Impfzentren Trend hält an: Viele gehen nicht zur Corona-Zweitimpfung

In den sächsischen Impfzentren waren vergangene Woche knapp 7.000 Termine für Zweitimpfungen nicht wahrgenommen worden – stellte das DRK fest. Und der Trend hat sich nun sogar verstetigt. DRK-Sprecher Kai Kranich wirbt nachdrücklich darum, dass die Menschen die zweite Impfung auch wirklich wahrnehmen.

Impftermin Corona
Viele Sachsen erscheinen nicht zu ihrem Zweittermin im Impfzentrum. Bildrechte: Colourbox.de

Eins steht mittlerweile fest: Am guten Wetter der vergangenen Woche allein lag es nicht, dass 7.000 Menschen in Sachsen nicht zur Zweitimpfung erschienen waren. Denn nach wie vor tauchten viele einfach nicht zum zweiten Termin auf, berichtet Kai Kranich, Sprecher des DRK Sachsen: "Der Trend setzt sich leider fort. Tatsächlich ist die Zahl gestiegen und wir haben in der Spitze an manchen Tagen in einzelnen Impfzentren bis zu 15 Prozent an Zweitimpfterminen, die nicht angetreten oder storniert worden sind."

Warum lassen viele die Impfung ausfallen?

Kai Kranich, Sprecher DRK Sachsen
Kai Kranich, Sprecher DRK Sachsen Bildrechte: Kai Kranich

Ein Trend, der sich durch alle Impfzentren ziehe. Aber warum lassen viele die so wichtige zweite Impfung einfach ausfallen? Ein Impfzentrum sei dem nachgegangen und hat die Nichterschienenen angerufen, erzählt Kai Kranich: "Die Antworten, die wir da gehört haben, waren tatsächlich frappierend, machen uns sehr nachdenklich – es waren dann Antworten darunter wie: 'Ich war im Garten an dem Tag, es war so schön sonnig.'" Dass es einfach vergessen worden sei, sei dabei noch die harmloseste Variante gewesen.

Sorglosigkeit durch niedrige Inzidenzen

Jetzt sei es wichtig, die Menschen zu informieren, wie gut die Impfung wirke und wie wichtig die zweite Dosis sei, sagt Kranich. Wachrütteln müsse man. Das sieht auch Simone Lang, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, so.

(K)ein Ende der Pandemie

Simone Lang
Simone Lang, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Bildrechte: Stefan Kraft

Die öffentliche Informationskampagne reiche aber nicht: "Ich bin der Meinung, dass wir noch mehr tun müssen als die Impfkampagne." Die komme an ihre Grenzen. "Wir müssen auch mehr im Freundes- und Bekanntenkreis dafür werben – sodass das, was wir jetzt Normalität nennen, auch Normalität bleibt."

In den Augen von Alexander Dierks, dem gesundheitspolitischen Sprecher der CDU, wird genau diese Normalität zum Verhängnis. Denn die mache die Menschen sorgloser. Er habe den Eindruck, dass durch die sinkenden Inzidenzzahlen und die zurückkehrende Normalität das Problembewusstsein mit Blick auf die Pandemie abnehme. "Deswegen müssen wir jetzt alles dafür tun, die Impfbereitschaft hochzuhalten beziehungsweise weiter zu steigern."

Impfbereitschaft hochhalten

Von sinkender Impfbereitschaft will Alexander Dierks dagegen nicht sprechen. Die sieht auch die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen nicht. Sie teilt auf Anfrage mit, dass in den Praxen fast alle Zweittermine wie geplant durchgeführt werden. Zusätzlich meldeten sich dort viele, die ihre erste Dosis im Impfzentrum bekommen haben. Das sei eigentlich nicht vorgesehen, sagt Kai Kranich vom DRK. Er würde sich freuen, wenn die Liste der nicht wahrgenommenen Termine kürzer würde, sagt Kranich: "Ich kann hier jetzt erst mal nur appellieren, dass alle, die in Zukunft sagen, 'mir passt der zweite Impftermin nicht' – dass die ihn entweder stornieren oder unsere Hotline anrufen und fragen, ob denn eine Verschiebung auf einen Tag später möglich ist."

Was passiert, wenn Sie die Corona-Zweitimpfung weglassen?

Wenn aber zu viel Zeit zwischen erster und zweiter Spritze verstreicht, wirkt die Impfung eventuell nicht. Wer seinen Termin also tatsächlich vergessen hat, sollte sich deshalb an den Hausarzt oder die Hausärztin wenden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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