Pandemie Sachsen will Corona-Warn-App zur Kontaktverfolgung nutzen

In Sachsen können die Menschen bald ihre Kontaktdaten digital hinterlassen, auch das Einchecken bei Veranstaltungen soll damit möglich sein - mit der Corona-Warn-App. Der Freistaat geht damit einen anderen Weg als viele andere Bundesländer, wo die Luca-App zu Einsatz kommt. Die Grünen begrüßen den Schritt.

Corona-Warn-App mit Check-in-Funktion
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Sachsen ermöglicht als erstes Bundesland den rechtssicheren Einsatz der Corona-Warn-App zur digitalen Kontaktverfolgung bei Veranstaltungen, in Geschäften und anderen Einrichtungen. Sozialministerin Petra Köpping sagte, der Einsatz werde empfohlen, sei aber nicht verpflichtend. Geschäfte und Gaststätten könnten auch andere digitale Systeme nutzen oder die Kontaktdaten auf Papier dokumentieren. Die Empfehlung ist in der neuen Corona-Schutzverordnung verankert, die am 10. Mai in Kraft treten soll. Voraussetzung für die Nutzung in Geschäften und bei Veranstaltungen ist eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100.

Wie funktioniert die Kontaktverfolgung mit der Corona-Warn-App?

Die überarbeitete Corona-Warn-App bietet seit kurzem eine anonyme Check-in-Funktion. Wer auf den Button in der App klickt, erhält beim ersten Aufruf eine kurze Erklärung sowie Details zum Datenschutz. Über den blauen Button muss der Nutzer sein Einverständnis bestätigen. In der Ansicht "Meine Check-ins" lassen sich dann QR-Codes mit der Smartphone-Kamera einscannen. Außerdem werden in der Übersicht alle Check-ins mit entsprechenden Informationen aufgelistet.

Luca-App: Schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung im Austausch mit den Gesundheitsämtern.
Auch andere Anwendungen - wie hier die Luca-App - sollen in Sachsen für die Kontakverfolgung bei Veranstaltungen oder beim Einkaufen eingesetzt werden können. Bildrechte: imago images/Arnulf Hettrich

Veranstalter oder Händler, die einen QR-Code zum Check-in erstellen möchten, finden die entsprechende Funktion auf dem Startbildschirm der Corona-Warn-App. Sie müssen zunächst eine entsprechende Kategorie auswählen wie Einzelhandel, Handwerksbetrieb oder Gastronomiebetrieb. Auch eine Beschreibung, Ort, Start- und Enddatum sowie die Check-in-Dauer eines Gastes lassen sich festlegen.

Staatskanzlei: Eine Registrierung pro Hausstand ausreichend

Die App erstellt dann einen QR-Code, der sich nicht nur auf dem Smartphone selbst darstellen lässt, sondern auch als PDF versendet und ausgedruckt werden kann. Wer ein Event veranstaltet, kann den QR-Code dann beispielsweise am Eingang anbringen, sodass Gäste beim Einlass per App-Scan einchecken. Wie die Staatskanzlei auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, reicht es bei Personengruppen aus einem Hausstand grundsätzlich aus, wenn eine Person die Kontakterfassung mit der Corona-Warn-App durchführt. Falls möglich, sollte aber jede Person aus diesem Hausstand die Kontaktdaten über die App hinterlassen.

Grüne: "Sachsen geht mutig voran"

Die Grünen im Landtag begrüßten den Schritt. Sachsen gehe einen mutigen Schritt nach vorn, sagte der Sprecher für Netztpolitik und Digitalisierung, Daniel Gerber: "Die anderen Länder sollten diesem Beispiel ebenfalls folgen, wie es unter anderem auch die Konferenz der Datenschutzbehörden von Bund und Ländern empfiehlt." Die Vorteile liegen für den Grünen-Politiker auf der Hand. Die Corona-Warnapp sei sicher, datensparsam und sei bereits mehr als 27 Millionen Mal heruntergeladen worden.

Smartphone mit geöffneter Luca-App
Die Luca-App ist bei Datenschützern in die Kritik geraten Bildrechte: MDR THÜRINGEN

In vielen anderen Bundesländern ist dagegen bereits die Luca-App im Einsatz. Nur Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen setzen das System nicht landesweit ein, der sächsische Grünen-Politiker Gerber meint, zu Recht: "Die langen Diskussionen rund um die Luca App in den letzten Wochen mündeten zuletzt in einer gemeinsamen Stellungnahme von über 70 IT-Sicherheitsforschenden, welche gravierende Sicherheitsmängel und Unsicherheiten beim Einsatz des Luca-Systems anführen."

Ergebnisse von Schnelltests und bald digitaler Impfausweis

Auch die Ergebnisse von Schnelltests kann die Corona-Warn-App seit dieser Woche anzeigen. Mit der neuen Version könnten Nutzerinnen und Nutzer ihre Mitmenschen nun noch schneller warnen und Infektionsketten noch schneller unterbrechen können, teilten die Entwickler mit. Perspektivisch ist die App zudem als digitaler Impfausweis vorgesehen. Noch vor Beginn der Sommerferien soll ein digitales Impfzertifikat angezeigt werden können. Anwender könnten damit nachweisen, dass sie vollständig geimpft worden sind.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 04. Mai 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Freies Moria vor 23 Wochen

Ich finde es eine unnötige Zumutung, daß ich überall Daten hinterlassen muß.
Es ist im Infektionsfall selbstverständlich meine Aufgabe möglicherweise infizierte Menschen anzugeben - aber deswegen müssen nicht alle anderen Menschen wissen wo ich war und was ich mache. Das gilt gerade weil ich nichts zu verbergen habe - es ist Teil meiner Freiheit!
Positiv an der Nachricht ist nur, daß Sachsen gemerkt hat, was für ein Problembündel in der Luca-App lauert - wer dafür Geld ausgegeben hat, hat Mittel des Steuerzahlers verschwendet, das ist mittlerweile klar!

Uwe G vor 23 Wochen

Ich finde es sehr sinnvoll die neuen Funktionen in die App zu integrieren und hoffe die anderen Bundesländer ziehen nach, damit kein Hickhack aus verschiedenen Apps entsteht, wenn man in ein anderes Bundesland reist. Es ist ja wohl das naheliegendste die App der Bundesregierung und des RKl zu verwenden.

MDR-Team vor 23 Wochen

Hallo,

Das kannst du im App-Store einsehen. Aktuell benötigt die Corona-Warn-App mindestens ein iPhone Modell mit iOS 13.5


Beste Grüße
MDR SACHSEN

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