Ehrenamt Cowboys und -girls aus Lauenstein schneiden sich Wanderwege frei

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust - Erholung und Bewegung in der Natur suchen viele Menschen. Um die Ordnung auf den Wegen kümmern sich Wegewarte. Oder Freiwillige, die mit Kettensägen den Weg frei schneiden.

Drei Männer stehen in Arbeitskleidung mit Motorsäge und Motorsense vor einem Wanderwegweiser im Wald.
Drei der Lauensteiner "Wanderwege-Cowboys – und -girls": Mario Micke, Falk Bernau und Frank Lehmann. Bildrechte: MDR/Andreas Roth

Sommerzeit ist Wanderzeit. Doch wer kümmert sich um die Wege, Wegweiser und Bänke? Oft sind es Ehrenamtliche, die mit viel Liebe und Zeit all das in Schuss halten. "Wanderwegewart" heißt dieses Ehrenamt, für das oft der Nachwuchs fehlt. Das ist auch in Lauenstein im Osterzgebirge so. Deshalb haben dort einige Einwohner die Sache selbst in die Hand genommen. Sie nennen sich "Wanderwege-Cowboys und -girls".

Motorsägen statt Pferd und Lasso

Diese Cowboys haben weder Pferd noch Lasso – dafür Motorsense und -säge. Mario Micke senst den Wanderweg durchs Unterholz bei Lauenstein frei. Sonst ist die Natur schneller. "Wenn das keiner frei schneidet, ist der Weg einfach weg. Da kommt man aus dem Wald und denkt: 'Der Weg endet hier'." Dann würde man die schönsten Wege verpassen. "Deswegen müssen wir ein bisschen hinterher sein", sagt Micke.

Motorsense
Mit der Motorsense schneiden die Cowboys die Wanderwege um Lauenstein frei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Corona-Idee mit Folgen

Zehn "Wanderwege-Cowboys und -girls" aus dem Osterzgebirge kümmern sich in ihrer Freizeit um die 25 Kilometer Wege rings um Lauenstein. Der Lockdown brachte sie vor zwei Jahren auf die Idee mit den Wanderwegen, erzählt Rettungsschwimmer Falk Bernau. "Corona, keiner durfte richtig raus aus dem 15-Kilometer-Radius. Da dachten wir, dass man etwas im Umkreis machen muss. So ging es los."

Manchmal müssen die Cowboys zu schwerem Gerät greifen. Wenn umgestürzte Bäume oder Äste die Wanderwege versperren, hilft nur die Motorsäge, sagt Frank Lehmann. "Die Wege immer freizuhalten, ist ein großer Aufwand." Der Kommune würde das Geld fehlen, dafür Personal einzustellen. "Alles, was wir selbst erledigen, bringt um so mehr."

Ein Arbeiter sägt mit einer Kettensäge einen umgefallen Baum klein
Manchmal müssen sich die Cowboys den Weg freisägen. Bildrechte: IMAGO / Deutzmann

Auf dem Rückweg von ihrem Einsatz kommen die drei Wanderwege-Cowboys an einem Felsen vorbei. Mario Micke, der hauptberuflich Notfallsanitäter ist, blickt lange hinab auf seine Heimatstadt. Für ihn ist es kein Zufall, dass Leute wie er hier so anpacken. "So wurde man aufgezogen, das sind Werte, die einem die Eltern vermittelt haben, und das ist einfach schön." Das sei dieses Miteinander. "Miteinander statt gegeneinander."

Sheriff gesucht

Die Lauensteiner "Wanderwege-Cowboys und -girls" suchen nach einem Sheriff: Sie hätten gern einen Wegewart, der sich den (Cowboy)-Hut aufsetzt. Auch weitere Mitstreiter würden sie gern in ihre Reihen aufnehmen, denn es gebe viel zu tun. Eine der Bänke am Wegrand muss repariert werden, sagt Lehmann. "Da ist der Holzwurm drin. Der arbeitet auch gegen uns", erzählt er lachend er. Falk Bernau ergänzt: "Sie ist zerbrochen. Aber ein Stück Holz hat jeder mal zu Hause. Mit einem bisschen Farbe sieht es aus wie neu!"

MDR (tfr/ar)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 22. Juli 2022 | 10:30 Uhr

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