Folgen der Pandemie Bürgerämter beklagen Personalmangel und hohen Anträge-Rückstau

13. September 2022, 05:00 Uhr

Abstandsregeln und hohe Inzidenzen zwangen Bürgerbüros dazu, sich ein neues System zu überlegen. Doch auch nach dem Wegfall der meisten Coronabeschränkungen halten viele Ämter daran fest, Termine nur online zu vergeben, manchmal erst Wochen später. Ein MDR-AKTUELL-Hörer fragt sich, warum das so ist.

Die Dresdner Bürgerbüros sind überlastet, das muss auch Bürgeramtsleiter Markus Blocher eingestehen. Vor der Pandemie lagen die Wartezeiten noch bei zwei Wochen. Durch Corona wurde die Wartezeit länger. Doch das Ende der Maßnahmen habe dann nicht für die erhoffte Entspannung gesorgt, sagt Blocher. Nach seinen Worten liegt die Wartezeit bei aktuell zwölf Wochen.

Rückstau von über 60.000 Anträgen

Denn während der Pandemie hätten viele Bürger sich gar nicht erst mit ihren Anliegen an die Bürgerbüros gewandt, erklärt Blocher. Viele hätten auf Grund der Reisebeschränkungen auf eine Verlängerung des Reisepasses verzichtet. Und dadurch würden jetzt deutlich mehr Anträge eingehen.

Der Bürgeramtsleiter rechnet vor: "Wir schaffen es pro Woche, rund 5.000 Anträge zu bearbeiten. Und wir haben einen Rückstau von 60.000 Anträgen. Das macht mal die Dimensionen klar." Das könne eigentlich nur durch zusätzliche Maßnahmen abgebaut werden, denn der Anstau aus der Corona-Zeit sei mit der aktuellen Personaldecke nicht zu stemmen.

FDP: Wichtigste Aufgabe der Stadt ist Bürgerservice

Unterstützung erhält der Amtschef von FDP-Stadtrat Robert Malorny, der mit seiner Fraktion das Thema in die nächsten Stadtratssitzungen nehmen will. Insgesamt mehr Personal bei der Stadt will Malorny nicht versprechen, aber sich stattdessen dafür stark machen, "dass die Stadt sich mal darauf konzentrieren muss, dass die Ressourcen personeller und auch finanzieller Art in die Pflichtaufgaben gehen müssen".

Und die Pflichtaufgabe Nummer 1 sei der Bürgerservice und damit auch die Bürgerbüros, erklärt der FDP-Politiker. Dort brauche es genügend Ressourcen, und auch eine moderne und effiziente Arbeitsweise müsse an den Tag gelegt werden.

An Terminvergabesystem festhalten

Aus Effizienzgründen will Bürgeramtschef Markus Blocher auch weiterhin am Terminvergabesystem festhalten. Für die Arbeit im Bürgeramt sei das von Vorteil, da sich so die Mitarbeiter auf die Termine vorbereiten könnten. Gleichzeitig soll in Zukunft der Dienstag als Tag für Bürger ohne Termin angeboten werden. Und die Sachbearbeiter sollen durch optimierte Arbeitsabläufe entlastet werden.

Blocher erklärt weiter: "Wir haben jetzt in Kürze die sogenannte Dokumentenausgabebox im Einsatz. Die vermeidet den Abholungstermin vor Ort. Der Antragssteller oder die Antragstellerin können an dieses Gerät und holen ihren Ausweis oder ihren Reisepass dann direkt an dem Gerät ab, ohne das ein Beschäftigter hier noch mal in dem Termin gebunden ist und der Bürger natürlich auch nicht."

Für dringende Anliegen, die zeitkritisch sind, bieten die Bürgerbüros aber schon seit der Pandemie auch kurzfristige Termine an. Diese Option gebe es nach wie vor, betont Blocher. Wer ein dringendes Anliegen hat, kann per Mail oder telefonisch direkt einen Termin in seinem Bürgerbüro anfragen – und bekomme diesen in der Regel innerhalb einer Woche, da die Zeitslots bei der Online-Terminvergabe großzügig bemessen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 13. September 2022 | 06:00 Uhr

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