Hochwasser Entspannung: Straßen in Sächsischer Schweiz und Oberlausitz wieder frei

Nach den Unwettern in der Sächsischen Schweiz und der Oberlausitz dauern die Aufräumarbeiten an. Die meisten Straßen sind aber beräumt und gesäubert, der Bahnverkehr läuft an. Nur die Nationalparkbahn U28 und die Kirnitzschtalbahn fahren vorerst noch nicht.

Aufräumarbeiten nach Unwetter in Ostsachsen 2021
In den vom Unwetter betroffenen Gebieten sind viele Straßen wieder gereinigt, die Feuerwehren der Region haben den ganzen Sonntag über Schlamm von den Fahrbahnen gespült. Bildrechte: Konstantin Henß

Die Menschen in den von den Unwettern in Sachsen betroffenen Gebieten der Sächsischen Schweiz und Oberlausitz sind weiter mit dem Aufräumen beschäftigt. Der Stadtwehrleiter von Bad Schandau, Kai Bigge, sagte MDR SACHSEN am Montagmorgen, zwar sei die Feuerwehr selber nicht mehr dabei, aber das Technische Hilfswerk sei in der Stadt im Einsatz. "Wir haben noch ein paar Objekte in der Ortslage Krippen beziehungsweise in Reinhardtsdorf-Schöna, die es sehr getroffen hat mit Unterspülungen." Dort werde geprüft, ob Einsturzgefahr besteht. Ein Haus sei noch nicht mit Fahrzeugen erreichbar, weil ein Bach eine Brücke weggeschwemmt hat. Man könne derzeit nur zu Fuß zu dem Haus gelangen.

Eingebrochene Straße
In Schöna-Hirschgrund ist ein Hang abgerutscht, hat Bäume und einen Teil der Fahrbahn mit sich gerissen. Das THW prüft nun das Areal. Bildrechte: Marko Förster

Aufatmen im Kirnitzschtal

Entspannung gibt es im Kirnitzschtal. Dort seien Schlamm und Geröll beseitigt, so Wehrleiter Bigge. Am Sonntag und Montag waren bereits wieder Ausflügler in der Region unterwegs. Zur Höhe der Schäden könne er nichts sagen. Es sei aber nicht so schlimm wie 2010 gewesen.

Elisabeth König, Wirtin vom Gasthof Lichtenhainer Wasserfall
Elisabeth König, Wirtin vom Gasthof Lichtenhainer Wasserfall, hat schon viele Unwetter im Kirnitzschtal erlebt. Schon am Tag nach dem Starkregen hat sie wieder Gäste bewirtet. Bildrechte: Daniel Förster

Auch die Hauptwege in Bad Schandau habe man wiederhergestellt. Allerdings sei die Straße nach Ostrau stark unterspült worden und daher nur halbseitig befahrbar.

Neustadt stark betroffen

Der Bürgermeister von Neustadt in Sachsen, Peter Mühle (Neustädter für Neustadt), sagte MDR SACHSEN, Personen seien nicht verletzt worden. Allerdings seien viele Keller vollgelaufen gewesen. Mühle weiter: "Wir haben massive Schäden auch an Straßen, Wegen und Plätzen, was jetzt seitens meines Bauamtes und des Bauhofes erst mal alles aufgenommen werden muss." Das werde bis Ende der Woche dauern.

380 Feuerwehreinsätze in der Oberlausitz

Auch in der Oberlausitz gehen die Aufräumarbeiten weiter. Insgesamt waren die Feuerwehren in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zu 380 Einsätzen gerufen worden. In Neukirch trat die Wesenitz über die Ufer und überschwemmte Straßen, Brücken und Keller. In Wilthen richtete das Butterwasser viele Schäden an. In Bischofswerda lief unter anderem der Keller des Stadtarchivs voll Wasser. Auch in der Gemeinde Doberschau-Gaußig gab es am Sonnabend zahlreiche überflutete Keller, Straßen und Brücken. Alle 21 Ortsteile waren betroffen, da das Wasser vor allem in den kleinen Bächen sehr schnell stark anstieg.

Lokalpolitiker: Keine 100-prozentiger Hochwasserschutz möglich

Dabei habe die Gemeinde beim Hochwasserschutz bereits viel getan, betonte Bürgermeister Alexander Fischer (CDU). "Wir sind gerade dabei, die Durchlässe zu erhöhen oder zu verbreitern, damit sozusagen mehr Wasser abfließt."

Wir bauen aus für ein 50-jähriges Hochwasser, für ein 100-jähriges Hochwasser bauen wir gar nicht aus. Das heißt also, dass es immer wieder auch Regenfälle geben wird, die zu Überschwemmungen in den Häusern führen.

Alexander Fischer Bürgermeister von Doberschau-Gaußig

Fischer glaubt, man werde keine einhundertprozentige Sicherheit ermöglichen können. Dennoch ist der Bürgermeister überzeugt davon, dass die Gemeinde angesichts der Regenmengen vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist.

Immer mehr Straßen wieder frei

Laut Verkehrswarndienst der sächsischen Polizei gibt es kaum noch Verkehrsbehinderungen. Die Kirnitzschtalstraße ist zwischen Bad Schandau und dem Abzweig nach Ottendorf noch wegen Fels- und Hangsicherungsarbeiten gesperrt. Laut MDR-Verkehrszentrum ist ferner die S154 zwischen Bad Schandau und Sebnitz wegen Aufräumarbeiten gesperrt. Wer nicht zwingend in das Hochwassergebiet muss, sollte die Region weiterhin meiden.

Aufräumarbeiten Hochwasser Sachsen 2021
Die Polizei hat die B172 zwischen Königstein und Bad Schandau gesperrt und kontrolliert die Fahrzeuge. Bildrechte: Marko Förster

Bahnstrecke Dresden - Prag wieder eingleisig befahrbar

Nachdem die Bahnstrecke Dresden - Prag wegen Bergungsarbeiten zwischenzeitlich voll gesperrt war, wird sie seit der Nacht zum Montag wieder eingleisig befahren. Nach Angaben der Deutschen Bahn kann es jedoch durch die anhaltende Beeinträchtigung des Zugverkehrs zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin weiterhin zu Verspätungen von kommen. Die Nationalparkbahn U28 Sebnitz - Bad Schandau - Decin fährt aktuell noch nicht. Die S1 fährt wieder bis Schöna.

Geräumte Bahnstrecke mit Testzug
Die internationale Eisenbahnstrecke Dresden - Prag ist seit Sonntag halbseitig wieder frei. Ein Messfahrzeug der Bahn hat Gleis und Oberleitung vor Freigabe überprüft. Bildrechte: Daniel Förster

Gleise der Kirnitzschtalbahn werden gereinigt

Die Betriebsleitung der Kirnitzschtalbahn teilte auf Anfrage mit, am Montag dauere die Reinigung der Gleise an. Am Dienstagmorgen soll entschieden werden, wann der Betrieb der Überlandstraßenbahn wieder starten kann. Ein Zug falle nach Wasserschaden an der elektrischen Anlage länger aus, hieß es.

Wegen Sperrung des Kirnitzschtals werden die Busse der Linien 241 und 269 von Hinterhermsdorf nach Bad Schandau beziehungsweise Sebnitz umgeleitet, sagte ein Sprecher des Verkehrsverbundes Oberelbe.

Die Aufnahme der Schäden an der Infrastruktur in der Region dauere an, beziffern ließen sie sich noch nicht, hieß es aus dem Landratsamt Pirna.

Kabinett will am Dienstag beraten

Innenminister Roland Wöller (CDU) war am Sonntag in Bad Schandau, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Im Ortsteil Krippen waren auch am Sonntagmittag zum Teil noch Straßen überschwemmt. Am Dienstag wolle das Kabinett über die Lage beraten, sagte Wöller. Dann werde man sehen, wo und in welchem Umfang der Freistaat helfen kann.

Die Unwetter weckten bei Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) Erinnerungen an frühere Hochwasser im Freistaat. "Sachsen hat seit den schmerzlichen Hochwassern von 2002, 2010 und 2013 viele Abläufe angepasst und viel Erfahrungswissen gesammelt", erklärte er. "Das ist einer der Gründe, warum an diesem Wochenende Schlimmeres verhindert werden konnte."

Bildergalerie Aufräumarbeiten nach Unwetter dauern an

Aufräumarbeiten Hochwasser Sachsen 2021
In Bad Schandau dauern die Aufräumarbeiten am Sonntag nach dem Unwetter an. Bildrechte: Daniel Förster
Aufräumarbeiten Hochwasser Sachsen 2021
In Bad Schandau dauern die Aufräumarbeiten am Sonntag nach dem Unwetter an. Bildrechte: Daniel Förster
Aufräumarbeiten Hochwasser Sachsen 2021
Die Kirnitzschtal-Bahn muss nach dem Unwetter abgeschleppt ... Bildrechte: xcitepress
Aufräumen nach Hochwasser in Bad Schandau
... und im Depot geschrubbt werden. Bildrechte: Daniel Förster
Aufräumen nach Hochwasser in Bad Schandau
An der Kirnitzschtal-Klinik wird aufgeräumt. Bildrechte: Daniel Förster
Aufräumarbeiten nach Unwetter in Ostsachsen 2021
Hochwasser gab es auch in Polenz. Hier trat der gleichnamige Fluss über die Ufer. Bildrechte: Konstantin Henß
Aufräumarbeiten nach Unwetter in Ostsachsen 2021
Auch die Feuerwehr hilft dabei, die Straßen vom Schlamm der Überschwemmungen zu befreien. Bildrechte: Konstantin Henß
Hochwasser in Bad Schandau, Ortsteil Krippen
Im Ortsteil Krippen kam es zu Erdrutschen nach dem Unwetter am Sonnabend. Bildrechte: xcitepress
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
Paul Thonig (r.) aus Wilthen ist am Sonntag mit Aufräumen beschäftigt. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
Keller und Garagen sind bei dem Wilthener vollgelaufen, einige Elektrogeräte sind hinüber. Aber es sei ein verhältnismäßig kleiner Schaden, sagt Paul Thonig. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
In der Garage hat Thonig markiert, wie hoch das Hochwasser 2010 stand. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
Diesmal stieg es höher als 2010. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
Das kleine Flüsschen Butterwasser entwickelte sich in Wilthen am Samstagabend innerhalb weniger Stunden zu einem reißenden Strom. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Anwohner räumen nach Hochwasser in Wilthen auf
Auch Uwe Nimmrichter aus Wilthen räumt am Sonntag Gegenstände aus Garage und Erdgeschoss zum Trocknen vor's Haus. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Straße vor einer Bäckerei in Wilthen am Tag nach dem Hochwasser
Als wäre nichts gewesen parken am Sonntag Autos vor dieser Bäckerei in Wilthen. Bildrechte: MDR/Kerstin Kunath
Hochwasser in Wilthen
Dabei sah es am Vortag hier noch so aus. Bildrechte: Markus Thonig (privat)
Hochwasser Neukirch
Kerstin und Rico Gläsner aus Neukirch hatten nach dem Hochwasser 2010 vorgesorgt und eine Wasserbarriere vor die Haustür montiert. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank
Alle (29) Bilder anzeigen

Mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter

Heftige Regenfälle hatten am Sonnabend zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. In der Sächsischen Schweiz waren einige Orte kurzzeitig von der Außenwelt abgeschnitten.

Wie das Landeshochwasserzentrum mitteilte, hatte es im Einzugsgebiet der Kirnitzsch, der Sebnitz, der Polenz und der Wesenitz örtlich innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. Auch an den Oberläufen von Schwarzer Elster und Spree seien es bis zu 80 Liter pro Quadratmeter gewesen. Deswegen stiegen die Pegel einzelner Flüsse rapide an. So wurde etwa an der Polenz zeitweise die Alarmstufe 4 erreicht, ebenso an der Neiße in Zittau. Am Montagmorgen galt noch die Alarmstufe 1 an der Neiße in Görlitz und an der Schwarzen Elster in Neuwiese bei Hoyerswerda.

Trübstoffe im Trinkwasser in Wehrsdorf

In Wehrsdorf im Kreis Bautzen ist derzeit die Trinkwasserqualität beeinträchtigt. Wie die Gemeinde Sohland an der Spree auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, sind durch die gestrigen Unwetter Trübstoffe ins Grundwasser und weiter in die Trinkwassertanks gelangt. Der zuständige Versorger habe bereits begonnen, die Sammelbehälter zu leeren und zu reinigen. Anwohner sollten vorerst ihr Leitungswasser abkochen, bevor sie es verwenden. Eine Gesundheitsgefahr bestehe nicht, betonte die Gemeinde.

Quelle: MDR/al/mar/jr/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Juli 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Dippoldiswalde und Sebnitz

Mehr aus Sachsen

Kneipe, Galerie und Ausstellungsraum Kohlgarten in der Kohlgartenstrasse 51 im Leipziger Osten, aufgenommen am 14.09.2013. 2 min
Bildrechte: dpa