Leben im Alter Diakonie Sachsen verlangt grundlegende Pflegereform

Sachsens Diakonie mahnt eine grundlegende Struktur-und Finanzreform der Pflegeversicherung an. Dafür schlägt die kirchliche Einrichtung eine soziale Bürgerversicherung vor, in die alle Versicherten einzahlen und für die alle Einkunftsarten herangezogen werden sollten. Die Angehörigen bräuchten feste Eigenanteile über längere Zeiträume für die Pflege im Heim, sagte Diakoniechef Dietrich Bauer.

Eine Frau hält die Hand einer Seniorin
Die Diakonie in Sachsen fordert eine tiefgreifende Pflegereform. Bildrechte: colourbox.com

Die Reform der Pflegeversicherung muss kommen. Das hat Diakonie Sachsen am Dienstag noch einmal ausdrücklich verlangt. Nur so könne man eine gute Pflegequalität mit mehr Zeit für menschliche Zuwendung und genügend Personal gewährleisten, sagte Diakoniechef Dietrich Bauer. Die damit notwendigerweise steigenden Kosten müssten solidarisch getragen werden, meinte er.

Soziale Bürgerversicherung

Um die bisherige Unterfinanzierung der Pflege und den Fachkräftemangel zu beenden, regt der kirchliche Sozialträger eine soziale Bürgerversicherung an, die alle Versicherten mit einbezieht. Die Beitragspflicht sei auf alle Einkommensarten auszudehnen, sagte Bauer. Es brauche eine soziale Pflegeversicherung. Das bedeute etwa auch, dass privat und gesetzlich Versicherte gleichermaßen in einen Topf einzahlen.

Eine Pflegerin betreut einen älteren Mann
Den Pflegenotstand kann nach Ansicht der Diakonie Sachsen nur eine zusätzliche Versicherung beenden. Bildrechte: Colourbox.de

Familiäre Pflege unterstützen

Anders als die Diakonie Deutschland, die vor allem auf professionelle Pflege setzt, will die sächsische Diakonie die private Pflege stärken. Schon jetzt würden vier von fünf Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt, stellte Bauer fest. Daher ist die alleinige Fixierung auf einen Eigenanteil bei Heimplätzen aus Sicht der Diakonie Sachsen nicht zielführend. Die für die Pflege daheim notwendigen entlastenden Strukturen wie Tages- und Kurzzeitpflegen sowie ambulante Dienste müssten gestärkt werden, fordert der Diakoniechef.

Wir wollen die familiäre Pflege stärken und setzen dabei auf ein Pflegeunterstützungsgeld analog des Elterngeldes und eine höhere Honorierung der Pflegezeiten in der Rentenversicherung.

Dietrich Bauer Chef der Diakonie Sachsen

In Sachsen leben derzeit rund 250.000 Pflegebedürftige. Die Diakonie Sachsen versorgt nach eigenen Angaben in ihren Pflegeeinrichtungen und -diensten täglich rund 26.000 Menschen. "Es geht um mehr Zeit für Menschlichkeit", sagte Bauer. Pflegebedürftige sollten "mit der nötigen Zuwendung und Zeit gepflegt werden. Fachkräfte müssen mit der nötigen Sorgfalt, Fachlichkeit und Verantwortlichkeit ohne Stoppuhr im Nacken ihre Arbeit tun dürfen".

Faire Bezahlung und faire Kosten

Zu anspruchsvoller Pflege gehöre aber auch eine faire tarifliche Bezahlung des Personals sowie eine attraktivere Ausbildung, sagte Bauer. Auf der anderen Seite müsse die Pflege bezahlbar bleiben, Eigenanteile begrenzt und kalkulierbar sein. Dies sei ein wesentliches Thema für eine neue Bundesregierung. Eine weitere kleine Reform wie die jüngste brauche es nicht.

Quelle: MDR/bd/ma/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 27. Juli 2021 | 14:00 Uhr

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