FAQ Wie geht es trotz Corona an den Schulen in Sachsen weiter?

Sachsen will nach den Sommerferien den Regelbetrieb an den Schulen fortsetzen. Erneute Schulschließungen soll es laut Kultusministerium zunächst nicht geben. Auch eine flächendeckende Anschaffung von Luftfiltern ist nicht geplant. Wie der Freistaat die Öffnung der Schulen gewährleisten will und was die Schülerinnen und Schüler erwartet? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Luftreinigungsfilter in einem leeren Klassenzimmer
Bildrechte: imago images/Bernd Friedel

Bleiben die Schulen in Sachsen auch bei gestiegenen Infektionszahlen offen?

Kultusminister Christian Piwarz möchte die Schulen möglichst offen halten. Bei stark steigenden Infektionszahlen kann es zu einzelnen Schließungen kommen, diese sollen aber nicht flächendeckend sein. In den ersten beiden Wochen nach den Ferien sollen - abhängig von der Inzidenz - Schüler und Schulpersonal zwei bis dreimal wöchentlich getestet werden. Auch eine Maskenpflicht in den Schulgebäuden soll in den ersten beiden Schulwochen gelten, im Unterricht an weiterführenden Schulen aber nur dann, wenn die Inzidenz wieder stärker steigt. Ab einer Inzidenz von 100 ist wieder Wechselunterricht geplant.

Werden in Sachsens Schulen Luftfilter installiert?

Sachsen plant derzeit keine flächendeckende Installation von Luftfiltern an den Schulen. Wie das Kultusministerium MDR SACHSEN mitteilte, wird die Anschaffung mobiler Luftfilter durch die Träger der Schulen begrüßt, wenn die Klassenräume nur schlecht gelüftet werden können. Einige Kommunen haben schon Luftfilter an Schulen eingebaut, etwa im Erzgebirge. Spezielle Förderprogramme seien in Sachsen aber nicht geplant.

Ministeriums-Sprecher Dirk Reelfs verweist auf die Einschätzungen des Umweltbundesamtes. Danach sind die Luftfilteranlagen vor allem in Unterrichtsräumen mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit sinnvoll. Da mobile Luftreinigungsgeräte nicht das in Klassenräumen anfallende Kohlendioxid (CO2) und den Wasserdampf aus der Raumluft entfernten, könnten "sie nicht als vollständiger Ersatz für Lüftungsmaßnahmen eingesetzt werden". Das Amt empfehle daher "die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme".

Warum gibt es dann Geld für mobile Luftfilter vom Bund?

Die Bundesregierung will den Ländern insgesamt 200 Millionen Euro für den Einbau mobiler Luftfilter zur Verfügung stellen, für Sachsen werden etwa zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen. Antragsberechtigt sind aber nur Einrichtungen, in denen Kinder unter 12 Jahren betreut werden, weil ihnen in absehbarer Zeit kein Impfangebot gemacht werden kann. Gefördert wird die Anschaffung von mobilen Luftfiltern außerdem nur für Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit. Das Kultusministerium in Sachsen geht jedoch davon aus, dass derartige Räume in Pandemiezeiten aufgrund der ungünstigen Belüftungsmöglichkeit ohnehin nicht oder kaum genutzt wurden und werden.

Bisher gab es nur eine bundesweite Förderung für festverbaute Anlagen. Dafür werden bis zu 500.000 Euro gezahlt. Das Geld ist allerdings auch hier begrenzt auf Einrichtungen für Kinder bis zwölf Jahre, da für diese Altersgruppe bisher kein Corona-Impfstoff zugelassen ist.

Wie sollen die Lernrückstände an den Schulen aufgeholt werden?

Um Lernlücken nach Corona aufzuholen, sind nach Angaben des Kultusministeriums die Lehrpläne für das kommende Schuljahr anpasst und Inhalte gestrichen worden. Zudem sind zusätzliche Lernangebote geplant. Sachsen erhält dafür aus dem von Bund und Ländern vereinbarten Aktionsprogramm "Aufholen nach Corona" insgesamt 47,5 Millionen Euro und ergänzt das Programm in gleicher Höhe. Mit dem Geld sollen vor allem Förder- und Nachhilfeangebote ab dem kommenden Schuljahr bezahlt werden. Einzelne Schülerinnen und Schüler oder Schülergruppen können laut Ministerium Nachhilfe innerhalb der Schule oder gebündelt an Volkshochschulen oder von Nachhilfeorganisationen erhalten. Außerdem werden zum Abbau von Lernrückständen die Mittel für Ganztagsangebote in Sachsen um 15 Millionen Euro auf rund 63 Millionen Euro aufgestockt.

Zum Abbau von Lerndefiziten sollen im kommenden Schuljahr auch mehr als 250 weitere Stellen für Schulassistentinnen und -assistenten besetzt werden. Die Stellenausschreibungen laufen. Die Schulassistenten sollen die Lehrkräfte unterstützen, indem sie einzelnen Schülerinnen und Schülern oder Schülergruppen außerhalb des Unterrichts oder in Ergänzung zur Stundentafel helfen und sie begleiten.

Wird es eine Sommerschule geben, um Lernrückstände aufzuholen?

Nein, es gibt aber verschiedene Angebote in den Sommerferien. Schülerinnen und Schüler, die den regulären Schwimmunterricht des Schuljahres 2019/2020 als Nichtschwimmer beendet haben, sollen ein Angebot zur Teilnahme an einem Schwimmkurs erhalten. Diese Kurse sollen in den Sommerferien beginnen, jedoch ebenso darüber hinaus angeboten werden. Die Schüler erhalten dafür Gutscheine. Grundschüler des aktuellen Schuljahres 2020/2021 sollen zunächst nach den Sommerferien weiter regulären Schwimmunterricht erhalten. Falls dies nicht ausreichen sollte, sollen auch sie entsprechende Angebote bekommen, aber frühestens zum Ende dieses Jahres.

In den Sommerferien gibt es auch die "Offensive Ferienpraktika". Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schularten, die wegen der Pandemie nicht die Möglichkeit hatten, das reguläre Betriebspraktikum in der Sekundarstufe I zu absolvieren.

Welche Erfahrungen haben die Schulen in der Pandemie mit der Digitalisierung gemacht?

Laut Kultusministerium hat die Pandemie für einen enormen digitalen Schub an den Schulen gesorgt. Die Schule nach der Pandemie werde eine andere sein als vorher, hieß es. Corona habe auch gezeigt, dass Schule nicht nur an der Schule stattfinden müsse. "Das Angebot ließe sich durch außerschulische Lernorte ausbauen", teilte das Ministerium MDR SACHSEN mit. "Gerade bei höheren Klassen stellt sich doch die Frage, was in der 5. oder 6. Stunde für einen Teil der Klasse mit digitaler Hilfe zu Hause erlernbar ist – während der andere Teil im Unterricht verbleibt." Über die Vorteile für Lehrer und Schüler durch einen solchen "Maßnahmenmix" müsse nach der Pandemie intensiv gesprochen werden.

Quelle: MDR/kb

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