Corona-Leitstellen Bisher keine Triage an Kliniken in Sachsen

Ostsachsen ist einer der Corona-Hotspots in Deutschland. Die Lage in den Kliniken dort ist ernst. Nach den Äußerungen eines Mediziners in Zittau, dass es zur gefürchteten Triage gekommen sein soll, schlagen die Wellen hoch. Die Corona-Leitstelle versucht, die Diskussion zu versachlichen.

Außenansicht des Klinikum Oberlausitzer Bergland gGmbH im sächsischen Zittau
Das Klinikum in Zittau Bildrechte: dpa

Auch in der zugespitzten Corona-Lage hat bisher noch kein Krankenhaus in Sachsen eine Triage bei Corona-Patienten vornehmen müssen. Das teilte die Krankenhausleitstelle Ostsachsen mit. Sie reagierte damit auf Äußerungen eines Mediziners aus Zittau, der von einer Triage am dortigen Klinikum Oberlausitzer Bergland gesprochen hatte.

Nach wie vor freie Intensivbetten in Sachsen

Triagieren gehöre in Notaufnahmen zum Alltag, erklärte das Uniklinikum Dresden, zu der die Corona-Leitstelle gehört. Das bedeutet, dass Patienten, denen es besonders schlecht geht, besonders dringlich behandelt werden. In Katastrophensituationen könne sich der Fokus wandeln. Dann werde Triage angewandt, um Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Patienten überleben - manche eben aber auch nicht.

Kein Krankenhaus in Sachsen ist bisher in der Situation, eine Triage vornehmen zu müssen, bei der es darum geht, dass möglichst viele Patienten überleben - um den Preis, das anderen Patienten sterben müssten.

Christian Kleber Chef der Krankenhausleitstelle am Uniklinikum Dresden

Leitstellenprinzip soll Patienten verteilen

Als Lehre aus der dramatischen Überlastung von Kliniken in Italien und Frankreich im Frühjahr seien in Sachsen drei Leitstellen in Dresden, Chemnitz und Leipzig eingerichtet worden, die die Behandlung von Corona-Patienten landesweit steuern. Nach wie vor gebe es freie Intensiv- und Normalstationsbetten in Sachsen. "Bis heute wurden alle Anfragen bezüglich eines Intensivbettes durch die Krankenhausleitstellen des Freistaats erfolgreich bearbeitet und die Patienten entsprechend zugewiesen."

Überlastung der Kliniken droht

Allerdings sei die Lage in Sachsen durchaus kritisch. Die Krankenhäuser des Clusters Dresden/Ostsachsen und Chemnitz/Westsachsen liefen "klar in eine Überlastung hinein". Dies könne zum Kollaps der Versorgung führen, wenn die Neuinfektionszahlen in den kommenden Wochen nicht sinken. Die Stadt Dresden hatte am Mittwoch gemeldet, dort seien alle Intensivbetten für Corona-Patienten belegt.

Zittauer OB Zenker fordert Hilfe

Der Zittauer Oberbürgermeister Thomas Zenker erklärte, die Krankenhäuser der Region hätten ihre Leistungsgrenze in der Corona-Pandemie überschritten. Schnelle Hilfe sei nötig für die Verlegung von Patienten in andere Krankenhäuser. Die Kapazitäten der regionalen Rettungsdienste reichten dafür nicht mehr aus. "Es ist klar erkennbar, dass wir in dieser Lage aus eigener Kraft nicht weiterkommen", erklärte der Stadtchef.

Eine Unterstützung der Bundeswehr sei willkommen, es müssten aber auch noch andere Alternativen her, um Corona-Patienten in weiter entfernte Krankenhäuser bringen zu können. Zenker forderte zudem die Bevölkerung zum Zusammenhalt auf. Nach wie vor gebe es Gruppen, die Corona als große Verschwörung darstellten. Damit müsse nun genug sein, verlangte er. Es sei an der Zeit, endlich gemeinsam daran zu arbeiten, die Krise abzuwenden.

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.12.2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Simone vor 17 Wochen

Traurig, Dass es soweit kommen musste. Es sollte sich jeder selbst fragen, was er mit seinem Verhalten zu dieser Krise beigetragen hat. Es ist ja nicht so, dass sich das Virus teleportiert, sondern man muss schon ganz gezielt die Nähe von anderen Menschen suchen und auf Hygienemaßnahmen pfeifen. Ich bin gespannt wie lange sich die Sachsen erinnern werden, wer in dieser Krise Sand ins Getriebe der Schutzmaßnahmen gestreut hat und somit wenigstens mitverantwortlich ist für den Tod von Großeltern, Eltern oder anderen geliebten Menschen.

Der "pfiffige Sachse" ist angesichts dieser Infektionszahlen aktuell wie so oft lediglich eine Wunschvorstellung. Es ist ja nicht so, dass es in Sachsen an Seife und Masken mangelt. Um Einsicht und die Akzeptanz von Fakten sieht es da schon schlimmer aus. Bei der nächsten Wahl kann man ja wieder sein Heil bei den Alternativen suchen. Die werden das Virus dann bestimmt verbieten.

Lavendel vor 17 Wochen

Wer als Partei wissenschaftliche Fakten wie die Verbreitung eines Virus und dessen Gefährlichkeit leugnet, der muss sich nicht wundern, wenn in den blaubraunen Stammlanden die Infektionzahlen durch die Decke gehen und Methoden wie eine Triage, die sich aus der Kriegsmedizin ableiten, plötzlich an sächsischen Kliniken ganz nahe sind. Ärzte und Pfleger kämpfen überall um das Leben ihrer Patienten und sind am Limit. Doch alle Regelungen der Politik und aller Einsatz des Klinikpersonals hat keine Chance wenn Menschen auf Anstand scheißen und sich einen Dreck um die Regelungen scheren.

Nicht die Regierung ist für diese Krise verantwortlich, sondern dumme Menschen die meinen sich an keine Regeln halten zu müssen und Gruppierungen die sie in diesem Glauben bestärken.

Ines W. vor 18 Wochen

Vielen Dank liebe Querdenker, Querulanten, Reichsbürger AfD-Effekthascher und Rechtsextremisten. Aus meiner Sicht geht es euch nicht um das Land oder gar die Menschen die darin leben, sondern um eure eigene Machtposition und das eigene Ego. "Je schlechter es Deutschland geht, desto besser geht es der AfD" sagt ja sinngemäß der langjährige AfD Bundessprecher Lüth.

Aktuell diskutieren wir über die Situation einer Triage, wir haben Infektionszahlen, bei denen es keinem Lottogewinn mehr gleich kommt, wenn man eine Infizierte Person trifft und sich selbst ansteckt. In so einer Situation und in deren Vorfeld haben die oben genannten Gruppen mit allen Mitteln versucht die Menschen mit Lügen über das Virus gegen die Maßnahmen der Regierung aufzubringen. Die folgen sehen wir jetzt.

Die Mechanismen zur Verbreitung von Corona waren spätestens im Frühsommer bekannt und es gehört wenig Verstand dazu die Gefährlichkeit eines brennenden Teelichtes (Situation im Sommer) in einer Scheune zu erkennen.

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