Streckenausbau Bahn will in Sachsen Rekordsumme investieren - Riesiger Aufholbedarf

Jahrzehntelang hat sich die Deutsche Bahn mit Blick auf einen angestrebten Börsengang Investitionen in ihre Anlagen abseits der Hochgeschwindigkeitsstrecken gespart. Seit einiger Zeit hat sich die Stimmung im Berliner Bahntower geändert und der bundeseigene Verkehrskonzern investiert wieder und stockt die Belegschaft auf. In diesem Jahr soll auch Sachsen so stark davon profitieren, wie noch nie. Im Freistaat werden aktuell gerade einmal gut eine Handvoll Bahnhöfe vom Fernverkehr angesteuert.

Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr in Sachsen rund 690 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren. Mit dem Geld sollen 110 Kilometer Gleise, 105 Weichen und 16 Brücken erneuert werden. Insgesamt verfügt Sachsen über ein Streckennetz von 2.600 Kilometern.

Barrierefreie Zugänge für Bahnstationen

Auch 40 Bahnhöfe und Haltepunkte sollen modernisiert werden. Dabei geht es häufig darum, barrierefreie Zugänge zu schaffen. Hierbei werden auch Forderungen der EU nach diskriminierungsfreier Mobilität für Behinderte und Menschen mit Handicap umgesetzt.

Unter anderem werde in diesem Jahr am Hauptbahnhof Dresden, in Borna und in Flöha gebaut, hieß es. Am Dresdner Hauptbahnhof wird unter anderem das kaputte Teflondach repariert. In Flöha werden Bahnsteige erneuert und Aufzüge installiert - schon seit 2021 bis 2023. Auch in Borna wird seit 2021 gebaut, ein neuer Personentunnel errichtet und Bahnsteige saniert.

Modernisierung an Hauptstrecken

Weiter saniert werden auch die beiden Streckenästen der Sachsen-Franken-Magistrale. Auf der Strecke Dresden - Bogendreieck Werdau - Hof wird am Haltepunkt Dresden-Plauen sowie am Chemnitzer Bahnbogen gebaut. Auf der Strecke Leipzig - Bogendreieck Werdau - Hof werden zwischen Markkleeberg und Gaschwitz sowie bei Crimmitschau Gleise und Sicherungstechnik erneuert.

Sachsen-Franken-Magistrale Sachsen-Franken-Magistrale ist die eher umgangssprachliche Bezeichnung der beiden Strecken von Dresden nach Hof und von Leipzig nach Hof, die sich am Bogendreieck Werdau vereinigen und als eine Strecke über Reichenbach und Plauen ins Oberfränkische führen. Im Kursbuch betrifft das Fahrplantabellen 510 und 501.5.

Auf schmaler Spur Zuglegende SVT 4 min
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Ein weiteres Großvorhaben zu Modernisierung von Gleisen und Sicherungstechnik wird auf der Strecke Dresden - Leipzig fortgesetzt. Dort wird der Abschnitt Zeithain - Leckwitz erneuert, der bislang noch das Flair der DDR-Reichsbahn versprühte.

Die Bahn plant außerdem, ihr Personal in Sachsen aufzustocken. In diesem Jahr sollen 300 Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Fachkräfte für Ausbau und Instandhaltung eingestellt werden. Von mehr Servicepersonal für Fahrgäste vor Ort hat die Bahn nichts mitgeteilt.

Kaum Fernverkehr in Sachsen

In Sachsen werden derzeit lediglich sechs Bahnhöfe von Fernverkehrszügen bedient - Bad Schandau, Dresden Hauptbahnhof, Dresden-Neustadt, Riesa, Leipzig Hauptbahnhof und Flughafen Leipzig/Halle.

Im Sommer soll nach 16 Jahren Pause wieder Chemnitz dazukommen mit zwei täglichen Direktverbindungen nach Berlin - bezahlt vom Freistaat Sachsen. Das Ergebnis der Ausschreibung will der Verkehrsverbund Mittelsachsen Anfang März bekanntgeben. Sollte die Deutsche Bahn den Zuschlag erhalten haben, werden die Züge mutmaßlich über Freiberg fahren und dort halten. Sollte ein anderer Bieter zum Zug gekommen sein, könnte der Fernverkehr auch auf der kürzeren Strecke über Mittweida, Döbeln und Riesa rollen.

MDR (lam)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 14. Februar 2022 | 09:00 Uhr

2 Kommentare

andreas1058 vor 26 Wochen

Für Mitteldeutschland und besonders für den westsächsischen Raum mit der Stadt Chemnitz, bleiben wieder nur Krümel aus der "Investitionspulle" übrig. Die Vorstandsetage der DB, verantwortliche Politiker und Ministerialbeamte ignorieren weiterhin vorsätzlich die Region Chemnitz. Man kann keine durchdachte Strategie der DB erkennen. Überall nur Stückwerk. Diese Sanierungsmaßnahmen berücksichtigen nicht den angestrebten "Deutschlandtakt". Wo soll das nur noch hinführen?

Tante Droll vor 26 Wochen

Da gibt es noch viel mehr Investitionsbedarf. Das meiste im Text sind ja nur Erhaltungsinvestitionen.
Eine Elektrifizierung Richtung Osten scheint noch immer nicht geplant.
Die Bahn muss in Vorleistung gehen, dann kommen auch auf den mittleren und Nebenstrecken mehr Fahrgäste.

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