Preisverleihung Sächsischer Förderpreis für Demokratie vergeben

Zwei Initiativen aus Pirna und Plauen sind mit dem diesjährigen Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet worden.

Zum 15. Mal ist am Montagabend im Staatsschauspiel Dresden der Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen worden. Initiatoren des Preises sind die Amadeu Antonio Stiftung, die Freudenberg Stiftung und die Sebastian-Cobler-Stiftung. Mit dem Preis werden Projekte ausgezeichnet, die sich gegen Rechtsextremismus in Sachsen richten. Eine Jury mit Vertretern der auslobenden Stiftungen, Wissenschaft, Politik, Medien und Kunst wählte im Oktober aus 52 Bewerbungen acht Projekte aus, die für den Preis nominiert wurden. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben:

  1. Projektpreis (Hauptpreis, mehrere Anerkennungspreise)
  2. Kommunenpreis
  3. Sonderpreis "Peter Henkenborg Preis für die Didaktik der Demokratie"

Zwei Hauptpreise beim Sächsischen Förderpreis für Demokratie

Die Jury entschied sich 2021, zwei Hauptpreise zu vergeben, die mit jeweils 3.000 Euro dotiert sind. Den ersten Hauptpreis erhält eine Initiative aus Pirna. Unter dem Namen "bring back our neighbours" hatten sich Menschen aus Pirna zusammengefunden, um spontan gegen die Abschiebung einer Familie aus Georgien zu protestieren. Nach der Abschiebung organisierte die Initiative Proteste und hatte damit Erfolg. Heute lebt die Familie wieder in Pirna.

Den zweiten Hauptpreis verlieh die Jury an den Plauener Verein "colorido e.V.". In diesem Verein organisieren verschiedene Menschen aus Plauen und dem Vogtland Proteste gegen rechtsextreme Strukturen. Gleichfalls setzen sie sich mit künstlerischen und kulturellen Angeboten für eine Stärkung der Demokratie ein. Nach Angaben des Sächsischen Justizministeriums steht colorido damit beispielhaft für viele Vereine in Sachsen, die Engagement zeigen und sich nicht durch lokale rechtsextremistische und rechtspopulistische Akteure oder mangelnde Unterstützung aus der Politik entmutigen lassen. Anerkennungspreise, jeweils dotiert mit 1.000 Euro, erhielten der CSD Chemnitz e.V., der Roter Baum e.V., der SAfT e.V. und das Projekt "spreu x weizen" der Rederei aus Dresden.

Hoyerswerda erhielt Kommunenpreis

Der Kommunenpreis 2021 ging an die Stadt Hoyerswerda. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh nahm den Preis stellvertretend für Stadtverwaltung und zahlreiche engagierte Bewohnerinnen und Bewohner entgegen. Vorbildlich hat sich die Stadt für eine Aufarbeitung der rassistischen Pogrome vor 30 Jahren eingesetzt. In den früheren Jahren nach der Wende herrschte kein Klima der Aufarbeitung. Nun finden Anwohnerinnen und Anwohner den Mut, ganz offen über die Geschehnisse zu sprechen. Migrantinnen und Migranten, die damals in Hoyerswerda lebten, wurden zu Veranstaltungen eingeladen und konnten ihre Erlebnisse schildern. Die Jury würdigt den Wandel in der Stadt und will mit der Auszeichnung den eingeschlagenen Weg unterstützen.

Mahnmal gegen Auslaenderfeindlichkeit in Hoyerswerda
Die Stadt Hoyerswerda erhielt 2021 den Kommunalpreis. Bildrechte: dpa

Erstmals verliehen: Peter-Henkenborg-Preis

Mit dem "Peter-Henkenborg-Preis" vergaben die auslobenden Stiftungen und das Sächsische Justizministerium in diesem Jahr erstmals einen neuen Sonderpreis. Benannt nach dem 2015 verstorbenen Didaktik-Professor der TU Dresden, Peter Henkenborg, wurden Projekte gesucht, die sich durch innovative und herausragende Ansätze in der politischen Bildung auszeichnen. Der erste "Peter-Henkenborg-Preis für die Didaktik der politischen Bildung" ging an den Verein ASA FF e.V. aus Zwickau für das Projekt "Offener Prozess". In dem Projekt wurde unter anderem ein Methodenhandbuch entwickelt, das Impulse für politische Bildung und Erinnerungsarbeit im Kontext der Aufarbeitung des NSU-Komplex bietet. Die Vermittlung der Perspektiven der Betroffenen erhält darin einen besonderen Fokus.

Die Sächsische Justizministerin Katja Meier (Grüne) sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag für die Gestaltung politischer Bildung. "Die juristische und strafrechtliche Aufarbeitung der NSU-Taten ist von enormer Bedeutung. Unsere Auseinandersetzung mit rassistischer Gewalt und ihren Auswirkungen muss jedoch darüber hinausgehen. Sie muss alle Seiten der Zivilgesellschaft einbeziehen." Die Kompetenz und Kreativität des Zwickauer Vereins ASA FF e.V. und dessen Projekt "Offener Prozess" habe nicht nur die Jury, sondern auch sie beeindruckt. "Gerade gegenüber den Opfern des rechtsextremen Terrors des NSU zeigt das Projekt eine große empathische Haltung in der Tiefe der Auseinandersetzung und der Vielfalt der Methoden."

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 08. November 2021 | 16:30 Uhr

3 Kommentare

dimehl vor 2 Wochen

Das Signal ist vergleichbar mit dem, welches von den Vorgängen rund um die letzte Thüringer Landtagswahl ausging:
die Ergebnisse demokratischer Wahlen und rechtsstaatlicher Verfahren werden nur dann akzeptiert, wenn sie wunschgemäß sind.
Ob den Verleihern und Empfängern des Preises bewusst ist, das eine funktionierende Demokratie einen funktionierenden Rechtsstaat voraussetzt ?
Wie wirkt es sich auf Rechtssicherheit und Rechtsvertrauen aus, wenn der Eindruck entsteht, dass selbst letztinstanzliche Urteile revidiert werden können,
wenn nur von der richtigen Seite lautstark genug protestiert wird ?

dimehl vor 3 Wochen

Über die georgische Familie wurde sehr umfangreich und mehrfach in der Sächsischen Zeitung berichtet.
Diese georgische Familie wurde nicht einfach so willkürlich abgeschoben.
Es gab ein rechtsstaatliches Verfahren über mehrere Instanzen.
Am Ende dieses Verfahrens stand das Ergebnis,
das es einfach keinen Grund gibt, der dagegenspricht,
dass diese Familie einfach wieder in ihre Heimat zurückkehrt.
Für die Rückgängigmachung dieser rechtsstaatlichen Entscheidung gibt es jetzt einen Demokratiepreis.
Das Signal, welches von dieser Preisverleihung ausgeht, ist verheerend.

Altmeister 50 vor 3 Wochen

Aus meiner Sicht sind das Preise für Gratismut und Konformität.

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