Verwirrung um Verordnung Mund-Nasen-Schutz, Sonnenbrille und Mütze im Auto - doch alles erlaubt?

Ein Mann mit Maske Sonnebrille und Mütze in einem Auto
Mund-Nasen-Schutz, Sonnenbrille und Mütze im Auto - darf man oder doch nicht? Politiker und Polizei sind sich anscheinend nicht einig. Bildrechte: MDR/Christoph Stelzner

In Sachsen gibt es kein pauschales Verbot für das Tragen von Sonnenbrillen und Hüten im Auto, wenn gleichzeitig ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden muss. Das hat Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Donnerstag in Dresden klargestellt. Es sei immer eine Einzelfallentscheidung.

Sie dürfen eine Sonnenbrille tragen. Sie dürfen einen Hut tragen. Sie dürfen diese auch in Verbindung mit einer Maske tragen.

Horst Kretzschmar Sachsens Polizeipräsident

Allerdings machte Kretzschmar auch eine Einschränkung: Das gelte nur, solange man keine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begeht und dabei geblitzt wird. Bei Verkehrskontrollen allerdings sieht er keine Probleme: "In aller Regel macht die Polizei Verkehrskontrollen", führt der Polizeipräsident aus. "Wir stellen dann die Identität fest. Dann können Sie auch eine Sonnenbrille tragen oder einen Hut, weil wir die Fahrzeuge anhalten werden und die Identität der Fahrzeugführer feststellen."

Innenminister hatte Verbot ins Spiel gebracht

Am Montag hatte sich Innenminister Roland Wöller auf einer Kabinettspressekonferenz deutlich drastischer zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Auto geäußert: "Ein zusätzliches Tragen von Mützen, Kopfbedeckungen oder Sonnenbrillen führt zur Unkenntlichkeit. Das ist also nicht gestattet."

Hintergrund der Debatte ist der Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung (StVO): "Wer ein Kraftfahrzeug führt, darf sein Gesicht nicht so verhüllen oder verdecken, dass er nicht mehr erkennbar ist." Allerdings ist seit Montag auch das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes im Fahrzeug Pflicht, wenn Personen aus einem anderen Hausstand mitfahren.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 18.02.2021 | 19:00 Uhr

18 Kommentare

goffman vor 17 Wochen

Na ja, ob wir im Sommer bei uns Kleidung "brauchen" sei mal dahingestellt, das selbst nicht-medizinische Baumwoll-Alltagsmasken die Virenlast und die Ansteckungswahrscheinlichkeit senken ist mittlerweile gut erforscht (einige wenige Studien habe ich im Kommentar zu wolle010 benannt).
Eine davon deutet darauf hin, dass normale medizinische Masken besser sind als nichts, aber eng anliegende, wiederverwendbare Baumwoll-Alltagsmasken vielleicht sogar effektiver sind. Insofern halte ich Ihre Kritik "müssen unters Volk gebracht werden" für angebracht, muss aber Ihrer allgemeinen Ablehnung von Masken nach wie vor widersprechen.

goffman vor 17 Wochen

Die aktuelle Pandemie zeigt, dass Asien in einer globalisierten Welt gar nicht so weit weg ist - zumindest nicht so weit, als das Viren, die dort, auftauchen uns, nichts angehen würden. Zum Glück ist die Wissenschaft auch global vernetzt und in Asien gewonnene Erkenntnisse sind durchaus nicht nur in Asien gültig.

Gerne zeige ich Ihnen ein paar seriöse Studien (min. peer-review, methodisch sauber, etc.), die die Wirksamkeit von Masken belegen:
- Face masks considerably reduce COVID-19 cases in Germany Timo Mitze et al.
- To mask or not to mask: Modeling the potential for face mask use by the general public to curtail the COVID-19 pandemic Steffen E.Eikenberry et al.
- Notice of Retraction: Effectiveness of Surgical and Cotton Masks in Blocking SARS-CoV-2 Seongman Bae et al

Zur Aussage des Beschlagens der Brille habe ich mich nicht geäußert, da ich als Nichtbrillenträger dazu schlicht nichts sagen kann.

Freies Moria vor 17 Wochen

Eine Landes-Regelung, die der Bundes-Regelung (StVO) zuwiderläuft ist schon ein Alarmsignal zum Grad der Sinnfreiheit der Corona-Maßnahmen.
Kompetenzfreiheit ist offensichtlich in Mode, und alle halten es für normal, eine Handvoll Forenteilnehmer mal ausgenommen.
Auch die Medien scheinen es für normal zu halten, wenn man in Sachsen sowohl mit Maske als auch ohne Maske im Auto eine Ordnungswidrigkeit begeht und damit Autofahren effektiv immer ein Vergehen ist.
Von der Justiz will ich gar nicht erst reden - wo sind die Anwälte, Staatsanwälte und Richter, alle Teil der Rechtspflege, die sich kritisch zu Wort melden?

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