Zum Schulstart Kontrolle oder Vertrauen - Schnelltests für alle Schüler in Sachsen

Seit Montag darf Sachsens Schulen nur noch betreten, wer einen aktuellen, negativen Corona-Test nachweist. Das gilt für alle Schülerinnen und Schüler ab der 1. Klasse und das Personal. Auch qualifizierte Selbstauskünfte sind möglich. Dabei vertraut das Kultusministerium den Eltern. Aber was, wenn genau das ausgenutzt wird?

Schüler Fabian macht im Klassenzimmer einen Corona-Schnelltest.
Der Grundschüler Fabian führt einen Schnelltest vor Unterrichtsbeginn durch. Bildrechte: dpa

Seit Montag haben alle Schülerinnen und Schüler in Sachsen wieder Unterricht in der Schule. Es gilt eingeschränkter Regelbetrieb und dass sich alle Kinder ab der 1. Klasse sowie das Lehrpersonal und alle Mitarbeitenden in Schulen zweimal in der Woche auf Corona selbst testen müssen. "Mittlerweile ist das Testen Normalität für uns. Die Schüler machen das mit großer Selbstverständlichkeit zu Unterrichtsbeginn", sagt der Schulleiter des Montessori-Schulzentrums Leipzig, Sebastian Heider, auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

Wir sehen die Tests als Chance, endlich wieder zu einem relativ geregelten, zwar unter Corona-Bedinungen, normalen Schulalltag zurückzukehren.

Roman Schulz Pressesprecher Sächsische Bildungsagentur

Vertrauen in Eltern

1,2 Millionen Tests wurden für diese Woche an die Schulen verteilt. Neben den kostenlosen Tests an den Schulen, darf man sich in Sachsen auch zu Hause auf Corona testen. Bedingung: Eine qualifizierte Selbstauskunft muss wahrheitsgemäß ausgefüllt und in der Schule abgegeben werden. Das Kultusministerium vertraut dabei Sachsens Eltern. Der Leipziger Schulleiter Heider sagt dazu: "Grundsätzlich müssen wir Vertrauen in die Elternschaft haben, dass das alles so funktioniert."

Einzelne Eltern hätten vor den Osterferien jegliche Tests ihres Kindes abgelehnt. "Nach den Ferien kommt derjenige mit der Unterschrift, dass Tests durchgeführt worden sind. Da darf ich denken, was ich möchte, aber es ist rechtlich abgesichert", meint Heider.

Nadine Eichhorn vom sächsischen Landeselternrat ist sich sicher: "Die meisten Eltern sind bei der Selbstauskunft ehrlich." Davon geht erst einmal auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aus. "Ich glaube, dass man der Mehrheit der Eltern vertrauen kann und die auch das Angebot in den Schulen wahrnehmen wird", sagt GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse. Sie findet es richtig, dass eine Testpflicht an den Schulen organisiert wurde und die Tests auch kontrolliert werden.

Schüler Tino macht im Klassenzimmer einen Corona-Schnelltest.
Grundschüler Tino vor einem Schnelltest auf seiner Schulbank. Bildrechte: dpa

Was, wenn Selbstauskünfte nicht stimmen?

Sollten die Schulen jedoch feststellen, dass "es sich Eltern sehr, sehr leicht" bei den Selbstauskünften machen, dann müsse das Kultusministerium davon wegkommen und zwingend in den Schulen testen, verlangt Kruse. Sie verweist darauf, dass eine Selbstauskunft einer Urkunde gleiche. Wenn man eine Falschauskunft gebe, sei das mit Strafe belegt.

Es gibt in Sachsen leider eine ernst zu nehmende Gruppe von Eltern, da habe ich so meine Zweifel. Darüber hinaus gibt es nicht nur Menschen, die Corona leugnen, es gibt schlichtweg auch Eltern, die Angst vor einem positiven Ergebnis haben, weil sie auf ihrer Arbeitsstätte in Schwierigkeiten geraten.

Ursula-Marlen Kruse GEW-Landesvorsitzende in Sachsen

GEW-Kritik: Impfungen der Lehrer fehlen

Für Grund- und Förderschulen verlangt die GEW-Landesvorsitzende mehr Schutz als nur Schnelltests. "Im gesamten Schulöffnungskonzept fehlt ein wesentlicher Bestandteil: Die Impfung der Lehrerinnen und Lehrer", kritisiert Kruse. In Regionen mit hohen Infektionszahlen müsse auch "ernsthaft für Grundschulen über Wechselunterricht nachgedacht werden".

Für Testverweigerer kein komplettes Homeschooling

Bis mindestens 18. April - so lange gilt die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Freistaats - ist in Sachsen die Schulbesuchspflicht ausgesetzt. "Die Eltern, die ihre Kinder vorerst nicht in die Schule schicken wollen, müssen das nicht. "Allerdings gibt es für diese Kinder nur ein reduziertes Angebot an Aufgaben. Es gibt kein Homeschooling mehr", betont Roman Schulz von der Sächsischen Bildungsagentur.

Kultusminster widerspricht Behauptungen

Es wurden Sorgen von Eltern zur Testhandhabe geäußert, sagt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz und widerspricht Behauptungen, wonach die Schnelltests für Kinder schmerzhaft seien. "Es entspricht nicht der Realität, dass ein tiefer Nasenabstrich gemacht wird. Es ist ein ganz einfach durchzuführender Test", sagte der CDU-Minister im Interview mit MDR SACHSEN.

Christian Piwarz
Kultusminister Christian Piwarz sagt, vor Ostern hätten die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen in Sachsen "sehr diszipliniert und neugierig" die Schnelltests durchgeführt. Er geht davon aus, dass sich das Testen auch an den Grundschulen einspielen werde. Bildrechte: dpa

Apotheker: "Kinder kriegen das hin"

Apotheker Oliver Morof hat in seiner Apotheke in Meißen bereits Dutzende Kinder getestet. "Es gab da wirklich keine Probleme. Wenn die Lehrer den Kindern alles gut erklären und zeigen, dass sie nicht tief in die Nase gehen, kriegen die Kinder das hin." Ein Wattetupfer müsse mehrfach im Muschelbereich vorn in der Nase gedreht werden. "Das kitzelt vielleicht ein bisschen. Aber angesichts der Probleme, die wir wegen Corona gesamtgesellschaftlich haben, halte ich das für zumutbar", meint Morof.

Das Kultusministerium zeigt in Erklärvideos, wie Kinder Schnelltests durchführen können:

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 12. April 2021 | 19:00 Uhr

12 Kommentare

Kritische vor 23 Wochen

Die Frage stellt sich tatsächlich, viel mehr noch die Frage, warum trotzdem schon wieder mit Schließungen gedroht wird. Die Kinder machen alles brav mit, im Gegensatz zu den Erwachsenen und werden dafür noch bestraft. Keine Berufsgruppe muss 7 bis 8 Stunden non stop den MnS tragen, was medizinisch auch nicht ganz unbedenklich ist. Wir sind keine Maskenverweigerer, setzen die auf, wo nötig. Aber gerade an den weiterführenden Schulen, wo die Kinder jetzt die zweite Woche seit Mitte Dezember zur Schule dürfen, geteilte Klassen haben, sich testen lassen und die werden jetzt noch damit bestraft. Das ist kinderfeindlich. Aber Kinder lassen sich leichter regulieren als Erwachsene, sie sind der Sündenbock.

Kritische vor 23 Wochen

Meine Tochter, ebenfalls 12 Jahre alt, bekommt das super hin. Den Terz machen die Erwachsenen und stacheln die Kinder auf. Wir haben selber zu Hause bereits zu verschiedenen Gelegenheiten so einen Test durchgeführt, es geht ganz leicht und kitzelt nur ein wenig. Die Müllberge sind dramatisch, aber anderes Thema. Was mich stört: Geteilte Klassen und zweimal wöchentlich Tests, trotzdem Maske im Unterricht und die ständige Androhung von Schließungen. Das macht Kinder und Eltern psychisch kaputt. Wenn in der Klasse oder Schule keine gehäuften Fälle auftreten, warum dann die Schule schließen? Der Wert im Bundesland kann doch dafür kein Grund sein, dann müssen wir 5 Jahre alles zumachen. Macht keinen Sinn.

Ernst678 vor 23 Wochen

Das ist meine Meinung und die ist durch die Meinungsfreiheit geschützt: Für mich ist und bleibt diese Vorgehensweise Kinderquälerei ohne wirklich sinnvolles Ergebnis, außer das sich die Hersteller und Lobbyisten der Test dumm und dämlich verdienen auf Kosten der Eltern (Steuergelder - die Tests fallen nicht vom Himmel). Solang die Eltern diesem Zwang folgen wird er nie mehr ein Ende haben, wird es nie mehr einen normalen Schulaltag geben. Die berechtigte Angst vor einem positiven Test, die leicht nachvollziehbar ist, geht um. Zehntausende saßen inzwischen wegen falsch positiver Tests im Heimarrest, viele wurden mit Zwangsmaßnahmen schikaniert, viele haben dadurch alles verloren. Eltern nehmt endlich eure Verantwortung wahr, Kinder sind keine Coronahotspots, laßt sie nicht in einer Zwangsgesellschaft aufwachsen. Wohin das führt hat Deutschland schon mehrfach schmerzlich erleben müssen. Ich fordere das kompromisslose Ende des Lockdown da er inzwischen bewiesen nicht die Lösung ist!

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