Urlaub zu Hause Der letzte Zipfel vom Elberadweg - unterwegs von Bad Schandau nach Děčín

In den Sommerferien hatten wir eine Radtour von Bad Schandau nach Děčín gemacht - auf dem Elberadweg. Und wir haben uns gedacht: Was im Sommer einen Ausflug wert war, kann auch in den Herbstferien ein lohnenswertes Ausflugsziel sein. Deshalb lesen Sie hier noch einmal unsere Reportage und lassen Sie sich zu einem Ausflug inspirieren.

Blick über die Elbe auf ein Sandsteinmassiv
Es war ein tolles Erlebnis, die Sächsische Schweiz mal vom Fahrrad aus zu genießen. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Am Ende wird alles gut – das könnte als Fazit über der Radtour stehen, die meine Tochter und mich ins deutsch-tschechische Grenzgebiet verschlagen hat. Dass wir eine ausgiebige Radtour mit Picknick machen wollen, stand schon seit Monaten fest. Doch Corona, Abistress, Wetter – irgendwas war immer. Nun drückte langsam der Schuh, denn das Kind zieht weg und die versprochene Radtour drohte auszufallen. Wir schaufelten uns einen Sonnabend in den Ferien frei und das Wetter passte auch. Mit der S-Bahn bis Pirna fahren, dann nach Schmilka radeln und je nach Lust und Kondition noch ein Stück zurück – das war der Plan.

Hektik am Fahrkartenautomaten

Dann plötzlich Hektik am Morgen. "Wir wollen doch 9:40 Uhr mit der S-Bahn fahren", bekomme ich zu hören, als ich kurz nach 8:00 Uhr verkünde, noch schnell den Wochenendeinkauf erledigen zu wollen. Okay, im Eiltempo durch den Supermarkt, schnelles Frühstück und ab zum Bahnhof. 10:10 Uhr – das sollte unsere Bahn sein. Panik am Fahrkartenautomat. Bargeld nimmt er nicht, EC-Karte geht nicht. In letzter Minute können wir dann doch noch ein Familientagesticket und zwei Fahrradkarten buchen. Kaum ziehen wir die Fahrscheine aus dem Stempelgerät, rollt auch schon die S1 Richtung Schöna ein.

Und plötzlich ist der Zug rappelvoll

Fahrgäste und S-Bahn am Bahnhof Dresden Neustadt
Immer mehr Wanderer und Radfahrer steigen in die S-Bahn (Archivbild) Bildrechte: imago/Sven Ellger

Voller Freude nehmen wir im – noch leeren – Fahrradabteil Platz. Durchatmen. Zwei Stationen später schieben zwei Mountainbiker mittleren Alters, kleidungstechnisch Tour-de-France-Niveau, ihre Räder ebenfalls in das Abteil. Sofort stellt sich bei mir dieses seltsame Gefühl der Verbundenheit ein. Dass uns dieses Brüder-und-Schwestern-im-Geiste-Gefühl schon kurze Zeit später zu Hilfe kommen wird, konnte ich in dem Moment noch nicht ahnen. Denn mit jeder Station in Dresden füllt sich die S-Bahn merklich mit Reisenden. Am Hauptbahnhof ist unser Abteil schließlich so voll, dass kein Durchkommen mehr ist. Ich versuche Blickkontakt mit meiner Tochter zu halten, die auf der anderen Seite sitzt. Das ist kaum möglich. Und die Luft wird langsam dünn. Ich denke kurz an die steigenden Corona-Fallzahlen, versuche das aber schnell zu verdrängen.

Wichtiger Hinweis am Nationalparkbahnhof

Blick auf das Gebäde des Bahnhofs Bad Schandau.
Im Nationalparkbahnhof gibt es Toiletten und auch leckeres Softeis. Bildrechte: dpa

Schließlich halten wir eine kurze Krisensitzung ab. Und dann Planänderung. Ausstieg in Pirna bei diesen Menschenmassen mit den Rädern ausgeschlossen. Wir beschließen, uns an die Fersen der beiden Radprofis zu heften. Sie fahren bis Bad Schandau und wir jetzt auch. Glücklicherweise hat die Bahn schon in Rathen und Wehlen jede Menge Wanderer ausgespuckt, so dass wir jetzt gechillt mit unseren Fahrrädern aussteigen können. Auf dem Platz vor dem Nationalparkbahnhof sortieren wir uns, tragen Sonnencreme auf und überlegen, welche Route wir denn jetzt fahren wollen. Děčín 22 Kilometer lese ich auf dem Schild des Elberadweges. Na gut, dann halt nach Tschechien. Wir treten in die Pedalen. Nicht ohne den Hinweis gelesen zu haben, dass es im Nationalparkbahnhof leckeres Softeis gibt.

Tolle Bauerngärten entlang der Strecke

Nach einem kurzen Stück auf Schotteruntergrund, der mir Vorteile verschafft, weil ich im Gegensatz zu meiner Tochter nicht Rennrad fahre, wird es so, wie wir es uns vorgestellt haben. Gediegener Asphalt, kaum Menschen, rechts des Weges niedliche Häuschen mit tollen Bauerngärten und links gemächlich fließend die Elbe, eingebettet in jede Menge Grün. Auf der anderen Flussseite verwöhnt uns das wunderschöne Sandsteinpanorama, das allerdings gelegentlich von braunen Waldflächen unterbrochen wird. Der Borkenkäfer macht auch vor der Sächsischen Schweiz nicht Halt.

Strecke machen ist die Devise

Wir genießen die Ruhe und die Landschaft, der Stress der Anreise fällt langsam von uns ab. Die Anspannung weicht auch aus dem Gesicht meiner Tochter und so rollen wir über den Elberadweg langsam Richtung Grenze. Immer wieder mischt sich etwas modriger Geruch darunter und Geröllhaufen an der Strecke erinnern daran, dass die Unwetter im Juli auch hier gewütet haben. Doch der Radweg ist komplett frei und Sonnabendmittag auch kaum befahren. Meinem Wunsch nach einem Picknick wird eine Absage erteilt und auch beim Restaurant Dolní Grund – offenbar ein beliebtes Ausflugslokal direkt am Radweg - gibt es kein Erbarmen. Strecke machen, ist die Devise.

Blick über die Elbe auf das Schloss Děčín
In Děčín bestimmt das wunderschöne Schloss das Stadtbild. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Vorbei an nahezu unberührten Flusslandschaften nähern wir uns nach etwa anderthalb Stunden unserem Ziel. Im Stadtgebiet von Děčín müssen wir uns den Radweg mit Autos teilen. Schließlich erhebt sich das wunderschöne Schloss der Stadt vor uns, an dessen Fuß an diesem Tag eine Sportveranstaltung stattfindet. Wir begnügen uns mit dem Blick aus der Ferne, zumal zur Bespaßung des Publikums zwei Minipanzer über die Wiese rollen. Ist nicht so unser Ding.

Picknick im Park

In einem Park stehen Fahrräder
Nach dem Picknick noch kurz ein Nickerchen. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Wir finden schließlich einen schönen Park mit Blick auf das Schloss, wo wir unser Picknick ausbreiten. Pizzaschnecken, Muffins, Gemüsesticks - herrlich. Noch schnell ein Mittagsschläfchen, bevor es die 22 Kilometer wieder zurückgeht. Die Stadt hätte touristisch noch einiges zu bieten. Doch wir wollen nicht wieder in der Primetime im Zug sitzen und treten die Rückfahrt an. Voller Bewunderung schauen wir noch den Kletterbegeisterten zu, die mitten in der Stadt die Schäferwand erklimmen. Der Kletterfelsen scheint ein echter Anziehungspunkt zu sein.

Wir lassen den Lärm der Stadt wieder hinter uns, genießen die Fahrt durchs Grüne und die wechselnden Sichtbeziehungen. Als die Elbe wieder mal eine besonders schöne Biegung macht, halten wir an, um noch ein Erinnerungsfoto für das Familienalbum zu schießen. Noch ganz verzückt steige ich aufs Fahrrad und ziehe mir den Zorn einer älteren tschechischen Dame zu, die sich von mir unbemerkt von hinten genähert hat. Nur ganz knapp entgehen wir einem Zusammenstoß. Sie beschimpft mich von oben bis unten. Gut, dass ich nichts verstehe.

Eine Radfahrerin fährt auf dem Elberadweg
Die Beschaffenheit des Radweges ist super - auch für Rennräder. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Im weiteren Verlauf trauen wir uns nicht, sie zu überholen und so radeln wir ganz gemütlich wieder Richtung Deutschland. Wir passieren Schmilka und Schöna und kommen schließlich geschafft, aber glücklich in Bad Schandau wieder an. Die 20 Minuten bis zur Abfahrt der S-Bahn überbrücken wir mit einem Softeis, das hier wirklich sehr lecker ist.

Karte Urlaub in Sachsen
Bildrechte: MDR/Rainer Wolf

Fazit

Die Tour ist absolut empfehlenswert und je nach Kondition auch kürzer oder länger zu absolvieren. Wer mit der S-Bahn anreist, sollte schon vorher die Tickets buchen, um dem Stress am Bahnsteig zu entgehen. Und lieber etwas eher starten als wir, um nicht im dichtesten Gedränge zu fahren.

Anreise

  • Mit dem Auto: über die B172 bis Bad Schandau, hier mehrere Parkmöglichkeiten.
  • Mit der Bahn: mit der S1 von Dresden Richtung Schöna.

Öffnungszeiten

  • Tag und Nacht

Geeignet für

  • Familien
  • Paare
  • Sportlerinnen und Sportler
  • Teams

Verpflegung

  • ein schönes Picknick selbst mitbringen (es gibt unterwegs mehrere Picknickplätze)
  • mehrere Einkehrmöglichkeiten an der Strecke

Daran sollte man denken

  • Sonnencreme (bei schönem Wetter)
  • Zeit mitbringen, um Děčín zu erkunden

Wenn man schon mal da ist

  • Schloss in Děčín besuchen oder auch das Nationalparkhaus in Bad Schandau.

Toiletten

  • im Nationalparkbahnhof Bad Schandau
  • unterwegs kaum Möglichkeiten

Geheimtipp(s)

  • Softeis im Nationalparkbahnhof zur Belohnung
  • Kletterfelsen Schäferwand in Děčín

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