Kultur-Lockdown Kultureinrichtungen in Sachsen zwischen Resignation und Hoffnung

Seit Wochen sind Theater, Museen und Konzertsäle in Sachsen aufgrund der Corona-Pandemie wieder geschlossen. Wann sie wieder geöffnet werden können, ist derzeit noch unklar. Wie geht es den Kultureinrichtungen in Sachsen und wie überstehen sie den Kultur-Lockdown?

Staatsschauspiel Dresden
Seit Wochen müssen in Sachsen die Theater und Museen wieder leer bleiben. Aufgrund der Corona-Pandemie sind alle Kultureinrichtungen geschlossen. Bildrechte: dpa

Die aktuelle Schließung der Kultureinrichtungen in Sachsen ist laut Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine enorme psychische Belastung für die Kulturschaffenden. Für viele freie Künstler spitze sich die existenzielle Bedrohung zu. "Wie die Unternehmen dürfen wir auch sie nicht aus den Augen verlieren, für sie geht es auch um alles", so Klepsch.

Mit finanzieller Hilfe von Bund und Land sowie "viel eigenem Engagement und Reserven" hätten viele Einrichtungen bisher überlebt, sagt die Ministerin. Nun schwinde die Hoffnung und Resignation mache sich breit. Es brauche unbedingt eine Perspektive für die Zeit nach der Krise, sagt Klepsch, und setzt zudem auf eine Wiedereröffnung im Januar.

Bereits vor einigen Tagen hatte Klepsch zusammen mit Theaterintendanten aus Bautzen, Freiberg/Döbeln und Dresden für Corona-Impfungen und mehr Solidarität in der Pandemie geworben.

Große Einbußen in Sachsens Museen

Verschiebungen und Absagen zermürbten Mitarbeiter wie Besucher, sagt die Vorsitzende des Sächsischen Museumsbundes, Sabine Wolfram. Die Auswirkungen des Lockdowns seien ohne finanzielle Kompensationen nicht zu stemmen.

Der Museumsbund berichtet von teils gewaltigen Einbußen 2021 und schätzt den Rückgang der Besuchszahlen auf etwa 50 bis 70 Prozent. Die Museen seien nachweislich sichere Orte, mit Kontrolle der 2G-Regelung plus Maskenpflicht und Kontaktverfolgung, so Wolfram. Umso unverständlicher sei, dass sie nicht geöffnet bleiben, Handel und Gastronomie bei 2G und selbstverantwortlicher Kontrolle aber schon.

Museum der bildenden Künste Leipzig bleibt zuversichtlich

Das Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) hatte 2021 bei fünf Monaten Schließzeit mit rund 70.000 Gästen nur die Hälfte der Besuchszahl eines normalen Jahres. "Im Gegensatz zu 2020 sind wir besser vorbereitet, was den Umgang mit Lockdowns angeht", sagt Direktor Stefan Weppelmann. Die technische Ausstattung sei besser, Homeoffice eingespielter sowie Kommunikation und Arbeitsabläufe eingeübt. Man schaue mit Zuversicht auf das neue Jahr, auch weil die Stadt Leipzig die Defizite bisher nicht in Einsparungen umgelegt hat.

Sarah Lesch Andreas Berger Ballroom Studios 148 min
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Museumsbesuch als geistige Grundversorgung anerkennen

Die Kunstsammlungen Chemnitz mussten ganze Ausstellungen auf- und ungesehen wieder abbauen, Besucherzahl und Einnahmen gingen massiv zurück. Generaldirektor Frédéric Bußmann sieht zudem ideellen Schaden durch "eine zunehmende Entfremdung von Publikum, Kunst und Museum". Er geht davon aus, dass die Besuchszahl bei etwa einem Drittel aus Vor-Corona-Zeiten liegt. Damit, dass ein Teil der Einbußen wie 2020 erstattet wird, rechnet Bußmann nicht.

Frédéric Bußmann, neuer Generaldirektor, steht vor den Kunstsammlungen Chemnitz.
Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Kunstsammlungen Chemnitz, fordert Öffnungsperspektiven für Museen in Sachsen. Bildrechte: dpa

Bußmann fordert eine Öffnungsperspektive von der Politik, "die den Museumsbesuch als geistige, emotionale und psychologische Grundversorgung einer Gesellschaft anerkennt". Es gehe um effiziente, vermittelbare und verhältnismäßige Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie.

Ungewissheit erschöpft die Mitarbeitenden

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) verloren mit Ausstellungen viel Geld, auch von privaten Förderern aus dem Ausland, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann.

Hätten wir bis zum Jahresende öffnen können, wären wir in einer guten Balance gewesen und hätten wieder eigene Einnahmen gehabt, die uns die Spielräume für das Kommende gesichert hätten.

Marion Ackermann Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Die Stimmung sei gedrückt, die Mitarbeiter durch andauernde Unsicherheit und permanente Umplanungen ermüdet und erschöpft, so Ackermann. Die extreme Ungewissheit koste Reserven und bremse. 2022 haben die SKD ihre Highlights bewusst auf den Sommer gelegt.

Theater sind laut Landesverband keine Pandemietreiber

Auch Theater und Orchester haben sich "zähneknirschend" dem neuen Lockdown gebeugt, sagt Lutz Hillmann, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bühnenverein. "Klar ist, dass wir nicht die ersten sind, die zumachen und dann die letzten, die wieder aufmachen dürfen", sagt er. Sie seien nicht die Pandemietreiber und dürften nicht zur Symbolpolitik benutzt werden. Die großzügig geförderten Lüftungsanlagen etwa spielten überhaupt keine Rolle bei praktischen Entscheidungen in der Pandemie, kritisiert er.

Theater Dresden und Bautzen proben weiter

"Am Staatsschauspiel Dresden proben wir weiter, sorgen uns um die freischaffenden Kollegen, machen Werbung für das Impfen und öffnen unsere Häuser dafür", sagt Intendant Joachim Klement. Im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen wird ohne Publikum gespielt. Phantomvorstellungen seien deprimierend, aber nötig, um die Inszenierungen auf künstlerischem Niveau zu halten, sagt Intendant Hillmann.

Im Sorbischen Nationalensemble Bautzen wird es auch im kommenden Jahr keine Vogelhochzeitsprogramme geben. Wie das Theater mitteilte, ist es aktuell nicht absehbar, dass sich die Pandemie-Lage verbessert und öffentliche Vorstellungen im Innenbereich wieder erlaubt werden. Die beiden unterschiedlichen Vogelhochzeitsprogramme für Kinder und Erwachsene sollen nun im Januar 2023 Premiere feiern.

Theater Chemnitz sorgen sich um 2022

Die Städtischen Theater Chemnitz hatten 2021 halb so viele Gäste wie in normalen Jahren. Ein finanzielles Defizit gebe es nicht, sagt Generalintendant Christoph Dittrich. "Das Zauberwort heißt Kurzarbeit." Man schaue aber mit Sorge auf 2022. "Wir sind von einer Stabilisierung ausgegangen, nun wissen wir nicht, wann wir wieder spielen können", so Dittrich.

Quelle: MDR(al)/dpa

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