Corona-Maßnahmen Dresdner Veranstalter: 500.000 Euro Schaden durch Weihnachtsmarktabsage

Die Corona-Lage in Sachsen spitzt sich weiter zu. Damit Kontakte reduziert werden, sollen auch in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte ausfallen. Für die Betreiber dieser Märkte ist das eine Hiobsbotschaft. Der Dresdner Veranstalter Holger Zastrow sieht die Branche vor großen Herausforderungen und beklagt einen Vertrauensbruch durch die Landesregierung. Dass die Absage der Märkte die Corona-Situation verbessert, glaubt er nicht.

Ein Mann mit graumeliertem Haar und rahmenloser Brille schaut nachdenklich über den Platz.
Die Entwicklungen der vergangenen Tage haben Holger Zastrow nachdenklich gemacht. Bildrechte: Daniel Förster

Seit Freitagabend steht es fest: Auch in diesem Jahr sind in Sachsen keine Weihnachtsmärkte erlaubt. Die dramatische Corona-Lage lasse das nicht zu, begründete die Landesregierung ihre Entscheidung. Einer, der das nicht verstehen kann, ist der Dresdner FDP-Politiker und Agenturbetreiber Holger Zastrow. Mit seiner Firma "Plan de Saxe" veranstaltet er sowohl den Augustusmarkt auf der Dresdner Hauptstraße als auch den Canaletto-Markt in Pirna.

Ich bin sehr enttäuscht. Sowas Ignorantes und Unsensibles habe ich noch nicht erlebt.

Holger Zastrow Weihnachtsmarktveranstalter

In der Pressekonferenz habe sich gezeigt, "wie unwichtig dem Ministerpräsidenten unsere Weihnachtskultur" ist. "Er hat mit keinem Wort darüber gesprochen und es stattdessen Herrn Dulig überlassen." Der Schaden, der ihm entstanden ist, sei hoch. Zastrow beziffert ihn für beide Märkte auf 500.000 Euro.

Geschlossene Weihnachtsmarktbuden in weißem Gewand stehen in einer Fußgängerzone hintereinander aufgereiht.
Normalerweise wären auf dem Augustusmarkt in Dresden bald Besucherinnen und Besucher von Stand zu Stand gelaufen und hätten die Adventszeit genossen. Stattdessen bleibt nun alles zu und wird wieder abgebaut. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß

Vertrauen in die Regierung erschüttert

"Der Weihnachtsmarkt in Pirna ist komplett aufgebaut und der Augustusmarkt in Dresden befindet sich in den letzten Zügen. Ich habe auf die Zusage des Ministerpräsidenten vertraut und investiert. Hinzu kommen Kosten für Außenwerbung und Anzeigen. Die sind alle gebucht und werden erscheinen", erklärt Zastrow, der auch Auswirkungen auf seine Geschäftsbeziehung zu Schaustellern oder Künstlern befürchtet.

Händler wollen nicht mehr auf Weihnachtsmärkte

"Die haben wir gern engagiert und müssen ihnen nun leider absagen." Ähnlich sei das bei den Händlern. "Es ist schwer gewesen, überhaupt noch Händler für den Weihnachtsmarkt zu gewinnen. Die erneute Absage der Märkte wird in der Zukunft nicht ohne Folgen bleiben."

Neben Wut und Trauer zeigt sich Holger Zastrow aber auch kämpferisch:

Ich sehe den Ministerpräsidenten und seine Regierung persönlich in der Haftung. Seit dem Sommer hat Michael Kretschmer immer gesagt, dass die Weihnachtsmärkte stattfinden. Selbst in der Verordnung vor anderthalb Wochen waren sie noch drin. Es gab zwar Auflagen, aber sie waren möglich.

Holger Zastrow Weihnachtsmarktveranstalter

Weiter fügt Zastrow an: "Im Glauben an die Zusagen des Freistaates haben wir unsere Verträge geschlossen. Wir haben der Regierung vertraut, aber dieses Vertrauen wurde jetzt vorsätzlich gebrochen."

Ein Riesenrad am Eingang einer Fußgängerzone, das eingezäunt ist.
Das Riesenrad zählt zu den Attraktionen auf dem Augustusmarkt. Es muss voraussichtlich ebenfalls wieder weichen, ohne dass ein Fahrgast damit gefahren ist. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß

Zastrow: Aktuelle Hilfsprogramme reichen nicht aus

Die von Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) ins Spiel gebrachte Überbrückungshilfe III Plus, ein Hilfsprogramm des Bundes, reiche in dieser schwierigen Situation nicht aus. "Für mich ist das erschreckend, weil Herr Dulig aktuell auf ein Programm verweist, das für Händler, Gastronomen und Schausteller die Insolvenz bedeuten würde." Gegenwärtig würden nur die Fixkosten erstattet, das sei zu wenig.

"Das Programm muss wieder so gestaltet werden, wie es bis August gewesen ist. Dort waren die Veranstaltungsausfallkosten enthalten. Das hat uns gerettet. Nur deshalb konnten wir in diesem Jahr überhaupt wieder die Weihnachtsmärkte aufbauen", stellt Zastrow klar. Die Hoffnung, dass es ab 12. Dezember, wenn der Lockdown nach derzeitigem Stand endet, noch losgehen könnte, hat er nicht: "Das ist keine Option. Ich kann niemandem zumuten, dass er so lange in Wartestellung bleibt."

90 Prozent der Dresdner Hotels ausgebucht

Neben den Märkten an sich weist der Weihnachtsmarktveranstalter auch auf weitere Schäden hin. "Ich weiß von der Dresden Marketing GmbH, dass 90 Prozent der Dresdner Hotels in der Weihnachtszeit ausgebucht waren. Auch das fällt weg." Die Frage sei zudem, was die Menschen stattdessen täten.

Scheune statt Weihnachtmarkt

"Bei uns auf dem Weihnachtsmarkt hätte es an der frischen Luft einen kontrollierten Anlaufpunkt mit genehmigten Hygienekonzepten gegeben. Sogar 2G wäre - wenn auch ohne Begeisterung - gegangen. Zudem waren wir bereit, noch ein Impf- und Testzentrum zu installieren." Trotz der verbotenen Weihnachtsmärkte gebe es das Bedürfnis, sich zu sehen. Rhetorisch fragt Holger Zastrow:

Klar sind die Intensivstationen überlastet, aber ist uns jetzt geholfen, wenn sich die Menschen in der Garage oder in der Scheune treffen?

Holger Zastrow Weihnachtsmarktveranstalter

Sorge ums Weihnachtsland Sachsen

Er habe Sorge, dass die Weihnachtskultur in Sachsen verloren geht. Sachsen habe eine hohe Dichte an Weihnachtsmärkten. Das Erzgebirge mit den vielen kleinen Handwerkern, die schon im Frühjahr anfangen, für Weihnachten zu produzieren, sei das authentische Mutterland - und in Dresden kulminiere alles. Weihnachten sei für ihn ein Herzensthema, zwar nicht vom Religiösen, aber vom Brauchtum her.

"Ich habe den Striezelmarkt vor zwölf Jahren neu designt. Dazu bin ich kreuz und quer durch Deutschland gefahren, um zu recherchieren. Diese Begeisterung fürs Weihnachtsland sehe ich bei Michael Kretschmer, Wolfram Günther und Petra Köpping nicht."

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 22. November 2021 | 08:00 Uhr

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