Umfrage Preiswerter Wohnraum in sächsischen Ballungsgebieten Mangelware

Die Mietpreise haben in den vergangenen Jahren in Sachsen angezogen, vor allem in den Ballungsräumen. Probleme, eine Wohnung zu finden, haben daher Geringverdiener oder Bezieher von Hartz IV. Die Städte sehen die Lage aber im Gegensatz zur Diakonie entspannter. Dresden hat sogar soziale Zuschüsse gesenkt.

Thalysia-Höfe in Leipzig
In den sächsischen Ballungsräumen steigen die Kosten für die Miete kontinuierlich. Bildrechte: dpa

Für Langzeitarbeitslose wird aus Sicht der Diakonischen Werkes in Sachsen die Suche nach bezahlbarem Wohnraum immer schwieriger. In vielen Fällen seien die von der Kommune erstatten Kosten der Unterkunft (KdU) einfach zu gering, sagte die Referentin für Wohnungsnotfallhilfe, Rotraud Kießling. Besonders kritisch sei es in Städten wie Dresden, wo die KdU sogar noch gekürzt worden seien.

Bei der Wohnungsnothilfe der Diakonie werden Kießling zufolge aktuell mehr als 3.000 Fälle betreut, bei denen der Verlust der Wohnung droht oder bereits erfolgte.

Diakonie sieht Probleme - Städte sehen Lage entspannt

Die Referentin für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Sachsen, Rotraud Kießling, verweist weiterhin auf bürokratische Hürden für Hartz IV-Empfänger bei der Wohnungssuche. "Wenn sie eine kostengünstige Wohnung ergattern können, dauern die Antragsverfahren oft zu lange", sagte sie. "Dann ist die Wohnung schon wieder weg." Schwierigkeiten bekämen die Betreffenden auch oft durch alte Mietschulden oder Einträge bei der Schufa.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es in Sachsen aktuell etwa 146.000 Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften. Wie viele von ihnen eine kostengünstige Wohnung suchen, ist jedoch nicht bekannt. Momentan gebe es noch ausreichend kostengünstigen Wohnraum, heißt es aus den Stadtverwaltungen von Dresden, Leipzig und Chemnitz.

Leipzig: Doppelt so viele Wohnberechtigungsscheine

Dem Jobcenter in Leipzig zufolge hat das Interesse an mietpreis- und belegungsgebundenem Wohnraum in der Stadt zugenommen. Demnach habe sich die Zahl der Wohnberechtigungsscheine, die das Jobcenter an Bedürftige zur Wohnraumsuche vergibt, in drei Jahren mehr als verdoppelt. Die Zahl stieg von 544 im Jahr 2018 auf 1.132 im Jahr 2020. In dieser Zahl sind auch die Hartz IV-Empfänger enthalten. Auch deren Zahl verdoppelte sich in diesem Zeitraum von 393 auf 772.

Wenn Vermieter beim Bau, Umbau oder Sanierung von Wohnhäusern soziale Wohnraumförderung erhalten haben, kann die Stadt die Wohnungen für Inhaber eines Wohnberechtigungsscheins reservieren. Einer Sprecherin der Stadt Leipzig zufolge werden von der kommunalen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, den Genossenschaften und anderen Vermietern genügend kostengünstige Wohnungen angeboten.

Neues Rathaus in Leipzig
Die Stadt Leipzig verweist darauf, dass es in der Stadt genügend preiswerte Wohnungen gebe. Bildrechte: imago images/Rupert Oberhäuser

Leipzig hebt Kostenzuschuss von Hartz IV-Empfängern an

In die Unterkunftskosten, die für Hartz IV-Empfänger von der Kommune übernommen werden, fließen Wohnfläche, Grundmiete und kalte Betriebskosten ein. Für das laufende Jahr stellt die Stadt Leipzig nach eigenen Angaben dafür 130,4 Millionen Euro bereit. In der Stadt gelten demnach 45 Quadratmeter Wohnfläche für eine Person als Richtwert. Die Zahlung für die Kaltmiete, die von der Stadt übernommen wird, wurde in diesem Jahr von etwa 296 Euro auf rund 314 Euro angehoben. Dazu kommen rund 51 Euro für Heizkosten. Vier Berechtigte haben Anspruch auf 85 Quadratmeter Wohnraum für rund 610 Euro Miete und etwa 96 Euro Heizkosten.

Dresden senkt Zuschüsse

Die Stadt Dresden hat die Zuschüsse für die Unterkunft von Bedürftigen in diesem Jahr gekürzt. So werden den Angaben der Stadt zufolge seit Juni 2021 einem Einzelnen für seine Wohnung nur noch maximal 338 Euro statt zuvor gut 378 Euro Bruttokaltmiete erstattet. Für Haushalte mit drei Personen ging der Betrag von etwa 519 Euro auf rund 499 Euro zurück. Eine Steigerung gibt es erst ab vier Personen. Hier wurde der Betrag von etwa 606 Euro auf gut 617 Euro leicht angehoben. Die Stadt begründete die Kürzung mit einer "wissenschaftlich fundierte Auswertung" der Daten.

Dresden-Neustadt Hauptstraße
Dresden hat die Zuschüsse für Bedürftige 2021 gesenkt. Bildrechte: IMAGO / Torsten Becker

Zudem sei vor allem durch Neubauinvestitionen das Angebot an verfügbaren Ein- bis Dreiraumwohnungen gestiegen. So baue die städtische Tochter "Wohnen in Dresden" (WiD) ihren Bestand kontinuierlich aus. Private Bauträger würden demnach weitere geförderte Wohnungen errichten. Nach Angaben des größten Wohnungseigentümers der Stadt, der "Vonovia", sind etwa 10.000 Wohnungen des Unternehmens mit einem Belegungsrecht der Stadt versehen. Die Stadtverwaltung Dresden beziffert die Anzahl der Hartz IV- Haushalte auf 21.434 (Stand Juni 2021). Für das Jahr 2021 rechnet die Stadt wird mit etwa 102 Millionen Euro Kosten für Wohnunterkünfte von Hartz IV-Beziehern.

Chemnitz: Umzug wegen zu hoher Wohnkosten

Etwa 20 sogenannte Bedarfsgemeinschaften von Hartz IV-Empfängern mussten in Chemnitz 2019 monatlich umziehen, nachdem sie vom Jobcenter zu Senkung ihrer Wohnkosten aufgefordert worden waren. Auf dem Wohnungsmarkt gebe es ausreichend Angebote, hieß es dazu vom Jobcenter der Stadt. Jeder Leistungsempfänger fände in der Regel eine bedarfsgerechte Wohnung. Es wird allerdings darauf verwiesen, dass Hartz IV-Empfänger mit anderen Gruppen um die kostengünstigen Wohnungen konkurrierten. Auch Studenten, Asylbewerber oder Wohngeldempfänger seien auf der Suche nach günstigem Wohnraum.

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 23. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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