Hörer machen Programm Sachsen plant keinen neuen Abschalttermin für UKW

Jan Kröger, Moderator und Redakteur
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Die Nutzung von UKW für das Empfangen von Radioprogrammen geht immer weiter zurück. Eigentlich sollte die Ultrakurzwelle in Sachsen deswegen 2025 abgeschafft werden. Dieser Termin wurde nun abgesagt, einen neuen gibt es nicht. Warum das so ist, wollte unser Hörer Bertram Zetzsche wissen.

Radio UKW
Auch nach 2025 werden die Menschen in Sachsen Radio über UKW empfangen können. Bildrechte: imago images/Addictive Stock

Federführend für das Privatrundfunkgesetz in Sachsen ist Medienminister Oliver Schenk. Den Abschalttermin für UKW zu streichen, das bezeichnet er als Zugehen auf die Radiosender. Für die ging es nach Aussage von Schenk ums Existenzielle: ihre Werbeeinnahmen.

Werbung werde danach bezahlt, wie viele Hörer man habe, erklärt Schenk. Wenn man jetzt eine Technologie wie UKW abschalte, die heute sehr breit genutzt werde, und auf einen neuen Standard umstelle, der in der Bevölkerung noch nicht so weit genutzt werde, dann komme automatisch weniger Geld in die Kasse. "Und das ist ein Problem für eine Branche, die jetzt in der Pandemie ohnehin schon große Probleme hatte", sagt der Medienminister und Chef der Staatskanzlei in Dresden.

DAB+-Abdeckung in Sachsen bei bis zu 99 Prozent

Dabei steht Sachsen beim Ausbau von DAB+ gar nicht schlecht da. Das sagt Niels Schulze, Abteilungsleiter Programmverbreitung beim MDR – mit Blick auf die Bilanz fürs erste Halbjahr 2021. Der MDR habe drei neue Standorte in Betrieb genommen, zwei davon in Sachsen, in Zittau und Görlitz. "Damit haben wir eine Netzabdeckung von 99 Prozent in der Fläche für den mobilen Empfang und 89 Prozent für den Empfang im Gebäude." Damit gehöre Sachsen, aber auch Mitteldeutschland insgesamt, zu den bundesweit am besten ausgebauten Regionen.

Sachsen will sich auf keinen Abschalttermin festlegen

Doch die Netzabdeckung beschreibt nur, wo DAB+ verwendet werden kann – nicht aber, ob es auch wirklich genutzt wird. Diese Zahlen erfassen die Landesmedienanstalten.

Ein Digitalradio wird bedient
Immer mehr Menschen hören Radio nicht mehr über UKW, sondern über DAB+. Bildrechte: MDR/Stephan Flad

In Mitteldeutschland steht demnach mittlerweile in fast jedem dritten Haushalt ein DAB+-Gerät. UKW ist noch immer deutlich die beliebteste Empfangsart, der Abstand sinkt allerdings Jahr für Jahr. Für Oliver Schenk ist das kein Argument für, sondern gegen einen neuen Abschalttermin.

Das werde sich über den Markt in den nächsten Jahren entwickeln, welcher Standard sich durchsetze, meint Sachsens Medienminister: "Wir sehen heute über das Internet ja auch nochmal andere Angebote, gerade in der jungen Generation, die sehr stark auch Streaming-Radiodienste nutzt. Vor diesem Hintergrund werden wir jetzt erst einmal keinen fixen Termin festlegen wollen."

DAB+- und Interentradio-Nutzung nehmen zu

Die Zahlen der Medienanstalten geben Oliver Schenk durchaus Recht: 12,5 Prozent der Deutschen hören Radio hauptsächlich über DAB+, 16,6 Prozent übers Internet. Beide Werte sind im letzten Jahr um mehr als zwei Prozentpunkte gestiegen. Der UKW-Anteil ist auf 57,9 Prozent gesunken. Hier setzt MDR-Abteilungsleiter Niels Schulze an. Er leitet daraus eine Vorgabe für das Ende von UKW ab: "Nach unserer Auffassung sollten wir hier einen Wert von unter 50 Prozent bei der UKW-Nutzung erreichen, um dann in die Konkretisierung weiterer UKW-Ausstiegsszenarien einzusteigen."

Das Gesetz, das keinen konkreten Termin mehr dafür nennt, hält aber auch Niels Schulze derzeit für richtig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. September 2021 | 08:21 Uhr

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