laut Piwarz sollen die entsprechenden Personen einen Berechtigungsschein erhalten und sich beim Hausarzt testen lassen können - so wie es auch bisher bei den Lehrern üblich war. Flächendeckende Corona-Tests für Grundschüler soll es aber nicht geben. Kultusminister Piwarz begründete das Vorgehen damit, dass aktuell nicht sicher sei, ob die Tests bei jüngeren Kindern valide seien. Entsprechende Corona-Tests solle es deshalb erst für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7 geben.

Für weiterführende Schulen gilt auch weiterhin die bisherige Regelung: Abschlussklassen lernen im Präsenzunterricht, alle übrigen Klassen sollen weiterhin zu Hause bleiben. Nächste Schritte für die mittleren Klassen sollten wahrscheinlich ab 8. März folgen, sagte Piwarz. Denkbar sei dann ein Wechselmodell.

Kultusminister sehen Priorität bei Kindergärten und Grundschulen

Bereits vor dem Gespräch im Kabinett hatte sich Kultusminister Christian Piwarz (CDU) bei MDR SACHSEN für die Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen ausgesprochen. Dies sei vor allem für die Erstklässler wichtig, die gerade Lesen und Schreiben lernten und schon zwei Monate lang nicht mehr in der Schule gewesen seien.

Christian Piwarz, Kultusminister Sachse, im Schaltgespräch
Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will am 15. Februar Grundschulen und Kindertageseinrichtungen im Freistaat öffnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Sitzung der Kultusminister aller Bundesländer am gestrigen Montag seien sich die Minister grundsätzlich über die Öffnungspriorität einig gewesen. Nur der Zeitpunkt der Öffnung sei unterschiedlich bewertet worden. Manche Bundesländer wollten erst noch die Faschingsferien bis 22. Februar stattfinden lassen, sagte Piwarz im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Bei den Öffnung von Schulen und Kitas soll es vorerst keine weiteren Schutzmaßnahmen geben, als die bislang bekannten. Wechselunterricht, Tragen von FFP2-Masken, desinfizieren, regelmäßiges Lüften, Abstand halten, zählte Piwarz auf. Besonders Erzieherinnen und Erzieher müssten Kontakte zu Eltern minimieren und Abstände einhalten. Allerdings sieht Piwarz durch kleine Kinder "keine mittelbare Bedrohung" für Erzieher. Das hätten mehrere Studien und auch eine landeseigene Untersuchung belegt.

Lässt der Bund demnächst Selbsttests zu?

Der Bildungsminister hofft, dass möglicherweise Ende Februar aus Berlin Signale kommen, dass Selbsttests für Schulen zugelassen werden. Bislang habe die gesetzliche Grundlage dafür gefehlt. Für Massentests in Schulen und Kitas gebe es auch nicht genug geschultes Personal. Da seien Selbsttests eine Alternative.

Ich würde mir sehr eine Situation wünschen wie in Österreich, wo Schüler nur nach negativem Test in den Unterricht dürfen. Ich hoffe darauf, dass das endlich auch auch bei uns feststeht, ob solche Tests zugelassen und verfügbar sind.

Christian Piwarz

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn im Herbst.
Spuck- oder Gurgeltests werden in Schulen Österreichs verwendet. Nur mit negativem Test ist der Schulbesuch erlaubt. Im Herbst hatte die Fachhochschule Wien solche Tests vorgestellt (Archivbild Herbst 2020). Bildrechte: dpa

Am Mittwoch Bund-Länder-Beratungen

Hoffnungen auf schnelle und umfassende Lockerungen der Corona-Beschränkungen hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) jedoch gedämpft. Er sagte gestern bei einer digitalen Bürgerfragestunde, Sachsen habe erlebt, was passiert, wenn das Virus sich zu stark ausbreite. Am Mittwoch beraten die Regierungschefinnen und -chefs von Bund und Ländern über den weiteren Umgang mit den Corona-Regeln.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.02.2021 | ab 07:45 Uhr im Programm

35 Kommentare

Querdenker vor 18 Wochen

@Felix

"... Krankheiten seit Menschengedenken zum Leben gehören ..."

Der Mensch hat sich seit der Steinzeit weiterentwickelt und ist in dem Bereich klüger geworden. Die Lebenserwartung und die Lebensqualität hat sich zum Glück durch die Medizin etc. stark verbessert. Das ist eine Errungenschaft, die man jetzt als politischen oder ideologischen Gründen nicht aufgeben sollte. Eine derartige Pandemie ist eine Art Naturkatastrophe und somit ein Ausnahmezustand.

"... Sie werden für jede wirre Behauptung irgendwo auch Ihre Bestätigung finden ..."

Deswegen muss man ja Studien und Untersuchungen auch selbst etwas überprüfen, damit man nicht auf politisch motivierte Studien hereinfällt.

Zitat: "... (ich arbeite im Hort): Es gab keine ungewöhnliche Krankheitswelle im Vergleich zu anderen Jahren - eher im Gegenteil waren sogar weniger krank ..."

Das ist zu erwarten, alles andere wäre eher ungewöhnlich. Die Maßnahmen gegen die gefährliche Pandemie dämmen auch andere Krankheiten ein.

Felix vor 18 Wochen

Einigen wir uns vielleicht darauf, dass Krankheiten seit Menschengedenken zum Leben gehören und schon immer Menschen krankgeworden sind und es auch schon immer Menschen gab, die auch an Krankheiten sterben. Einigen wir uns vielleicht auch darauf, dass jeder Mensch irgendwann auch stirbt - auch das gehört zum Leben.

Sie werden für jede wirre Behauptung irgendwo auch Ihre Bestätigung finden (zumindest, wenn sie alles Sonstige ringsrum inkl. Hintergründe etc. ausblenden).

Ich kann Ihnen meine Erfahrungen weitergeben (ich arbeite im Hort): Es gab keine ungewöhnliche Krankheitswelle im Vergleich zu anderen Jahren - eher im Gegenteil waren sogar weniger krank (Erzieher wie Kinder). Und bei allem Krankheitsauftreten muss man immer auch die Rahmenbedingungen und Hintergründe wissen. Nichts ist losgelöst von einander sondern alles hat mit allem zu tun. Es gibt weit mehr Gründe für Krankheiten als vermutete Krankheitserreger.

Wito vor 18 Wochen

Interpunktion, Ordnungszahlen, gesellschaftliche Fifferenzierung: mangelhaft.
Wer ist denn "wir"?
Das Bild des Opferlamms paßt nicht so recht zu Ihrer Religionsfeindlichkeit.

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